Seit Jahren ringt die CWE um mehr Verkehrssicherheit in den Ortsteilen der Gemeinde – und hat dabei nach eigener Darstellung bislang jede Maßnahme einstimmig unterstützt. Doch ausgerechnet an der derzeit größten Gefahrenstelle, dem Ortseingang von Rothemann an der B 279/Haimbuchstraße aus Richtung Fulda, prallen Engagement und behördliche Einschätzung frontal aufeinander.
Die Forderung der CWE klingt zunächst unspektakulär: Das Ortsschild soll um 150 Meter in Richtung Fulda versetzt werden. Ziel ist es, einen sichereren Übergang für Fußgänger zum Bankautomaten zu schaffen und Radfahrern die Nutzung des Radwegs zu erleichtern. Eine einfache Maßnahme, so scheint es – doch sie scheitert bislang an den zuständigen Behörden.
Dabei wirft die Initiative eine Frage auf, die im Kern politisch ist: Wem würde es schaden, wenn das Ortsschild versetzt würde? Zumal die Situation aus der Gegenrichtung ein anderes Bild zeigt. Wer von Döllbach kommt, passiert das Ortsschild bereits 200 Meter vor der ersten Einfahrt – obwohl auch dort keine durchgehende Bebauung vorhanden ist. Ein Widerspruch, der Fragen aufwirft.
Die Anträge der CWE wurden weitergeleitet, doch Transparenz blieb offenbar auf der Strecke. Ob die Begründungen vollständig bei den Behörden ankamen, konnte niemand schriftlich bestätigen. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Ortstermin verhallte. Stattdessen folgte eine Ablehnung – nüchtern formuliert, bürokratisch begründet.
Die Verkehrsbehörde des Landkreises Fulda verweist auf geltende Kriterien: Für die Festlegung eines Ortsschildes seien eine geschlossene Bebauung und häufige Fußgängerüberquerungen erforderlich. Beides sei hier nicht gegeben. Auch die Einrichtung einer Bedarfsampel wird abgelehnt – das Verkehrsaufkommen reiche nicht aus.
Diese Einschätzung steht im Kontrast zu den Zahlen vor Ort. Täglich passieren nach Angaben der CWE etwa 10.000 bis 12.000 Fahrzeuge den Knotenpunkt, bei Baustellen und Umleitungen auf der A 7 sogar bis zu 20.000. Dennoch gilt das aus Sicht der Behörde nicht als ausreichend. Stattdessen wird auf eine alternative Route verwiesen: Ein Umweg von rund 500 Metern führe zu einem bereits signalgeregelten Knotenpunkt.
Für die CWE ist das keine Lösung. Sie zweifelt grundsätzlich daran, dass die Situation ohne Ortsbesichtigung angemessen beurteilt werden kann. Die Perspektive der Betroffenen – der Anwohner, Fußgänger, Radfahrer – bleibe außen vor.
Besonders brisant wird die Debatte durch aktuelle Messungen. Eine installierte Geschwindigkeitsmesstafel zeigt: Mehr als 75 Prozent der Fahrzeuge passieren die Haimbuchstraße am Ortsschild mit 60 bis 80 km/h. Geschwindigkeiten, die im Alltag schwer einzuschätzen sind – und die das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer deutlich erhöhen.
Aus Sicht der CWE wäre das Versetzen des Ortsschildes ein erster, vergleichsweise einfacher Schritt. Eine Maßnahme mit Signalwirkung – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Sie könnte die Geschwindigkeit senken und gleichzeitig die Sicherheit erhöhen.
Doch die Fronten bleiben verhärtet. Und so steht am Ende nicht nur eine verkehrstechnische Frage im Raum, sondern eine sehr persönliche, zugespitzt formulierte: „Ab wann wird eine Gefahr groß genug, um als solche anerkannt zu werden?“, fragt Alfons Schäfer von der CWE in einer Pressemitteilung. Eine Frage, die im Raum stehen bleibt – und die weit über Rothemann hinausweist. +++
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