Dekan Waap predigte im Karfreitagsgottesdienst in der Christuskirche

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Foto: privat

Am Karfreitag fand in der Christuskirche ein Gottesdienst zur Todesstunde Jesu statt. Das Gotteshaus präsentierte sich dem Anlass entsprechend: Das Kreuz war mit einem schwarzen Tuch verhüllt, auf dem Altar war eine Dornenkrone platziert. In seiner Predigt griff Dekan Dr. Thorsten Waap eine persönliche Beobachtung aus seiner Zeit im Schuldienst auf. Er schilderte eine Szene, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist: Ein Gespräch zwischen zwei Schülern, bei dem der eine von einer tiefen Enttäuschung berichtete. „Und dann hat er mich einfach hängen lassen“, diesen Satz habe der Jugendliche mit einer großen Bitterkeit ausgesprochen. Das Gefühl, im Moment der größten Not im Stich gelassen zu werden, sei eine menschliche Ur-Erfahrung.

Vom Schulhof schlug der Dekan eine Brücke zur Leidensgeschichte Jesu: Genau diese bittere Erfahrung des Verlassenwerdens durchziehe die Passionsgeschichte – vom Verrat des Judas über das Leugnen des Petrus bis hin zur Flucht der Jünger, die Jesus in seiner schwersten Stunde allein zurückließen. Das Kreuz, so Waap, sei damit nicht nur ein religiöses Symbol, sondern der Ort, an dem Gott genau diese menschliche Verzweiflung und das Gefühl des Verlassenseins selbst durchlebt habe. „Das Kreuz verbindet Himmel und Erde, doch am Fuße des Kreuzes herrscht oft die Einsamkeit des Verrats“, so der Dekan. Gott hielt den Tod seines Sohnes aus, ohne einzugreifen. Das sei die Karfreitagfrage: „Warum hat Gott ihn hängen lassen?“

Die Macht der Liebe gegen die Liebe zur Macht

Es sei ein Glück, dass Gott Jesus am Kreuz habe hängen lassen, da erst durch dieses Aushalten eine neue Welt der Liebe begründet wurde. Als ersten Zeugen dieses Wandels benannte der Dekan Josef von Arimathäa: Er riskierte seine Stellung, als er den Leichnam Jesu würdig in sein eigenes Grab bettete und damit den Gekreuzigten nicht hängen ließ. „Der weltlichen Liebe zur Macht setzt Gott die Macht der Liebe entgegen,“ so Waap.

Die Fuldaer Kantorei, unter der Leitung von Bezirkskantor Tobias Wirth, brachte unter anderem den Chorsatz „Wer bis an das Ende beharrt“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“ zu Gehör – ein Werk, das den Anlaß klanglich eindrucksvoll thematisierte. An der Orgel sorgte Landeskirchenmusikdirektor Andreas Schneidewind mit beeindruckendem Spiel für die passende Atmosphäre.

In der vollbesetzen Christuskirche waren auch zahlreiche Christen aus anderen Gemeinden vertreten. Eine Gruppe von Pilgern aus der Bonhoeffergemeinde sowie aus Petersberg hatte sich unter der Führung der Pfarrer Marvin Lange und Christian Pfeifer zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt gemacht, um gemeinsam an dem Gottesdienst teilzunehmen. +++


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