CDU-Bundesvorstandsmitglied ruft Parteikollegen zur Mäßigung auf

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Im Machtkampf um die Unions-Kanzlerkandidatur hat der baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß seine eigenen Parteikollegen zur Mäßigung aufgerufen. „Eigentlich haben wir ein Luxusproblem“, sagte das CDU-Bundesvorstandsmitglied dem „Handelsblatt“ mit Blick auf die beiden potenziellen Kandidaten Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU). „Statt das jetzt aber zu nutzen, tun Einige von uns alles dafür, es zu versemmeln. Klug ist das nicht.“

Bareiß wandte sich damit gegen die aus seiner Sicht überzogene Kritik aus der CDU an der CSU. „So ist es doch politisch naiv, unserer Schwesterpartei mit einem eigenen CDU-Landesverband in Bayern zu drohen“, sagte Bareiß, der auch parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ist. „Wer so etwas macht, kann wohl eins und eins nicht zusammenzählen.“ Bareiß bezog sich auf Äußerungen des CDU-Politikers Dennis Radtke aus Nordrhein-Westfalen. „Wenn Söder die Kanzlerkandidatur erzwingen will, wenn er die CDU zerstören will, dann darf die Gründung der CDU in Bayern kein Tabu mehr sein“, hatte das NRW-Landesvorstandsmitglied dem ZDF gesagt. Radtke ist auch Bundesvize der Arbeitnehmervereinigung CDA und Abgeordneter im Europaparlament. Bareiß sagte, mit Laschet und Söder habe die Union zwei starke Ministerpräsidenten. „Jeder von ihnen hat das Format, die kommende Bundestagswahl zu gewinnen. Vor zwei Jahren haben uns viele das nicht zugetraut“, sagte der CDU-Politiker. Er erwarte, dass sich die beiden jetzt „schnell“ einigen. „Beide haben eine Verantwortung für die gesamte Union.“

Laschet und Söder weiter uneins in K-Frage – Abstimmung droht

Wer für die Union als Kanzlerkandidat antritt, ist auch am Sonntagmorgen weiter unklar. Die von Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) selbst gesteckte Frist läuft am Abend ab. Als schlechte Nachricht für Laschet darf eine neue Äußerung des Chefs des Hamburger CDU-Landesverbands, Christoph Ploß, gewertet werden. Der drohte am Sonntag in der „Rheinischen Post“, dass über die Kanzlerkandidatur „nur die Bundestagsfraktion als einziges gemeinsames Gremium von CDU und CSU entscheiden“ könne. Bislang hatte sich Ploß eher verhalten geäußert. Bei der geforderten Abstimmung in der Fraktion allerdings kann Söder auf eine deutliche Mehrheit hoffen. Laut Zählung der dts Nachrichtenagentur gibt es mittlerweile für 123 Unionsabgeordnete entweder klare oder weniger klare Äußerungen, die auf eine Unterstützung Söders hindeuten. Darunter sind alle 45 CSU-Abgeordneten, aber auch 78 CDU-Mandatsträger. Nur für 64 Unionsabgeordnete, allesamt von der CDU, lässt sich a us öffentlichen Äußerungen eine Unterstützung von Armin Laschet herauslesen. 16 CDU-Abgeordnete haben öffentlich erklärt, sich nicht äußern zu wollen, von 42 Parlamentariern ist auch auf konkrete Nachfrage gar nichts zu hören. Gut möglich also, dass es spätestens am Dienstag in der Fraktion zu einer Entscheidung kommt. Sollte das wider Erwarten nicht passieren, will sich die Hamburger CDU bei der K-Frage positionieren, sagte Ploß. CDU-Vorstandsmitglied Christian Baldauf brachte unterdessen eine Einbeziehung der Kreisvorsitzenden in die Entscheidung ins Spiel. Sofern die Kanzlerfrage nicht umgehend gelöst werde, brauche es „kurzfristig eine digitale deutschlandweite Kreisvorsitzendenkonferenz“, sagte Baldauf dem „Spiegel“. Auch da dürfte das Ergebnis – glaubt man den Umfragen unter Unions-Anhängern – wohl klar zugunsten Söders ausfallen. Der weiß, dass die Zeit für ihn spielt. +++


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