Vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern am Montag fordert FDP-Generalsekretär Volker Wissing die schnelle Rückgabe von Freiheiten an Geimpfte. „Alles muss erlaubt sein für Geimpfte“, sagte Wissing der „Saarbrücker Zeitung. Wenn es keinen Anlass mehr gebe, Grundrechte einzuschränken, „ist es nicht erlaubt, dies weiter zu tun“. Die Verfassung sei da „sehr klar“, so Wissing. Zugleich forderte der Liberale, dann auch Betreibern von bestimmten Einrichtungen die Möglichkeit zur Öffnung einzuräumen. „Als Restaurantbesitzer würde ich darauf bestehen, für Geimpfte öffnen zu dürfen“, so Wissing. „Bund und Länder sollten hier rasch handeln. Auch das erwarte ich übrigens vom Impfgipfel“, sagte der Generalsekretär.
Ifo-Chef: „Wirtschaftliche Vorteile“ bei Lockdown-Ende für Geimpfte
Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat Pläne der Bundesregierung begrüßt, Beschränkungen für gegen das Coronavirus Geimpfte zurückzunehmen. „Die Rückkehr zur Normalität für Geimpfte hätte erhebliche wirtschaftliche Vorteile“, sagte Fuest dem „Handelsblatt“. „Für diese Gruppe könnte wirtschaftliche Aktivität wieder stattfinden, die bislang pandemiebedingt eingeschränkt ist.“ Da oft Fixkosten mit der Öffnung entstehen, bräuchten viele Geschäfte zwar eine Mindestzahl an Kunden, um wirtschaftlich sinnvoll öffnen zu können – aber die Gruppe der vollständig Geimpften steige schnell. „Ihnen nicht zu erlauben, Restaurants oder Hotels zu besuchen würde erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten“, so der Ifo-Chef. Fuest räumte ein, dass die Kontrolle der Lockerungen für Geimpfte eine Herausforderung sei. „Das ist aber kein hinreichendes Argument, die Öffnungen zu verweigern.“ Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, riet unterdessen zu einer „sehr vorsichtigen“ Abwägung, da Menschen mit Vorerkrankungen und höherem Alter im Fall von Lockerungen durch eine Impfung früher wieder ihre Freiheiten zurückbekämen. „Wir wissen aber auch, dass das Glück und die Lebenszufriedenheit der jungen Menschen durch die Pandemie und die Einschränkungen ihrer Freiheiten deutlich stärker gelitten haben, als die für ältere Menschen“, sagte Fratzscher der Zeitung. „Nun sollen sich diese jüngere Menschen mit eigenen Augen anschauen, wie geimpfte Menschen in Cafés sitzen, reisen können und alle ihre alten Freiheiten wieder genießen können, während sie selbst unter Androhung von Sanktionen keine diese Freiheiten haben.“ Diese Ungerechtigkeit dürfe der Staat nicht ignorieren, mahnte Fratzscher. Freiheitsrechte seien genauso essenziell für eine Gesellschaft, wie Solidarität und Zusammenhalt. „Daher wird der Staat sehr vorsichtig abwägen müssen, welche Freiheiten er geimpften Menschen wieder ermöglicht, und welche erst dann, wenn alle sie genießen können“, sagte der DIW-Chef.
Niedergelassene Ärzte fordern mehr Freiheiten für Geimpfte
Deutschlands niedergelassene Ärzte fordern mehr Freiheiten für Geimpfte. „Der Impfgipfel sollte unbedingt beschließen, dass Geimpfte den Negativ-Getesteten gleichgestellt werden“, sagte Dirk Heinrich, Vorsitzender des Virchowbundes, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Von Zweifachgeimpften gehe „vermutlich ein deutlich geringeres Risiko aus als von Menschen mit negativem Schnelltestergebnis“. Der Verbandschef warb auch für zügige Lockerungen: „Zumindest die Außengastronomie kann umgehend für negativ Getestete und Geimpfte geöffnet werden. Der Sommer naht, und an der frischen Luft finden praktisch keine Ansteckungen statt.“ Er sehe keinen Grund, die Außengastronomie länger geschlossen zu halten, solange im Biergarten und auf Café-Terrassen Abstände und die anderen AHA-Regeln eingehalten werden. „Nichts spräche dagegen.“ Geimpfte sollten auch wieder ins Museum gelassen werden. „All das hilft schon enorm, den Lockdown-Stress abzubauen, unter dem Millionen Menschen leiden.“ +++

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