fibit´19: KI und Digitalisierung auch als Chance begreifen

Woide: Ein Hotspot, den wir in der Region nicht mehr missen wollen

In Fulda fand am Freitag auf dem Campus der Hochschule (HS) Fulda zum 14. Mal die IT-Messe „fibit“ statt. Gestartet war die regionale IT-Leistungsschau, die in diesem Jahr zum 6. Mal in Folge auf dem Campus der Hochschule Fulda ausgetragen worden war, am Donnerstagabend mit einem „Vorabend-Event“ in der Eventlocation VEYnest und einer Keynote mit Rainer E. Becker und seinem Roboterkollegen „Pepper“, der in seinem Vortrag „Keep Calm and Don´t Panic“ in die Künstliche Intelligenz (KI), dem Thema der diesjährigen fibit, einführte sowie Business-Frühstück am Freitagmorgen. Erstmalig in der Geschichte der fibit fand im Rahmen der Messe ein Podiumsgespräch statt, das zu der Frage „Wie gestalten wir unsere Zukunft im digitalen Zeitalter?“ Bezug nahm. Als Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Podiumsgespräches fungierten der Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der Hochschule (HS) Fulda Prof. Dr. Steven Lambeck, Jens Heddrich (Staatliches Schulamt für den Landkreis Fulda), Roland Vollmer (Industrie- und Handelskammer Fulda), Stadträtin Sibylle Herbert, der Geschäftsführer des in Fulda ansässigen IT- und Softwarehauses Computer-L.A.N. M.Sc. Dipl.-Inf. (FH) Oualid Nouri, der Geschäftsführer des in Fulda ansässigen IT-Beratungsunternehmen OREXES GmbH Florian Heil sowie der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung Patrick Burghardt. Moderiert wurde das Podiumsgespräch von der Trainerin & Business Coach Valentina Siemens (Siemens Seminare.). Vorausgegangen war dem Podiumsgespräch („IT-Gipfel Osthessen“) ein eigens dafür ins Leben gerufener Arbeitskreis im Verein ZEITSPRUNG IT-Forum Fulda, dem Veranstalter des Formates IT-Messe fibit.

Simon Weber, Erster Vorsitzender des Verein ZEITSPRUNG IT-Forum Fulda, sagte in seinen einleitenden Eröffnungs- und Begrüßungsworten, dass die fibit inzwischen zu einer Institution in Fulda geworden sei. Mittlerweile seit über 25 Jahren leiste der Verein mit Sitz in Fulda was das Thema IT anbetrifft Pionier- und Aufklärungsarbeit. Auf das Motto der diesjährigen IT-Messe Bezug genommen, sagte er, dass das Thema „Künstliche Intelligenz (KI)“ eines der Themen sei, was in den zurückliegenden Jahren begonnen, uns heute in der Gesellschaft allgegenwärtig ist. „Die Gesellschaft befasst sich zunehmend mit Industrie 4.0, mit der Digitalisierung; Das sind alles Buzzwords, die wir in den letzten Jahren vermehrt gehört haben. Der Unterschied zur Künstlichen Intelligenz ist nur der, dass wir mit der Begrifflichkeit KI auch schon vor 30 Jahren etwas anfangen konnten – nicht zuletzt durch diverse Filme aus Hollywood. Der Unterschied zu heute: Damals musste man sich in Science- Fiction-Abteilungen der Videotheken befinden und heute einen Wissenskanal auf YouTube rezipieren“, so Weber.

Staatssekretär Patrick Burghardt ging in seinem Grußwort auf das in Hessen neue Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung ein, das zur fibit passe, wie „die Faust aufs Auge“. In diesem Zusammenhang überbrachte der Staatssekretär die Grüße von Staatsministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus und bedankte sich für die Einladung. Weiter lobte er den Verein Zeitsprung, der früh damit begonnen habe, sich dem Thema IT und Digitalisierung zu widmen. Aber auch die Hessische Landesregierung habe sich, so der Staatssekretär, das Thema Digitalisierung „auf die Fahne geschrieben“, … „, weil wir dieses Thema natürlich begleiten und die Chance nutzen wollen, die Digitalisierung mit sich bringt – für die Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und Verwaltung. Aber auch Fragestellungen wie: Wie digitalisieren wir Verwaltungsprozesse für die Bürgerinnen und Bürger? Wie weit wollen wir vor dem Hintergrund KI und Digitalisierung mit der Digitalisierung gehen? Wie weit wollen wir die Digitalisierung an uns heranlassen und wie weit wollen wir sie nutzen? werden uns zukünftig beschäftigen.“ Eine große Rolle spielen dabei Angst und Unsicherheit innerhalb der Gesellschaft: Inwieweit beobachten uns Konzerne? Inwieweit nutzen sie unsere Daten und Informationen? Aber das Verständnis des 21. Jahrhunderts sei auch: „Inwieweit werden Daten dazu verwendet bzw. genutzt, um sie zu Geld zu machen?“, weiß der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung Patrick Burghardt.

All diesen Fragen gölte es im Rahmen der Künstlichen Intelligenz zu diskutieren und auch, „wie wir diese für die Gesellschaft nutzen können“ oder „wie das Leben angenehmer gestaltet werden kann“. Hier gebe es viele Bereiche, so der Staatssekretär, wo die Digitalisierung unterstütze. Als Beispiel nannte er die Arbeitswelten, wo die Möglichkeiten bestünden, diese durchaus familienfreundlicher zu gestalten. Ein ganz wichtiges Thema in diesem Kontext sei auch die Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz. „Das gilt für die öffentliche Hand, aber natürlich auch den privaten Bereich und die Unternehmen.“ Entscheidend sei hier schon lange nicht mehr ausschließlich der Verdienst, sondern, so der Staatssekretär, zunehmend die Lebensqualität, die ein Arbeitsplatz mit sich bringe, sowie die Anbindung und Mobilität. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang sei, „dass es in Hessen keine Region geben darf, die sich abgehängt fühlt.“ Hierzu gehöre nicht nur das Rhein-Main-Gebiet, wo trotz einer allgemeinen guten verkehrlichen Anbindung vereinzelt immer noch Probleme bestünden, was die Versorgung anbetreffe. Dass es aber auch inner- und außerhalb des Rhein-Main-Gebietes, so Staatssekretär Burghardt, „tolle Regionen“ gebe, zeige die Region Fulda, die nicht nur wirtschaftlich hervorragend aufgestellt ist – über Arbeitslose werde in der Region kaum noch gesprochen -, sondern auch Vereine und Institutionen beherberge, die diese Region mit guten Entscheidungen nach vorne gebracht haben. Und hier gehöre natürlich auch eine Institution wie der Verein Zeitsprung dazu, die gestern zum 14. Mal in seiner Geschichte in Fulda die fibit ausrichtete. „Wir als Land Hessen sind deswegen auch ein Stück weit stolz, dass wir die fibit von Anfang an begleitet haben und immer noch begleiten“, so Staatssekretär Patrick Burghardt, der abschließend seines Grußwortes dafür plädierte, die fibit in Fulda im kommenden Jahr zu besuchen.

Der Landrat des Landkreises Fulda Bernd Woide nannte die fibit am Freitag in seinem Grußwort einen „Hotspot der IT in der Region“, den man von Seiten des Landkreises nicht mehr missen wolle. Vor dem Hintergrund, dass es „ja auch einmal analoge Zeiten“ gegeben habe, verwies der Landrat des Landkreises Fulda auf die Menschen, die sich schon damals für das Thema „IT“ in der Region interessiert und zusammengefunden haben, allen voran der Verein Zeitsprung, aber auch die Hochschule Fulda, die Schulen sowie die Unternehmen. Weiter befand Landrat Woide, dass selbst in der digitalen Zeit das analoge Zusammenkommen wie auf der fibit wichtig sei. Das, so Woide, sei bei aller Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz wichtig. „Manchmal müssen wir auch der Natürlichen Intelligenz vertrauen, die manchmal, glaube ich, auch weitfindig ist.“ Woide warnte am Freitag vor dem Hintergrund auf Ausblick auf Fördermittel des Landes vor einem zu eiligen Herangehen bei der Umsetzung von digitalen Prozessen. Als Beispiel nannte er Lernplattformen, die gerade das große Thema an Beruflichen Schulen seien. Hier gelte es mit Bedacht an die Sache heranzugehen. Auf die Breitbandversorgung in ländlichen Regionen Bezug genommen, sagte er bei der Eröffnung der fibit´19, dass man diesbezüglich gemeinsam schon vieles erreicht habe, was aber nicht bedeuten soll, hier zurückzurudern. Abschließend bedankte sich Landrat Woide bei den Verantwortlichen des Vereins Zeitsprung sowie allen, die sich bezüglich dem Thema IT engagieren, um die Region Fulda diesbezüglich weiter nach vorn zu bringen.

Der Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der Hochschule (HS) Fulda Prof. Dr. Steven Lambeck hieß die Gäste – unter ihnen u.a. Repräsentanten aus der Landes- und Kreispolitik, Bildung sowie heimischen (IT-)Wirtschaft – von Seiten der Hochschule willkommen, die am Freitag zum 6. Mal in Folge Gastgeber der IT-Messe war. Ein herzliches Wort des Dankes von Seiten der Hochschule gebührte dem Verein Zeitsprung, der die fibit jedes Jahr in vorbildlicher Art und Weise auf die Beine stelle. Neben der Erwähnung der über 40 Aussteller und den Projekten des Gastgebers sowie der Ferdinand-Braun-Schule Fulda und der Konrad-Zuse-Schule hob Lambeck auch die gute Zusammenarbeit der Beruflichen Schulen mit der Hochschule hervor. Als Beispiel nannte das Präsidiumsmitglied den seit einigen Jahren bestehenden Kooperationsvertrag im Fachbereich Informatik. Bezugnehmend auf den sich den Grußworten anschließenden „IT-Gipfel Osthessen“ sagte der Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der Hochschule Fulda: „Welche Rolle Schulen und Hochschulen vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Weiterbildung in diesem Kontext zukomme, zeige das nachfolgende Podiumsgespräch…“

Alle Teilnehmer des Podiumsgespräches waren sich einig darüber, dass man dem Thema „Digitalisierung“ und „KI“ nicht ausschließlich negativ gegenüberstehen sollte. Vielmehr sollte man das Thema „als Chance“ begreifen, zumal Digitalisierung und KI Themen seien, die längst „in der Realität“ angekommen sind. Wichtig bei dem Gedanken sei auch, die Themen als „langfristiger Prozess“ zu sehen, der die Menschen, die den Themen Digitalisierung und KI aktuell noch negativ gegenüberstehen, dabei unterstütze, ein Verständnis für diese Themen zu entwickeln. Um weiterhin in der Gesellschaft ein „Bewusstsein“ für die Digitalisierung und KI zu schaffen, sei die Auseinandersetzung mit diesen Themen unerlässlich. Um diese Themen didaktisch zu manifestieren, bedarf es jedoch einer veränderten Lernkultur. Positiv dazu beitragen können beispielsweise „Tage offener Türen“, „Informations- und Schnuppertage“ oder „Ringveranstaltungen“. Hier sei auch die Zusammenarbeit mit der Politik und Wirtschaft, aber auch den Kreditinstituten gefragt. Zwar gebe es in der Region – sei es in der IT-Wirtschaft, im Bildungssektor oder in anderen Bereichen – schon vereinzelte diesbezüglich gut aufgestellte Unternehmen bzw. Erfolgsmodelle, dennoch seien bezogen auf die Unternehmen die Unternehmen, die die Digitalisierung im digitalen Wettbewerb ausschließlich mit Kosten gleichsetzen, schlecht beraten. „Die erfolgreichen Unternehmen sind die Unternehmen, die Digitalisierung als ‚Investition in die Zukunft‘ begreifen“, waren sich die Gesprächspartner des IT-Gipfels Osthessen aus dem Bereich IT-Wirtschaft darüber einig. Bei all der Digitalisierung und damit korrelierender Akademisierung der Berufswelt dürfe man das Handwerk nicht außen vor lassen. Dies gelte es – auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – ebenso herauszustellen wie duale Studiengänge. Bezugnehmend des Lehrauftrags an Schulen und Hochschulen sollten wir uns permanent kritisch hinterfragen und uns die Frage stellen, ob denn das, was im Lehrplan steht, auch noch aktuell ist. Hier gelte es die Rahmenbedingungen ein Stück weit noch zu verstärken. Bezug genommen auf die hiesige Hochschule, sagte Prof. Dr. Steven Lambeck: „Wir haben hier schon sehr gute Rahmenbedingungen. Wir haben die Möglichkeiten, wir müssen sie nur für uns nutzen.“ +++ ja

 
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1 Kommentar

  1. Weshalb wir in Deutschland auch nicht bzw. oft nur sehr langsam voran kommen, wenn es um Technik geht liegt auch daran, dass die Deutschen im Grunde ihres Herzens technikfeindlich sind und dieser daher immer misstrauen. Die Menschen in Asien (Japan, China u.a.) sind da wesentlich “technikfreundlicher” als wir. Deshalb glaube ich, dass neue Innovationen in diesen Bereichen, u.a. auch in der KI NICHT mehr aus Deutschland sondern aus Asien kommen werden. Schaut man übrigens mal auf Großstädte wie Shenzhen, dem Silicon Valley von China, fällt auf, dass die dortige Wirtschaftsleistung mittlerweile so gross ist wie die von ganz Schweden. Die meisten Bauteile Ihres Handys kommen übrigens von dort. Und genau diese Technikfeindlichkeit ist es auch, weswegen die Funklöcher im Mobilfunkbereich in den nächsten Jahren munter weiter bestehen werden: weil hierzulande keiner wirklich an technischen Innovationen interessiert ist.

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