Der Corona-Impfstart am 27. Dezember bringt den Intensivstationen nach Einschätzung des Chefs der Intensivmediziner, Uwe Janssens, frühestens vom März an geringe Entlastungen. "Der Impfstart bringt den Intensivstationen zunächst keine Entlastung", sagte Janssens der "Rheinischen Post". "Die erste Gruppe der Impfpersonen sind knapp neun Millionen Menschen, wir haben aber zwischen 15 und 21 Millionen vulnerable Personen in Deutschland, also Menschen, die älter sind oder eine Vorerkrankung haben", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).
Die Impfungen würden sich im geringen Umfang auch auf den Intensivstationen wohl erst ab März oder April positiv niederschlagen, sagte der Intensivmediziner. Er forderte Bund und Länder auf, die Kliniken dafür finanziell zu entlasten, dass sie auf Operationen verzichten, um mehr Corona-Patienten versorgen zu können. "Die Kliniken brauchen unbedingt einen finanziellen Ausgleich dafür, dass sie wegen der akuten Corona-Lage andere Operationen ausfallen lassen, die sonst Geld eingebracht hätten, Geld welches zur Sicherstellung der Liquidität dringend erforderlich ist", sagte Janssens. Der Lockdown ab 16. Dezember sei möglicherweise gerade noch rechtzeitig erfolgt. "Wir könnten die Lage auf den Intensivstationen gerade noch im Griff behalten, wenn jetzt alle Menschen den Rat der Politik und der Mediziner befolgen, ihre Kontakte auch an Weihnachten stark zu reduzieren", sagte der DIVI-Chef.
Städte mit Impfzentren gut aufgestellt
Die Impfzentren in den Städten sind startklar. "Mit den Impfzentren sind wir inzwischen gut aufgestellt. Dafür haben die Städte in den vergangenen Wochen aber auch ordentlich geklotzt", sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, der "Passauer Neuen Presse". Weil zu Beginn der Corona-Impfungen jedoch nur eine begrenzte Zahl an Impfdosen zur Verfügung stehen wird, warnte er vor zu hohen Erwartungen und befürchtet Enttäuschungen. "Es werden nicht alle auf einmal geimpft werden können", sagte er und forderte vor dem Start der Corona-Impfungen genaue Aufklärung und Ansagen. Es müsse verhindert werden, dass bei Behörden, Ärzten und Kommunen eine Vielzahl unnötiger Nachfragen auflaufe. "Wann wer geimpft werden kann, muss klar werden", sagte Dedy der PNP. Er warnte aber auch vor einer Überbelastung der Kommunen: Impfungen dürften nicht an fehlendem Personal scheitern. Das medizinische Personal der Gesundheitsämter sei jedoch durch die Pandemie auf absehbare Zeit voll ausgelastet und könne nicht zusätzlich auch noch die Impfungen übernehmen. "Wir sehen hier vor allem Länder und Kassenärzte gefordert", sagte der Städtetag-Hauptgeschäftsführer der "Passauer Neuen Presse". Er geht davon aus, dass zu Beginn vor allem mobile Impfteams in Alten- und Pflegeeinrichtungen fahren, um dort besonders gefährdete Menschen zu impfen.
Arbeitgeber gegen Impfzwang für Arbeitnehmer
Bei Corona-Impfungen setzen die Arbeitgeber auf Freiwilligkeit. "Gerade für Mitarbeiter, die mit gefährdeten Personengruppen arbeiten, ist die Bereitschaft zur Impfung nicht nur ein Zeichen von Pflichtgefühl und Arbeitsbereitschaft, sondern auch Ausdruck von Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen", sagte eine Sprecherin der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) den Zeitungen der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft". Die BDA erwarte allerdings vom Staat, dass er aktiv über die Chancen der Impfung informiere. "Denn eine klare Kommunikation stärkt die Impfbereitschaft. Nur im Miteinander von Staat und Betrieben werden wir den notwendigen Impfschutz erreichen", so die BDA. +++

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