Die NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, hat von der Landesregierung eine Entlastung von Lehrern und Schülern in diesem und im kommenden Jahr verlangt. Finnern sagte der "Rheinischen Post": "Ich plädiere dafür, dass man die Zahl der Klassenarbeiten in diesem Jahr reduziert. Es ist eine Illusion, dass wir ein normales Schuljahr haben. Das sollte sich auch die Ministerin eingestehen."
An den Schulen sollte ab Mittwoch nur noch eine Notbetreuung stattfinden. "Das sollte der Ministerpräsident dann auch klar benennen", sagte Finnern. Sie sei der festen Überzeugung, dass man nicht am 11. Januar mit dem normalen Unterricht weitermachen werde. "Deshalb wäre jetzt dringend eine Abkehr vom Dogma des Präsenzunterrichts notwendig. Es gibt doch zahlreiche gute Konzepte. Warum sperrt sich die Ministerin bis heute dagegen?" Daneben verlangte Finnern eine gute Test- und Quarantäne Strategie. "Es macht doch was mit den Menschen, wenn sie sechs Stunden lang mit einem Infizierten in einem Raum gesessen haben." Außerdem solle Ministerin Gebauer schon jetzt klar sagen, dass es auch im kommenden Jahr eine automatische Versetzung geben wird. "Ich befürchte ansonsten, dass zahlreiche Eltern gegen die Benotung ihrer Schüler klagen werden."
Linke kritisiert fehlendes Konzept für Digitalunterricht
Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat fehlende Konzepte für Digitalunterricht an deutschen Schulen kritisiert. "Es ist bezeichnend, dass wir in Deutschland eher einen Impfstoff gefunden haben, bevor wir es geschafft haben, qualifizierten Digitalunterricht in allen Schulen zu realisieren", sagte Bartsch dem Nachrichtenportal Watson. "Wenn die Bundesregierung entscheidet, dass es iPads für Schüler geben soll und das dann später, wie die Bundeskanzlerin erklärt, an der Realität scheitert, ist das ein Problem, das nicht zu akzeptieren ist", sagte er weiter. Dass es eine zweite Welle geben würde, sei absehbar gewesen. "Trotzdem wurde im Vorfeld zu wenig getan. Es zeigt sich jetzt, dass die Bundesregierung den Sommer schlecht genutzt hat, um sich vorzubereiten", so Bartsch. "Es sind weder ausreichend Masken gekauft, noch Testmöglichkeiten für Altenheime organisiert worden. Schulen und Klassen sind nicht ausreichend belüftet. Vieles wurde versäumt. Nahezu jedes Restaurant hat sich besser auf die zweite Welle vorbereitet als die Bundesregierung." Weiter kritisiert Bartsch die Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Schüler sollten sich durch Kniebeugen in den kalten Klassenzimmern warmhalten: "Das ist eine Aussage, die die Kanzlerin so nicht hätte tätigen sollen. Gute Ratschläge aus dem Bundestag in die Klassenzimmer sind unangemessen und helfen nicht, sondern können die Stimmung eher verschlechtern."
Bartsch bekräftigt seine Forderung, Schulen mit Luftfiltern auszustatten: "Es ist viel geleistet worden, von den Bürgerinnen und Bürgern, vielen Verantwortlichen, im medizinischen Bereich und so weiter, gerade auch, was Hygienekonzepte betrifft. Aber die Bundesregierung hätte besser unterstützen können. Luftfilter für alle Schulen zum Beispiel hätten 1,5 Milliarden Euro gekostet." Unterdessen verteidigte Bartsch die Bonuszahlungen an Mitarbeiter des Deutschen Bundestages. "Der Bundestag richtet sich für seine Beschäftigten nach den Tarif-Abschlüssen der Gewerkschaft Verdi. Das ist wichtig und richtig. Die Linke wirbt dafür, dass Tarif-Abschlüsse eingehalten werden, das ist Teil sozialer Politik", sagte er Watson. Bartsch richtet sich außerdem an Kritiker der Bonuszahlungen: "Ich bin strikt dagegen, dass so etwas instrumentalisiert wird, um Stimmung gegen Politikerinnen und Politiker und Beschäftigte des Bundestages zu machen. Es wurde von Mitgliedern von Verdi erkämpft und auch hier im Bundestag sind viele Mitarbeiter Verdi-Mitglieder, weshalb diese Regelungen selbstverständlich auch für Mitarbeiter des Bundestages gelten müssen." Zur Entscheidung einiger Mitarbeiter, die Boni zu spenden, sagte Bartsch, dass es die Entscheidung jedes Einzelnen sei. "Wir bei der Linken spenden zurecht vergleichsweise viel Geld. Es gibt keinen Bundestagsabgeordneten der Linken, der weniger als zweitausend Euro im Monat spendet." +++

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