Hessische Exportwirtschaft 2025: Schwieriges Jahr erfolgreich gemeistert

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Die hessische Exportwirtschaft hat 2025 trotz widriger Rahmenbedingungen deutlich zugelegt. Das geht aus den vorliegenden Zahlen für die ersten elf Monate des abgelaufenen Jahres hervor. Demnach lagen die Ausfuhren bis Ende November 2025 um 7,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit erwiesen sich die hessischen Exporteure als wichtige Stütze der Wirtschaft in Hessen in einem insgesamt schwierigen Umfeld.

Die positive Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als das Jahr für die Exportwirtschaft ausgesprochen holprig begonnen hatte. Nach den ersten sechs Monaten lag der Warenwert der Ausfuhren noch um 5,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ausschlaggebend dafür waren neben einer Absatzschwäche auf den EU-Nachbarmärkten, die mit einem Anteil von 55 Prozent das Rückgrat des hessischen Auslandsgeschäfts bilden und im ersten Halbjahr ein Minus von 6,0 Prozent verzeichneten, vor allem die Exporte in die USA. Dort ging der Warenwert der hessischen Ausfuhren in den ersten sechs Monaten um 12,2 Prozent zurück. Der Absatzrückgang in China, dem wichtigsten asiatischen Markt für hessische Unternehmen, fiel mit 3,9 Prozent dagegen vergleichsweise moderat aus.

Neben steigendem Wettbewerbsdruck auf den globalen Märkten infolge der Euroaufwertung und zunehmender chinesischer Konkurrenz belastete vor allem die sprunghafte und protektionistische US-Handelspolitik mit teils hohen Zollaufschlägen das Exportgeschäft. Diese wirkte sich seit Jahresbeginn nicht nur unmittelbar auf das US-Geschäft aus, sondern sorgte weltweit für Unsicherheit und eine spürbare Investitionszurückhaltung.

Seit dem Sommer gelang es den hessischen Unternehmen jedoch mit hohem Einsatz und großer Dynamik, ihr Auslandsgeschäft wieder auszuweiten. Dabei wurden nicht nur die zuvor entstandenen Verluste aufgeholt, vielmehr zeichnet sich für das Gesamtjahr 2025 eine deutlich positive Bilanz ab. Darauf deutet unter anderem der Zuwachs von 10,6 Prozent bei den Ausfuhren in die EU hin. Besonders überdurchschnittlich entwickelte sich dabei das Geschäft mit Spanien und Österreich. Auch der Rückgang der Exporte nach China konnte begrenzt werden, sodass bis Ende November nur noch ein Minus von 1,9 Prozent zu verzeichnen war.

Nach dem Hin und Her der US-Zollpolitik im ersten Halbjahr schlossen die Vereinigten Staaten seit der Jahresmitte mit zahlreichen Handelspartnern bilaterale Zollabkommen, darunter Ende Juli auch mit der Europäischen Union. Trotz höherer effektiver Zollsätze als in der Vergangenheit brachte dies für zumindest einen Teil der Unternehmen mehr Planungssicherheit. In der Folge dürften sowohl Nachholeffekte als auch Vorzieheffekte zum Turnaround im Auslandsgeschäft beigetragen haben.

Besonders deutlich zeigt sich dies im US-Geschäft. Lag der Warenwert der hessischen Exporte zur Jahresmitte 2025 noch klar unter dem Vorjahresniveau, ergibt sich Ende November ein völlig anderes Bild: Nach elf Monaten lagen die Ausfuhren in die USA um 20,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Haupttreiber dieser Entwicklung war der Pharmasektor, der im zweiten Halbjahr erhebliche Zuwächse im US-Geschäft verzeichnete. Dabei dürften auch umfangreiche Vorzieheffekte eine Rolle gespielt haben, da seit April 2025 für Pharmaprodukte eine sogenannte Section-232-Untersuchung läuft, deren Ergebnis in Kürze erwartet wird und mit der mögliche massive Zusatzzölle verbunden sind. Ob dieser Effekt nachhaltig ist, bleibt abzuwarten.

Im Bundesvergleich schnitt Hessen im US-Geschäft deutlich besser ab als Deutschland insgesamt. Aufgrund erheblicher Rückgänge bei den US-Exporten in den Branchen Automotive und Maschinenbau lagen die deutschen Ausfuhren in die USA bis Ende November bei minus 9,4 Prozent. Das vergleichsweise gute Abschneiden Hessens ist vor allem auf die starke Präsenz der Pharmabranche zurückzuführen. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hessische Unternehmen in den Bereichen Automotive, Maschinenbau und Chemie im US-Geschäft erheblich unter Druck stehen.

Insgesamt lief es für die hessische Exportwirtschaft 2025 dennoch vergleichsweise gut, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die deutschen Ausfuhren insgesamt im Jahresverlauf lediglich ein Plus von einem Prozent erreichten.

„Die hessische Exportwirtschaft konnte ein schwieriges Jahr 2025 gerade auch im bundesdeutschen Vergleich gut meistern – wenn auch leider nicht über alle Branchen hinweg. Der Erfolg unserer Unternehmen auf den internationalen Märkten ist für den Wohlstand in Hessen immens wichtig. In Zeiten, in denen das Geschäft auf wichtigen Absatzmärkten wie China und den USA schwieriger wird und sie mit begrenzten Wachstumsaussichten in Europa konfrontiert sind, ist es umso wichtiger, die Vertiefung der Handelsbeziehungen mit anderen Wachstumsregionen voranzutreiben. Das Freihandelsabkommen Mercosur, das die EU zuletzt ausverhandelt hat, sollte deshalb nicht weiter blockiert und wie auch das Abkommen mit Indien so zügig und umfassend wie möglich umgesetzt werden. Die laufenden Verhandlungen mit weiteren Partnern wie Indonesien müssen rasch vorankommen. Und auch im Europäischen Binnenmarkt bestehen nach wie vor Hürden, die das grenzüberschreitende Geschäft behindern und jetzt rasch beseitigt werden sollten“, erklärte HIHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller. +++


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