Die erste Fuldaer Fastnachtsprinzessin Susi Pacifico-Göttl hatte eine interessante Biografie [ANZEIGE]

Susi P2
Susi Pacifico überreicht 1970 anlässlich eines Beuschs in Fulda OB Dr. Alfred Dregger Geschenke. Foto: Stadtarchiv Fulda

In diesen Tagen ist oft davon die Rede, dass die amtierende Fuldaer Fastnachtsprinzessin, Isabel von Brief und Siegel LXXXIII., erst die zweite alleinregierende Prinzessin in der mehr als 90-jährigen Geschichte der Fuldaer Karnevals-Gesellschaft (FKG) sei. Doch wer war eigentlich die erste? Er war „Susi XXVII. vom Goldenen Westen“ (1968), mit bürgerlichem Namen Susi Pacifico-Göttl, deren interessante Biografie hier gewürdigt werden soll.

Geboren wurde Susi Göttl am 27. Dezember 1928 in Aussig an der Elbe, also ganz in der Nähe von Leitmeritz, das heute mit Fulda durch die Verschwisterung eng verbunden ist. Wie viele Heimatvertriebene aus dem Raum Leitmeritz kam auch die Familie Göttl nach dem Krieg nach Fulda und fasste hier rasch Fuß. Wie in zeitgenössischen Zeitungsberichten nachzulesen ist, stürzte sich Susi Göttl geradezu in das Fuldaer Fastnachtsleben und wurde Mitglied in mehreren Vereinen. 1954/55 regierte sie als „Fürstin Susi von der Leica“ im Südend und trat später auch bei der FKG als Büttenrednerin auf.

Dabei lernte sie ihren späteren Mann kennen: Captain Alexander Pacifico, der zu dieser Zeit beim US-Panzerregiment in Fulda stationiert war und sich als einer der „Ami in der Bütt“ auch als Foaset-fest erwies. Angeblich „funkte“ es zwischen den beiden bei einer Fastnachtsvorbesprechung in der damaligen Gaststätte Ballmeier – bald darauf wurde geheiratet, „Die Hochzeit des Jahres“, titelte die Fuldaer Volkszeitung dazu am 5. Juli 1957.

Kurz darauf wurde Captain Pacifico jedoch versetzt, und so verließ das junge Paar Fulda zunächst in Richtung Heidelberg und dann in Richtung USA. Doch Susi Pacifico blieb ihrer Wahlheimat Fulda immer eng verbunden. Als sie Anfang 1968 zu Besuch in Fulda war – und die FKG noch immer ohne Prinz für die Session – wurde sie von FKG-Urgestein Lily Fahr kurzerhand als Prinzessin für die laufende Kampagne akquiriert. Susi Pacifico machte den Spaß mit und ging so als erste Fuldaer Prinzessin in die Geschichte ein.

Auch später hielt sie engen Kontakt nach Osthessen, so fungierte sie z.B. 1971 als Botin der Verbrüderung zwischen der Polizei von West Covina (Kalifornien) und der Polizeidirektion Fulda. Und 1977 vermittelte den Besuch einer Delegation der Jungen Union Hessen in Kalifornien, wobei sie auch ein Treffen mit dem Ex-Gouverneur und späteren US-Präsidenten Ronald Reagan einfädelte.
Im Jahr 2016 starb Susi Pacifico im Alter von 88 Jahren in einer Senioreneinrichtung in Apple Valley bei Victorville (Kalifornien).

Und was ist eigentlich mit Christel Hesse?
Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man auf die Idee kommen: Wieso war eigentlich die Tollität von 1953 mit Namen „Christel XII. vom Hesseneck“ nicht die erste Prinzessin in der Fuldaer Fastnachtsgeschichte? Nun, ganz einfach: „Christel“ kommt in seltenen Fällen auch als männlicher Vorname vor, und Christel Hesse, der „Prinz vom Hesseneck“, war unzweifelhaft ein Mann. In der FKG-Chronik ist vermerkt, dass er „der erste Junggeselle auf dem Thron der Karnevals-Gesellschaft“ gewesen sei. Dieser Thron war übrigens – passend zu dem Konditormeister Hesse – in Form eines Baumkuchens gestaltet. Ob allerdings das proklamierte Ziel aufging, für den Junggesellen mit Unterstützung der Adjutanten während der Kampagne eine Braut zu finden, ist in der Chronik nicht überliefert …


Popup-Fenster