Hauptversammlung Fuldaer Schlachthof: Mission wird gut erfüllt

Vorstand Peter Schmitt verkündet die guten Zahlen für 2021.

Auch im vergangenen Jahr ist es dem im Industriepark Fulda-West angesiedelten Erzeugerschlachthof Kurhessen gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben. Doch 2022 belasten hohe Kosten für Strom und Gas. Im Grunde gab es auf der gestrigen Hauptversammlung des Erzeugerschlachthofs einige gute Nachrichten. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 15 Prozent auf knapp 1,2 Millionen Euro, so dass wie es die Anteilseigner gewohnt sind, zumindest ein kleiner Gewinn erwirtschaftet werden konnte. Dieser verbleibt wie gehabt im Unternehmen. Insgesamt wurden 49.188 Schweine an den Haken gebracht, was einem Zuwachs von 391 gegenüber 2020 entspricht. Die Schlachtzahlen für Rinder sind allerdings rückläufig, so sanken diese von 4.122 in 2020 auf 3.852 in 2021. Stand 23. November dieses Jahres sind es lediglich 2.920, rund 500 Rinder werden wohl fehlen. Ob die diesjährige Anzahl der Schweineschlachtungen an 2021 anknüpfen kann, wird sich noch zeigen.

Hohe Energiekosten belasten

„Die letzten Wochen waren hart und aktuell macht das Wirtschaften nicht viel Freude“, sagte Vorstand Sven Euen, dem der Stress teils deutlich ins Gesicht geschrieben stand. So galt es zahlreiche krankheitsbedingte Ausfälle beim Personal zu kompensieren, um jederzeit schlachtfähig zu bleiben. Zudem belasten die enorm gestiegenen Preise für Strom und Gas, die in diesem Jahr mit Mehrkosten von 240.000 Euro zu Buche schlagen. Euen zeigte sich enorm dankbar, dass alle Kunden höhere Schlachtpreise akzeptiert haben. Alleine hätte man es keinesfalls stemmen können.

Sobald die Kontrakte auslaufen, kauft der Erzeugerschlachthof unterstützt auch durch die RhönEnergie Fulda ab 1. Januar 2023 Strom und Gas direkt an der Börse. „Das ist die einzige Möglichkeit, um die Kosten einigermaßen im Rahmen zu halten.“ Seit 2021 sorgen zwei Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von je 20 Kilowatt für zusätzlichen Strom und Wärme. Im Zuge der Dacherneuerung wird im kommenden Jahr eine Photovoltaikanlage installiert. Ursprünglich war eine kleinere Version geplant, die „nur“ ergänzend Strom liefern sollte. Nun fällt sie deutlich größer aus, um autarker zu werden. Nach derzeitigem Stand werden geschätzte 1.200 Quadratmetern Dachfläche mit Solarzellen belegt, wodurch eine Überproduktion von Strom anfallen wird. Diese heißt es dann zu speichern, wobei Euen das Umwandeln in Wasserstoff ins Spiel brachte.

„Ich hoffe, dass wir auch die zukünftigen Krisen wie die aktuelle Energiekrise gemeinsam meistern können. Diesbezüglich sehe ich positiv in die Zukunft“, sagte Sebastian Bühler, Geschäftsführer der Wurst- und Schinkenmanufaktur der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall im thüringischen Frankenheim. Dieser trat gestern den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden an und löste damit seinen Vater Rudolf Bühler ab.

Ziel: Infrastruktur erhalten

„Wir haben unsere Mission gut erfüllt“, sagte Rudolf Bühler zum Abschied und meint damit den Erhalt des Fuldaer Schlachthofs als wichtige Infrastruktur für Landwirtinnen und Landwirte, Fleischverarbeiter, Metzgereien und damit am Ende auch für die Bürger der Region. Im Juli 2019 wurde der Betrieb in eine kleine Aktiengesellschaft umgewandelt, um ihn vor dem Aus zu retten – in Hessen gibt es nur noch drei Schlachthöfe. Bühler selbst war eine treibende Kraft. Zuvor hatte der Agrar-Ingenieur die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall mitgegründet, die nach dem gleichen Modell wie später in Fulda angewandt einen eigenen Schlachthof betreibt. „Es ist damals gelungen, das Vertrauen der Fuldaer einzuwerben und eine zukunftsfähige Schlachtstätte weiter zu ermöglichen“, dankte Bühler allen Beteiligten.

Die meisten namensgebundenen und nicht frei an der Börse handelbaren Aktien zu je 500 Euro fanden Abnehmer, aktuell sind noch 33 zu haben. Der Aufsichtsrat prüft Interessenten und teilt Aktien zu. „So ist der Schlachthof vor unerwünschten Aufkäufen und seine Ausrichtung auf das Gemeinwohl gesichert“, erklärte Rudolf Bühler. Dividenden werden keine ausgezahlt, der Gewinn verbleibt im Unternehmen – doch als Dank gibt es traditionell auf der jährlichen Hauptversammlung für jede Aktionärin und jeden Aktionär eine Ahle Wurst. +++ jens brehl

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