Lullusfeuer entzündet

Bad-Hersfeld. Heute wurde das Lullusfest, das älteste Volksfest Deutschlands, offiziell eröffnet. Das Fest erinnert an den Gründer Bad Hersfelds und Bonifatius-Schüler Erzbischof Lull (710 bis 786 n. Chr.). Erstmals wurde es im Jahre 852 gefeiert. Seitdem findet das beliebte Heimatfest in der Woche statt, in die der Todestag des „Heiligen Lullus“ (16. Oktober) fällt. In seiner Eröffnungsrede sagte Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling, dass normalerweise bei der Rede zum Lullusfest gerne rückblickend saftig ausgeteilt und abgerechnet werde. „Ich hatte den Eindruck, das ganze letzte Jahr verlief so. Beinahe nonstop wurde in alle Richtungen ausgeteilt und abgerechnet.

Wir erlebten intensive Auseinandersetzungen zu den unterschiedlichsten Themen wie Windindustrie im Stadtwald, Lullus-Sportpark, Festspiele und Intendant, die es so nicht hätte geben dürfen. Denn bei allem, was wir tun, müssen die persönlichen Befindlichkeiten hinten angestellt werden. Alles andere schadet der Stadt Bad Hersfeld. Und genau deswegen möchte ich in diesem Jahr eine andere Rede halten. Keine, die austeilt, sondern eine, die zum Nachdenken anregt und uns ermutigt, es im nächsten Jahr besser zu machen. Was sich nach der Mehrheitsentscheidung des Magistrats zur Entlassung des Intendanten ereignete, hätte ich mir nie vorstellen können. Das Gremium ist eigentlich zum Stillschweigen verpflichtet und trotzdem gingen innerhalb weniger Minuten Informationen an die Öffentlichkeit. Daraus entwickelte sich eine Lawine, die sich zerstörerisch auf alle Beteiligten legte. Die Möglichkeit, noch konstruktiv zu agieren, ging dadurch völlig verloren. Auch ging jegliches Maß und Ziel verloren – es wurde oft nur noch einseitig argumentiert. Magistratskollegen wurden massiv unter Druck gesetzt. Der ganz böse Bube war ich“, sagte Fehling.

„Das fand ich ein bisschen zu einfach. Es wurde auch medial über das Ziel hinausgeschossen, die Fakten gerieten dabei in den Hintergrund. Das Ganze gipfelte dann darin, dass der Bürgermeister unter dem Deckmantel der Meinungs- und Kunstfreiheit mit einem Naziverbrecher auf eine Stufe gestellt wurde. Das hat mich sehr getroffen und verletzt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass mein Großvater wegen seiner demokratischen Einstellung von den Nazis inhaftiert wurde. Ist das wirklich der Umgangston, den wir in dieser Stadt haben wollen? In einer Demokratie muss gestritten werden, um die besten Lösungen zu finden, aber bei der Art und Weise sollte es Grenzen geben. Am Ende hatte die ganze Stadt einen Schaden genommen, es gab keinen Sieger, sondern nur Verlierer. Vielleicht sollten alle Beteiligten mal in sich gehen und den Mut haben sich einzugestehen, dass nicht alles so richtig war“, erläuterte der Bürgermeister. „Da schließe ich mich selbst nicht aus“.

Im Rückblick auf diese konfliktreiche Zeit hat sich meine Sichtweise auf bestimmte Formen des Umgangs auch verändert. Ich würde heute manches anders machen. Es hat zu viele persönliche Verletzungen auf allen Seiten gegeben. Und deswegen möchte ich heute dazu aufrufen, die Gräben zu schließen. Helfen Sie mit! Seit drei Wochen ist Bad Hersfeld wieder positiv in den Schlagzeilen. Ich freue mich, dass Dieter Wedel der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist. Auch seinen Plänen, Holk Freytag für das nächste Jahr einzubinden, stehe ich aufgeschlossen gegenüber. Ich möchte für die Zukunft der Festspiele das Beste – suchen wir nach Wegen, dies zu erreichen, unabhängig von früheren Querellen. Lassen Sie uns die Lolls-Woche dazu nutzen, wieder aufeinander zuzugehen, gemeinsam einen Lolls-Schoppen oder ein Lolls-Feuer zu trinken und vielleicht sogar die eine oder andere Hand zu reichen. Das lohnt sich bestimmt für jeden Einzelnen und vor allem für unsere Stadt“, sagte der Bürgermeister.

Im Anschluss wurde das Lolls-Feuer entzündet. Das feierliche Anzünden eines Holzstoßes, des Lullusfeuers, auf dem Marktplatz geht auf einen mittelalterlichen Brauch zurück. Das „Fierche“ war Symbol für die „Lullusfreiheit“, die Befreiung von den gemeindlichen Abgaben für die Dauer des Festes. Eine Besonderheit ist der Festbeginn: Als einziges Volksfest beginnt es montags. Für die „Herschfeller“ beginnt mit dem Lollsfest ein „neues“ Jahr, das „Lollsjahr“. Dies ist Ausdruck enger Verbundenheit der Bevölkerung zu ihrem Heimatfest. Das Lollsfest unterscheidet sich von anderen Volksfesten durch die Tradition des Festes, die Identifikation der Bürger mit ihrer Veranstaltung und die Attraktionen der Schausteller. +++ fuldainfo