London/Berlin. Die britische Premierministerin Theresa May hat Bundeskanzlerin Angela Merkel um Zeit für die Vorbereitung der „Brexit“-Gespräche gebeten. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf einen Sprecher der Bundesregierung. Darüber hinaus hat die Kanzlerin in einem ersten Telefonat am Mittwochabend der neuen Premierministerin gratuliert. Beide seien sich einig, dass die Zusammenarbeit „im Geiste der bewährten freundschaftlichen Beziehungen beider Länder“ fortgesetzt werden soll. Das gelte auch bei den anstehenden Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU.
May ist nach Margaret Thatcher die zweite Frau an der Spitze der britischen Regierung. An ihrem ersten Amtstag hat sie bereits wichtige Ministerposten im Kabinett neu besetzt: Der frühere Londoner Bürgermeister und „Brexit“-Befürworter Boris Johnson wird überraschend britischer Außenminister. Der vorherige Außenamtschef Philip Hammond wechselt ins Finanzressort. Der bisherige Finanzminister George Osborne hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht. Die bisherige Energieministerin Amber Rudd wird Innenministerin und übernimmt damit den Posten, den May in den letzten sechs Jahren selber innehatte. Verteidigungsminister Michael Fallon soll sein Amt behalten. Der erzkonservative David Davis soll neuer „Brexit-Minister“ werden. +++ fuldainfo

Leider fehlt in dem Artikel ein wichtiger Teil der Nachrichten: Frau May hat zu Beginn ihrer Amtszeit deutlich gemacht, dass sie sich für mehr soziale Gerechtigkeit in ihrem Land einsetzen will. Und das sagt eine konservative Politikerin! Und tatsächlich ist die soziale Ungerechtigkeit einer der wichtigen Gründe für die Befürworter eines Austritts aus der EU gewesen. Eine ganze Generation wurde von der wirtschaftsradikalen Politik einer Frau Thatcher in die Armut geschickt. Hunderttausende verloren ihre Arbeitsplätze in der Industrie, während in der Londoner City die Börsenmakler Sektparties feierten. Die Rente wurde teilprivatisiert und führte zu einer hohen Armutsquote der Rentner. Und da die EU an diesen sozialen Ungerechtigkeiten nichts änderte, hat man sich von ihr eben verabschiedet. Es ist also nur konsequent, wenn die neue Regierungschefin auf mehr soziale Gerechtigkeit setzt. Die EU sollte dies endlich auch tun.