Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein abstraktes Zukunftsthema, sondern prägt zunehmend den Alltag in den Städten und Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises. Hitzeperioden, Starkregen und die Frage nach einer widerstandsfähigen Infrastruktur standen deshalb im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Klimabeirats. Unter Vorsitz des Ersten Kreisbeigeordneten Andreas Hofmann ging es dabei nicht um ferne Visionen, sondern um konkrete Projekte, digitale Werkzeuge und den Versuch, den Kreis auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.
Im Zentrum der Beratungen stand die Frage, wie Kommunen schneller und gezielter auf neue klimatische Belastungen reagieren können. Karl Schrass, seit September Klimaanpassungsmanager des Main-Kinzig-Kreises, schilderte den aktuellen Stand in den Städten und Gemeinden. Dabei wurde deutlich, dass viele Kommunen inzwischen eigene Wege entwickeln, um Hitzeinseln zu vermeiden, Grünflächen auszubauen und sich besser gegen Starkregenereignisse zu schützen. Beispiele wie der PikoPark in Langenselbold oder umfangreiche Baumpflanzungen in Bad Soden-Salmünster zeigen, wie sichtbar diese Veränderungen bereits werden. Gleichzeitig arbeiten Kommunen wie Gelnhausen, Gründau, Linsengericht und Maintal an eigenen Klimaanpassungskonzepten.
Besondere Aufmerksamkeit galt den Schulen des Kreises. Klimaschutzmanagerin Mariia Kolmakova stellte die laufenden Sanierungen kreiseigener Gebäude vor, bei denen vor allem die energetische Modernisierung im Vordergrund steht. Derzeit befinden sich neun Projekte in der Umsetzung, mehr als 15 weitere Maßnahmen sollen im kommenden Jahr folgen. Geplant sind unter anderem neue Dächer, moderne Fenster und Fassaden, Sonnenschutzsysteme sowie LED-Beleuchtung. Gerade an der Erich-Kästner-Schule und der Anton-Calaminus-Schule werden Investitionen im sechsstelligen Bereich vorbereitet.
Auch Sporthallen sollen künftig energieeffizienter und barrierefreier werden. Im Rahmen des Bundesprogramms zur Sanierung kommunaler Sportstätten wurden Förderanträge für Standorte in Gelnhausen und Großkrotzenburg eingereicht, die bereits eine weitere Auswahlrunde erreicht haben. Ziel ist eine langfristig nachhaltige Nutzung der Gebäude bei gleichzeitig sinkendem Energieverbrauch.
Daneben setzt der Kreis bewusst auf kleinere, schnell umsetzbare Maßnahmen. Über das sogenannte Hausmeister-Budget können Schulen und Einrichtungen etwa Thermostatventile austauschen oder Beleuchtungssysteme modernisieren, ohne lange Planungsverfahren abwarten zu müssen. Für viele Gebäude seien genau diese pragmatischen Schritte oft besonders wirkungsvoll.
Als technisches Kernstück präsentierte Karl Schrass die sogenannte „Klimasuite“, ein digitales Analysewerkzeug für Städte und Gemeinden. Das System bündelt Daten des Deutschen Wetterdienstes, des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie sowie des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Damit lassen sich Risiken durch Hitze oder Starkregen bis auf einzelne Grundstücke analysieren. Zugleich liefert das System konkrete Hinweise auf mögliche Schutzmaßnahmen und passende Förderprogramme. Andreas Hofmann sprach von einer Möglichkeit, Risiken sichtbar zu machen, bevor daraus reale Schäden entstünden. Gerade kleinere Kommunen erhielten dadurch Zugang zu technischen Möglichkeiten, für die bislang oft Personal oder finanzielle Mittel fehlten.
Auch die Abfallwirtschaft des Kreises spielt inzwischen eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Julian Tobisch vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft stellte die Fortschritte bei der sogenannten In-Situ-Stabilisierung der Deponien vor. Durch die gezielte Belüftung der Deponiekörper soll der Ausstoß von Methan deutlich reduziert werden. Neue Anlagen an den Standorten Hailer, Hohenzell, Bruchköbel und Neuberg sollen ab Februar 2026 eine Gesamteinsparung von rund 800.000 Tonnen CO2-Äquivalenten ermöglichen.
Zum Abschluss hob Andreas Hofmann hervor, dass der Main-Kinzig-Kreis Klimaschutz und Klimaanpassung zunehmend als gemeinsame Aufgabe von Kreis und Kommunen verstehe. Der Wandel werde dabei nicht nur über große Programme sichtbar, sondern ebenso über konkrete Projekte vor Ort, die das Leben in den Städten und Gemeinden unmittelbar verändern. +++

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