Fulda gedachte auf dem Gemüsemarkt den Bombenopfern vom 11. September 1944

Wingenfeld: „Es muss uns Aufgabe und Verpflichtung sein, gegen das Vergessen anzutreten.“

Fulda. Heute gedachte man auf dem Areal des Gemüsemarktes beim alljährlichen, öffentlichen Gedenken der Opfer, die beim ersten großen Luftangriff im Kontext des zweiten Weltkrieges auf die Barockstadt Fulda heute vor genau 73 Jahren am 11. September 1944 den Tod gefunden haben.

Hierzu Organisator Michael Mott: „Alleine hier auf dem Gemüsemarkt, auf dem seit 1795 offiziell Markt abgehalten wird, wurden heute – vor genau 73 Jahren – es war ein sonniger Montag zwischen 13:16 und 13:32 Uhr – beim Bombenangriff 18 Gebäude in Schutt und Asche gelegt. 49 Menschen kamen an diesem Ort ums Leben – insgesamt waren es in Fulda mindestens 342. Otto Gerhard Albert (Gemüsemarkt 11) war mit gerade einmal sechs Monaten, der jüngste, der an dem geschichtsträchtigen Ort des Gemüsemarktes sein Leben ließ, der 76-jährige Franz Kammerer (Kanalstraße 40), ging als das älteste Bombenopfer in die Geschichte Fuldas ein. Nur dieses Säulenfragment, das wie ein Zeigefinger mahnt, erinnert an dieser Stelle an das Bombardement, die Trümmer und das unermessliche Leid. Das Fragment stammt aus dem Jahre 1791, ist mit dem Wappen des letzten Fürstbischofs von Fulda, Adalbert von Harstall („Adalbert III“), versehen und steht unter Denkmalschutz. 2014 wurde nach 70 Jahren neben dem Brunnen eine neue Gedenkplatte enthüllt. Die Gesamtzahl der Opfer am 11. und 12. September 1944 in Fulda belief sich auf mindestens 574 Tote. Seit Jahrzehnten stellen die Fuldaer an den Jahrestagen auf dem „Harstall“-Brunnen Kerzen und Blumensträuße auf und halten inne.“

Für die Kirche waren heute Pfarrer Stefan Buß von der Katholischen Innenstadtpfarrei Fulda Sankt Simplicius, Faustinus und Beatrix sowie Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl von der Evangelischen Kirche Von Kurhessen-Waldeck (Christuskirche Fulda) auf den Gemüsemarkt gekommen.

Der Oberbürgermeister der Stadt Fulda Dr. Heiko Wingenfeld sagte heute, dass es gerade für uns, als nachfolgende Generation, heute Verständnis und auch Aufgabe sein muss, gegen das Vergessen anzutreten. Daneben erinnerte Wingenfeld an den langen Frieden, der seit 1945 besteht – dieser jedoch verstünde sich nach dem OB als nicht selbstverständlich, gerade auch deshalb, „weil er uns an Tagen, wie heute, daran erinnert und mit diesem Gedenken auch zum Ausdruck kommt, wozu Menschen fähig sein können“. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Streicherquartett des Orchesters der Marienschule Fulda unter musikalischer Leitung von Frank Neidel. +++ jessica auth

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