Besuch von Princeton-Studenten in Fulda

Besuch der Gedenkstätte Point Alpha

Fulda. Im Rahmen ihres sechswöchigen Praktikums in Hessen informierten such vier Studenten von der Princeton University bei Stadt, Landkreis und Kirchen in der Region, über die Flüchtlingspolitik.

Vier Studenten der Princeton Universität, einer Kaderschmiede der nordamerikanischen Elite an der Ostküste der USA, haben im Rahmen ihres sechswöchigen Praktikums in Hessen zwei Tage Fulda besucht, um sich an der Hochschule, bei Stadt und Landkreis sowie bei den Kirchen in der Region, über die Flüchtlingspolitik Deutschlands zu informieren. Im Zentrum ihres Interesses stand die Frage: Wie hat Deutschland es geschafft, mit der hohen Zahl an Flüchtlingen in den Jahren 2015/16 umzugehen?

Beim Nachspüren dieser leitenden Frage stießen die Studenten auf allen Stationen ihres dichtgepackten, hochkarätigen, von der Hochschule Fulda organisierten Programms, immer wieder auf das Ehrenamt. So konnten sie sich – in Princeton studieren sie Geschichte, Mathematik, Politikwissenschaften oder vergleichende Literaturwissenschaften – an der Hochschule Fulda bei der Dekanin des Fachbereichs Sozialwesen, Prof. Dr. Martina Ritter, über Projekte mit Flüchtlingen in der Sozialen Arbeit wie etwa Perspektiva und Welcome In – um nur die beiden bekanntesten zu nennen – informieren. In diesen Projekten treffen Studierende der Sozialen Arbeit, die hier ihr Praktikum ableisten, sowie Ehrenamtliche und Flüchtlinge, aufeinander und lernen voneinander. Sie erhielten aber auch Einblick in hochaktuelle Forschungsprojekte zur Flüchtlingsfrage im sozialen Raum „Zusammenleben und Integrieren“, einem Teilprojekt des Forschungsantrages, der von der Förderinitiative „Innovative Hochschule“ den Zuschlag erhalten hatte.

Auch Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar begrüßte die jungen Gäste an seiner Hochschule. Er freute sich über ihr Interesse an der Flüchtlingsfrage und, dass sie den weiten Weg hierher gefunden haben, um sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen. Mit Hinweis auf die Vielzahl an Hochschulkontakten zu internationalen Partnereinrichtungen, forderte er die Studierenden auf, die Möglichkeiten zu Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen zu nutzen. Die persönliche Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen, trägt immer auch zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei und kann damit auch ein wichtiger Beitrag zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander werden, so Khakzar.

Die Studenten der Princeton Universität informierten sich auch bei der Stadt und dem Landkreis Fulda: Dag Wehner, Bürgermeister der Stadt Fulda und Frederik Schmitt, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Fulda, stellten die Eckpunkte der Flüchtlingsversorgung und -integration in der Region Fulda vor.

Fuldas Bürgermeister Dag Wehner und der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda Frederik Schmitt, stellten die Eckpunkte der Flüchtlingsversorgung und -integration in der Region Fulda vor. Während Schmitt betonte, dass der „Schlüssel für die Bewältigung der hohen Zuwanderung vor allem die starke dezentrale Organisation und die Bedeutung des Ehrenamtes in Deutschland waren“, hob Wehner hervor, dass auch der demografische Wandel und der damit verbundene Mangel an Fachkräften maßgeblich für die überwiegend positive Aufnahme der Flüchtlinge war und ist: „Fulda hat die niedrigste Arbeitslosenquote in Hessen. Die Kehrseite der Medaille ist dabei, dass es mittlerweile allein rund 1.000 unbesetzte Ausbildungsplätze in der Region gibt.“

Ein plastisches Bild von gelebter Flüchtlingshilfe konnten sich die Princeton-Studenten dann am Abend des ersten Besuchstages bei der Initiative „Welcome In“ in deren „Wohnzimmer“ gleich gegenüber dem Kreisjobcenter, machen – einem Projekt, das ausschließlich auf dem ehrenamtlichem Engagement von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und Studierenden der Hochschule Fulda gründet und wegen seines herausragenden Konzeptes der Begegnung von Bürgern und Flüchtlingen mit dem Integrationspreis der Stadt Fulda und jüngst, als eines der 25 besten sozialen  Projekte eines bundesweiten Wettbewerbs, mit einem Preis von Kanzlerin Merkel ausgezeichnet wurde. Jochen Schiersch, der geistige Vater des „Wohnzimmer-Konzepts“, forderte abschließend die amerikanischen Studenten auf, Wimpel mit dem Wohnzimmer-Logo mit nach Princeton zu nehmen, um so auch dort für die Verbreitung der Idee zu sorgen.

Zum Auftakt des zweiten Tages beschäftigten sich die Studenten mit dem Thema „Kirchen als gesellschaftliche Akteure – auch in der Flüchtlingsarbeit“. Hier durften sie gleichzeitig ein Stück gelebter Ökumene erfahren:  Pfarrer Lars Peter Rilke, Leiter der Diakonie in Fulda, hatte einen Gesprächskreis zusammengerufen, der die wichtigsten Perspektiven in der Flüchtlingsarbeit der Kirchen wiedergab: Vertreterinnen von Caritas, Diakonie, Kreuzkirchengemeinde, ehrenamtliche Helferinnen und ein Flüchtling, hatten sich eingefunden, um den Gästen von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen zu berichten. Und wieder wurde das ehrenamtliche Engagement – flankiert durch institutionalisierte Arbeit – als eine der wichtigen Säulen der Flüchtlingsarbeit deutlich. Auch das schwierige Kapitel Kirchenasyl wurde thematisiert. Dabei wurde deutlich, vor welche Herausforderung Kirche und Gemeinde hierbei gestellt werden.

Den Schlusspunkt des intensiven Besuchsprogramms bildete ein Besuch der Gedenkstätte Point Alpha. Auch hier trafen die Studenten aus den USA wieder auf Geschichten von – diesmal innerdeutscher – Flucht über die Grenze zwischen den beiden damaligen Machtblöcken während des Kalten Krieges. Zugleich machte dieser besondere Ort auch ein gemeinsames Kapitel amerikanischer und deutscher Geschichte für die Gäste erlebbar.

Von der hohen Motivation der Princeton-Studenten für die Beschäftigung mit der Flüchtlingsfrage zeugte auch, dass sie die Möglichkeiten der persönlichen Begegnung mit Flüchtlingen, die das Rahmenprogramm bot, rege nutzten. Darüber hinaus waren sie auch sichtlich angetan von der Stadt und der Hochschule Fulda. „Diese zwei Tage werden wir sicher nicht so schnell vergessen. Über die vielfältigen Begegnungen mit den Menschen, die in der Bewältigung dieser großen Aufgabe ganz vorn stehen, werden wir auch viel Interessantes an unserer Universität berichten können.“  Vielleicht haben im nächsten Jahr wieder ein paar Princeton-Studenten die Gelegenheit, sich im Rahmen des Hessen-Princeton-Praktikumsprogramms von den Qualitäten der Stadt und der Hochschule Fulda zu überzeugen.

Über die Princeton Universität: So beschreibt ein ehemaliger Princeton-Student seine Universität:

Die Princeton University ist eine in der Stadt Princeton im US-Bundestaat New Jersey gelegene Privatuniversität. Gegründet 1746 ist sie die viertälteste Universität der USA. Sie ist eine der angesehensten und reichsten Universitäten weltweit. Gegründet wurde Princeton von calvinistischen Geistlichen, um als Kaderschmiede der nordamerikanischen Elite zu fungieren: Ein Präsident der Vereinigten Staaten, ein Vize-Präsident, 49 Kongressabgeordnete, 28 US-Senatoren und zahlreiche andere Amtsträger gingen aus ihr hervor. 20 Nobelpreisträger lehrten dort, u. a. Albert Einstein und Thomas Mann. Die Universität versteht sich immer noch als Ausbildungsstätte einer ethisch motivierten Führungselite; So zählt u. a. heute Michelle Obama zu den Princeton-Absolvent*innen. Zurzeit gibt es knapp 8.000 Studierende in Princeton, davon 48 % Weiße, der Rest ist asiatischen, hispanischen oder schwarzafrikanischen Ursprungs. Die Studiengebühren sind mit 64.000 $ sehr hoch, aber 60 % bekommen großzügige Stipendien. So ist die Universität ein Magnet für Begabte aus aller Welt.

Über das Austauschprogramm: Ziel des sechswöchigen Programms, das von der Princeton Universität zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) durchgeführt wird, ist es, den Praktikanten einen Einblick in die hessische Flüchtlingspolitik zu gewähren. Auf verschiedenen Ebenen sollen die Praktikanten wichtige Akteure und ihre Rolle in der Bewältigung der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe kennenlernen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Bereich Studium und Wissenschaft. Auf Landes-, Bundes- und NGO-Ebene informieren sie sich über die fachliche und rechtliche Steuerung der Flüchtlingsfrage. Im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst MWK ist Frau Erika Müller-Blaß maßgeblich verantwortlich für das Programm.  +++

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BU-FD

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1 Kommentar

  1. Wer hätte das gedacht!

    In einer Zeit, die geprägt ist von jeder Menge Negativschlagzeilen und einem narzistischen US-Präsidenten, der bei seiner Europa-Tour von einem Fettnäpfchen ins Nächste wankt, kommen 4 junge Hoffnungsträger, allesamt US-Studenten der Eliteuni Princeton nach Fulda (!), um sich hier über die Integrationsarbeit der Flüchtlingshilfe und über die Arbeit u.a. der sozialen Fachbereiche bezüglich dieser Thematik zu informieren!

    WOW! AMAZING! It´s awesome!

    Vor allem, weil es zeigt, daß die USA mehr sind als Donald Trump.

    Princeton ist eine der ältesten Kaderschmieden der USA. Und wenn den Amerikanern langsam bewußt wird, daß man auch im Heimatland der Einwanderung in Sachen Integration noch Einiges nachholen muss, dann zeigt das vor allem, daß man zumindest im akademischen Bereich weit über Trump hinaus denkt. Und das ist gut so!

    Während in den 70ern und 80ern die USA eines der offensten Länder der Welt waren, hat sich das spätestens seit 9/11 radikal geändert. Abschottung und Fremdenhass nehmen dort immer mehr zu. Die Spaltung der Bevölkerung unter Obama und nun Trump macht dies mehr als deutlich.

    Und Europa versucht derweil den Spagat zwischen einerseits einem offenen Bund ohne Grenzen, dem befruchtenden Austausch untereinander und andererseits dem Problem mit den nach wie vor in dieses Europa strömenden Flüchtlingsmassen in den Griff zu bekommen.

    Ich hoffe daher, daß sich die US-Studenten nicht nur dafür interessiert haben, wie man die Flüchtlinge mittels Bürokratie wieder los wird sondern vor allem, wie man die, die es bis hierher geschafft haben, in unsere Gesellschaft erfolgreich integriert. Was nicht einfach ist!

    Damit wir alle voneinander lernen, in einer friedlichen Welt miteinander in Harmonie zu leben.

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