Die milliardenschwere neue E-Auto-Prämie der Bundesregierung kommt nach Einschätzung deutscher Autohändler bislang vor allem ausländischen Herstellern zugute – allen voran Anbietern aus China. Zu diesem Schluss kommt Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD), der dem Nachrichtenmagazin Politico ein ernüchterndes Zwischenfazit zog.
Wenn der Verband seine Mitgliedsbetriebe frage, welche Fahrzeuge derzeit mithilfe der Förderung gekauft würden, falle die Antwort bemerkenswert einheitlich aus: Gefragt sei die Preisklasse zwischen 20.000 und 30.000 Euro. „Und was haben wir da? Chinesische Autos“, sagte Weller. In den 42 Autohäusern seiner eigenen Weller-Gruppe habe sich der Absatz günstiger Fahrzeuge aus China im Mai im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Besonders deutlich sei die Entwicklung beim Hersteller BYD ausgefallen. Dort habe das Plus bei 235 Prozent gelegen.
Für deutsche Hersteller ist ausgerechnet dieses Marktsegment derzeit eine Lücke. Der ID.Polo von Volkswagen soll erst im September auf den Markt kommen. Aus Europa gebe es zwar „ein bisschen Renault und Peugeot, etwas Seat und Cupra. Dann wird es dünn“, sagte Weller. Die Entwicklung ist auch deshalb politisch heikel, weil die Europäische Union ihre Industrie gleichzeitig stärker gegen die Konkurrenz aus China abschirmen will. Der „Industrial Accelerator Act“ sieht unter anderem Made-in-EU-Vorgaben für staatliche Förderungen vor.
Die neue E-Auto-Prämie kann für alle Elektrofahrzeuge beantragt werden, die seit dem 1. Januar 2026 zugelassen wurden. Sie gilt ausschließlich für Neuwagen und beträgt – abhängig vom Fahrzeug, vom Einkommen und von der Zahl der Kinder – bis zu 6.000 Euro. Insgesamt stehen dafür 3,5 Milliarden Euro bereit.
Weller widersprach zugleich der positiven Bilanz von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der die Förderung gelobt hatte. Nach seiner Einschätzung werde derzeit vor allem ein Rückstau bereits geplanter Käufe abgearbeitet. Die Prämie war Anfang Dezember 2025 angekündigt worden, zunächst jedoch ohne konkrete Ausgestaltung. „Das hat zur Kaufzurückhaltung beigetragen“, sagte Weller. Diese Zurückhaltung löse sich nun auf. Hinzu kämen Mitnahmeeffekte durch Kunden, die sich ohnehin für ein Elektroauto entschieden hätten.
Ob die Förderung tatsächlich zu mehr Elektromobilität führt, bezweifelt der Verbandspräsident. Auf die Frage, wie die Prämie am Ende wirke, antwortete er: „Stand heute ist meine Prognose null (…). Wegen der Prämie tauscht keiner sein Auto auf Elektro.“
Wenn der Staat schon fördere, dann hätten aus seiner Sicht auch Gebrauchtwagen berücksichtigt werden sollen. Noch wichtiger seien jedoch bessere Rahmenbedingungen für den Alltag mit dem Elektroauto. Mehr Lademöglichkeiten, niedrigere Strompreise und vor allem eine größere Preistransparenz an den Ladesäulen seien entscheidend. Sein Vorschlag orientiert sich am Mobilfunk: „Machen wir an Ladesäulen endlich wie beim Telefon-Roaming. Man schließt zuhause einen Tarif ab, und diesen Preis hat man über das Roaming dann an jeder Säule.“ +++

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