EU-Parlamentspräsidentin warnt vor Bruch mit den USA

Eu

EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola hat die Verbundenheit der Europäischen Union mit den USA bekräftigt – auch wenn das Verhältnis unter US-Präsident Donald Trump nicht immer einfach sei.

Metsola sagte der „Bild am Sonntag“: „Wenn wir uns die Welt insgesamt anschauen, hat Europa nicht viele Freunde. Es gibt nicht viele Demokratien, die sich gegen die Autokraten zusammentun können.“ Mit den USA habe die EU hingegen „über Jahrzehnte eine gemeinsame Basis aufgebaut“.

Trotzdem räumt Metsola ein: „Ist die Beziehung immer einfach? Nein, es ist immer eine Herausforderung.“ Trotzdem wolle sie „nicht sagen, dass die Beziehung kaputt ist“. Metsola über das Verhältnis der EU zu den USA: „Ich möchte, dass wir an einem Tisch sitzen und diskutieren, wie wir vorangehen können. Aber niemals mit dem Gedanken, die Tür zu schließen.“

Gleichzeitig appelliert sie an die Europäer, selbstbewusst zu sagen, „wenn wir mit etwas nicht einverstanden sind“. Metsola: „Ich wünsche mir, dass wir Europäer enger vereint und selbstbewusst sind.“ Sie glaube, die Europäer hätten „dieses Selbstbewusstsein in den letzten Jahren verloren und sollten es zurückgewinnen“. Die EU-Parlamentspräsidentin mahnt: „Denn wir haben einen Krieg auf unserem Kontinent, wir haben unzuverlässige Nachbarn und wir müssen sicher sein, dass wir wissen, wer unsere Freunde sind. Genauso müssen unsere Freunde wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.“ +++

Kommentar von Norbert Hettler dazu
Zwischen Zweifel und Zuversicht

Roberta Metsola wählt ihre Worte mit Bedacht, fast schon mit einer Mischung aus Realismus und leiser Mahnung. Es ist kein Jubel über eine intakte Partnerschaft, aber auch kein Abgesang auf das transatlantische Verhältnis. Vielmehr zeichnet sie das Bild einer Beziehung, die belastet ist, die knirscht – und dennoch Bestand haben soll.

Dass Europa „nicht viele Freunde“ habe, ist ein Satz, der hängen bleibt. Er wirkt nüchtern, beinahe kühl analysiert, und doch steckt in ihm eine klare Botschaft: In einer Welt, in der autoritäre Systeme selbstbewusst auftreten, können es sich Demokratien kaum leisten, sich voneinander zu entfernen. Gerade deshalb erscheint der Blick auf die USA weniger romantisch als früher, aber umso strategischer.

Metsola vermeidet einfache Antworten. Sie beschönigt nicht, dass die Zusammenarbeit unter Donald Trump schwierig ist, spricht offen von Herausforderungen. Und doch zieht sie keine radikale Konsequenz daraus. Kein Bruch, kein demonstratives Abwenden – stattdessen der fast schon altmodisch wirkende Wunsch, „an einem Tisch zu sitzen“. Es ist ein Plädoyer für Dialog in Zeiten, in denen politische Reflexe oft schneller zur Konfrontation führen als zur Verständigung.

Gleichzeitig richtet sich ihr Appell nach innen. Europa solle selbstbewusster werden, klarer sagen, wenn es nicht einverstanden ist. Darin liegt eine zweite Ebene ihrer Botschaft: Partnerschaft darf kein Synonym für Abhängigkeit sein. Wer ernst genommen werden will, muss Haltung zeigen – auch gegenüber engen Verbündeten.

Der Verweis auf den Krieg in Europa und „unzuverlässige Nachbarn“ verleiht ihren Worten zusätzliche Schärfe. Es ist die Erinnerung daran, dass Sicherheitspolitik keine abstrakte Debatte ist, sondern konkrete Realität. Vertrauen ist in diesem Kontext keine Floskel, sondern eine Notwendigkeit – in beide Richtungen.

Am Ende bleibt der Eindruck einer Gratwanderung. Zwischen Loyalität und Eigenständigkeit, zwischen Zweifel und Zuversicht. Metsola setzt nicht auf große Gesten, sondern auf Beharrlichkeit. Vielleicht ist genau das der Ton, den Europa im Moment braucht: weniger Pathos, mehr Klarheit – und die leise Entschlossenheit, Türen offen zu halten, auch wenn der Wind von draußen rauer geworden ist.


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*