Bürgerhaus Kämmerzell offiziell übergeben

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Es sind diese seltenen Momente kommunaler Politik, in denen sich Zahlen, Pläne und Bauzeiten zu etwas Greifbarem verdichten: zu einem Ort. Nach gut zwei Jahren Bauzeit ist das Bürgerhaus Kämmerzell nun offiziell seiner Bestimmung übergeben worden – und längst mit Leben gefüllt.

Von 2023 bis 2025 wurde das Gebäude in der Maidornstraße umfassend modernisiert, erweitert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Was von außen wie eine klassische Sanierung wirkt, ist in Wahrheit ein grundlegender Neubeginn im Bestand. Ein Haus, das gewachsen ist – mit den Ansprüchen seiner Nutzer.

Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld sprach von einem Ort, der seine Bewährungsprobe bereits bestanden habe. Noch vor der offiziellen Eröffnung wurde hier gefeiert, geprobt und gelebt – selbst die Fastnacht habe das Haus „mit Bravour“ bestanden. Für ihn ist es eine Investition in das, was eine Stadt zusammenhält: echte Begegnung. Gemeinschaft brauche Räume, so Wingenfeld, und genau solche Räume seien hier entstanden.

Rund 4,85 Millionen Euro hat die Stadt investiert. Das Bestandsgebäude wurde kernsaniert und durch einen zweigeschossigen Anbau ergänzt. Neue Technik, moderne Lüftung, Fußbodenheizung im Saal, barrierefreie Zugänge, Aufzug und eine energetische Neuausrichtung mit Luftwärmepumpe – vieles davon bleibt unsichtbar, ist aber entscheidend. Sichtbar wird es dort, wo Menschen den Raum nutzen: im teilbaren Multifunktionsbereich, in den Proberäumen der Vereine, im neugestalteten Außenbereich.

Stadtbaurat Daniel Schreiner erinnerte daran, dass der Weg dorthin nicht frei von Diskussionen war. Unterschiedliche Vorstellungen, Widerstände zu Beginn – ein Prozess, der Zeit brauchte. Umso wichtiger sei es gewesen, an einem schlüssigen Gesamtkonzept festzuhalten. Dass das Projekt trotz schwieriger Rahmenbedingungen, steigender Baukosten und hoher Anforderungen im geplanten Rahmen umgesetzt werden konnte, wertete er als gemeinsamen Erfolg von Politik, Verwaltung und allen Beteiligten am Bau.

Doch was dieses Haus im Kern ausmacht, beschrieb einer, der den Ort wie kaum ein anderer kennt: Ortsvorsteher Christian Ruppel. Für ihn ist das Bürgerhaus „mehr als Material“ – mehr als Stein, Dach und Bühne. Es sei ein Versprechen an die Dorfgemeinschaft gewesen. „Heute lösen wir dieses Versprechen ein.“

Ruppel zeichnete nach, wie aus einer zunächst kleinen Idee – zusätzlicher Raum für den Musikverein – Schritt für Schritt ein umfassendes Projekt wurde. Gespräche zwischen Vereinen, Ortsbeirat und Stadt setzten den Prozess in Gang. Aus der Erweiterung wurde eine grundlegende Neuausrichtung. „Die Vision ist gewachsen“, sagte er – und mit ihr der Anspruch.

Dass dieses Projekt gelungen ist, führt er vor allem auf das Miteinander zurück. Vereine hätten über zwei Jahre hinweg improvisiert, ausgewichen, angepackt – beim Ausräumen ebenso wie beim Wiedereinzug. Veranstaltungen wurden verlegt, Feste neu organisiert, vieles lief im Ehrenamt. „Das war nicht selbstverständlich“, betonte Ruppel.

Und das Ergebnis? Spricht für sich. Bereits jetzt ist das Bürgerhaus stark nachgefragt: 16 Hochzeiten sind bis in den Herbst hinein geplant, dazu kommen Familienfeiern, Vereinsveranstaltungen und öffentliche Termine. „Bis auf ein Wochenende ist alles ausgebucht“, sagte Ruppel – ein Satz, der im Saal für zustimmendes Nicken sorgte.

Für ihn ist das der eigentliche Maßstab: Dass das Haus genutzt wird. Dass es lebt. Dass Menschen kommen, bleiben, feiern. „Das Bürgerhaus lebt von den Menschen, die hineingehen“, so Ruppel.

Vielleicht ist das die treffendste Beschreibung für diesen Ort. Kein Prestigeprojekt, kein architektonisches Statement – sondern ein Haus, das seinen Zweck erfüllt. Und gerade deshalb Bedeutung gewinnt. +++


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