„Aus Dienst am Rechtsstaat“ – Frauke Brosius-Gersdorf erhielt Georg-August-Zinn-Preis

Georg az
Der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf wurde am 18. Januar 2026 im Wiesbadener Landtag der Georg-August-Zinn-Preis der hessischen Sozialdemokratie verliehen.

Die Rechtswissenschaftlerin Frau Professorin Dr. Frauke Brosius-Gersdorf ist am vergangenen Sonntag im Beisein von über 200 Gästen in Wiesbaden mit dem „Georg- August-Zinn-Preis der hessischen Sozialdemokratie“ geehrt worden. Brosius-Gersdorf habe sich durch ihr langjähriges wissenschaftliches sowie gesellschaftliches Engagement im Bereich des öffentlichen Rechts, insbesondere des Verfassungs- und Sozialrechts besonders verdient gemacht, hieß es in der Begründung. Den Preis nahm die Rechtswissenschaftlerin stellvertretend für alle entgegen, die sich für das Sozial- und Verfassungsrecht engagieren. Mit ihrer Arbeit setze Brosius-Gersdorf wichtige Impulse für die Stärkung von Demokratie, Grundrechten und sozialer Teilhabe. Als öffentlich sichtbare Stimme in zentralen rechtsstaatlichen Debatten stehe sie für Dialog, kritische Reflexion und die Verteidigung demokratischer Werte.

„Demokratie ist nicht nur eine Staatsform, sie ist vor allem eine Lebensform“, mit diesem Zitat von Georg-August Zinn (Von 1950 bis 1969 Ministerpräsident des Landes Hessen) eröffnete die Generalsekretärin der hessischen SPD, Dr. Josefine Koebe MdL, die gestrige Feierstunde anlässlich der Verleihung des Georg-August-Zinn-Preises 2026, der in seiner Namensgebung unverkennbar an den früheren Ministerpräsidenten, Juristen und Sozialdemokraten Georg August Zinn und an dessen Wirken erinnert, an Professorin Dr. Frauke Brosius-Gersdorf im Hessischen Landtag. Die Generalsekretärin weiter: „Demokratie lebt nicht an und für sich; Demokratie ist harte Arbeit. Demokratie ist kein Selbstläufer und wir alle müssen immer wieder in jeder Generation aufs Neue hart für Demokratie eintreten.“

Ein besonderer Willkommensgruß der Generalsekretärin galt mitunter der anwesenden Familie des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten, allen voran den Söhnen von Georg August Zinn, namentlich Herr Professor Karl Georg Zinn, Herr Dr. med. Georg-Christian Zinn und Herr Dr. Philip-André Zinn mit ihren Familien. Besondere Wichtigkeit für den früheren hessischen Ministerpräsidenten und Ehrenbürger der Stadt Frankfurt a.M. sollen, so dessen Nachkommen, neben Gerichte, Ehrungen von Menschen, die sich im besonderen Maße für die Demokratie eingesetzt haben, gehabt haben. Demnach war ein hessischer Bergmann auf Vorschlag von Georg-August Zinn einst als erste Persönlichkeit mit dem Bundesverdienstkreuz, dafür, dass er seine Kameraden bei einem Vorkommnis rettete, geehrt worden.

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Tobias Eckert MdL, ging in seiner Rede unter der Überschrift „Georg-August Zinn – Sein Wirken ist unser Auftrag“ auf den Politiker Juristen und die Persönlichkeit Georg-August Zinn ein. So markiere das Zinn-Jahr 2026 gleich mehrere Jubiläen, die Anlass geben, an Georg-August Zinn zu erinnern: Seinen 125. Geburtstag, seinen 50. Todestag und den 75. Jahrestag des Beginns seiner Amtszeit als Ministerpräsident im Januar 1951. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion: „Kein Demokrat, Staatsmann und Genosse steht ewig stellvertretend für die hessische SPD und das Hessen der Nachkriegszeit wie Georg-August Zinn. Georg-August Zinn war dabei mehr als der in vielen Augen erfolgreichste Ministerpräsident unseres Bundeslandes. Er war ein Demokrat aus Überzeugung, er war ein Jurist mit klarem, moralischem Kompass, der sich schon früh mit seinem Eintritt in die SPD mit 18 Jahren karikierte und ausrichtete.“ So habe sich Georg-August Zinn schon früh zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur am frühen Widerstand der SPD beteiligt.

Weiter führte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion aus: „Zahlreiche NS-Gegner sind von Georg-August Zinn couragiert verteidigt worden, alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Er war ein Staatsmann, der aus Erfahrung von Diktatur, Krieg und Zusammenbruch klare Lehren zog, die mit seinen eigenen Worten am besten zusammengefasst werden können: ‚Die Demokratie ist nicht nur eine Staatsform, in der eine bestimmte institutionelle Gliederung die Handhabung der staatlichen Macht regeln oder vor ihrem Missbrauch schützen soll, sie ist vor allem eine Lebensform.‘ Geboren 1901 erlebte Zinn die Weimarer Republik als große Hoffnung. Er erlebte ihr Scheitern als Katastrophe und den Nationalsozialismus als tiefen Zivilisationsbruch. Als jemand, der sowohl als Bürger, Jurist und Politiker den Nationalsozialisten schon während ihrer Herrschaft die Stirn geboten hatte, befand sich Zinn in den Nachkriegsjahren unmittelbar im Zentrum der zentralen Frage einer ganzen Generation wieder: Wie kann nach dem nationalsozialistischem Zivilisationsbruch ein neues, besseres politisches und gesellschaftliches Gemeinwesen aufgebaut werden?“

In vielen Ämtern und Funktionen stellte sich Georg-August Zinn dieser Frage. Dabei prägten seine Erfahrung, seine rechtliche Expertise und seine moralischen Werte sowohl die hessische Verfassung als auch das Grundgesetz. Seine innovative, pragmatische und zutiefst menschliche Politik sollte auch darüber hinaus die über Jahrzehnte die hessische und deutsche Nachkriegsordnung maßgeblich gestalten. Dabei hob Georg-August Zinn hervor, wie wichtig es ist, diese Werte eben nicht nur zu propagieren, sondern sie auch in konkretes Handeln zu übersetzen, sodass ‚Toleranz, Freiheit und menschliche Solidarität nicht zu wohlklingenden Phrasen aus festlichem Anlass erniedrigt werden‘.“

Die Hessen SPD und die hessische Landtagsfraktion erinnerte mit der gestrigen Preisverleihung nicht nur an die Person Georg-August Zinn, sondern nahm den Tag und das Zinn-Jahr 2026 zum Anlass, auch darüber nachzudenken, welche Lehren aus dem Leben und dem Wirken von Georg-August Zinn abgeleitet werden können und welche Aufgaben daraus heute erwachsen. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion zog das untrennbar mit dem ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten verbundene Integrationsversprechen, an das Zinns berühmte und vielzitierte Zitat „Hesse ist, wer Hesse sein will!“ als Beispiel heran. Zinn ging es dabei, die gemeinsam verbindenden und zu achtenden Werte und Normen der Gesellschaft als Bestandteil und Integraler Bestandteil der gemeinsamen Heimat und Identität in den Fokus zu rücken.

„Sein Politikansatz wurde sowohl wirtschaftlich und räumlich etwa im Kontext der Hessenpläne gedacht und praktisch umgesetzt. Den Integrationsgedanken formulierte er als ‚Politik der sozialen Verantwortung‘ und damit als Gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dieser anhaltenden Aufgabe wir uns auch heute noch bewusst sind“, so Eckert. „Mit dem Georg-August-Zinn-Preis ehren und erinnern wir als Hessen SPD einen der größten Ministerpräsidenten unseres Landes, der dieses Bundesland und natürlich auch die hessische Sozialdemokratie in seiner Amtszeit geprägt hat, wie kein zweiter“, konstatierte der Landesvorsitzende der SPD Hessen, Sören Bartol MdL, gestern im Wiesbadener Landtag. Bartol weiter: „Im Zentrum seines politischen Handelns stand der soziale Rechtstaat, er kämpfte für ein ausgewogenes Gleichgewicht von Freiheit, sozialer Sicherheit und Gleichheit. Georg-August Zinn wollte die Versöhnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Er förderte gesellschaftliche Integration und Möglichkeiten von Teilhabe und Wohlstand aller. Ein Demokrat aus vollster Überzeugung. Und mit dem Georg-August-Zinn-Preis möchten wir als hessische SPD – aber auch als hessische Landtagsfraktion Menschen und Institutionen ehren, die sich besonders verdient gemacht haben. Mit ihm zeichnen wir diejenigen aus, die sich in vorbildhafter Weise für Menschlichkeit, Rechtstaatlichkeit, Demokratie und den sozialen Zusammenhalt einsetzen, die mit ihrer Arbeit gegen Unrecht oder für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus wirken. Wir ehren diejenigen, die Haltung haben, Verantwortung tragen, Toleranz leben, die den festen Glauben an die Stärke der Demokratie in sich tragen und sie schützen wie einst Georg-August Zinn.“

Sören Bartol weiter: „Heute ehren wir eine Frau, die als Juristin viele Jahre schon mit ihrer Arbeit zum Verfassungs- und Sozialrecht in der Bundesrepublik Deutschland prägt. Wir ehren eine Wissenschaftlerin, die wichtige Impulse für das Verständnis des Grundgesetzes und damit für die Stärke des Rechtstaates und demokratischen Gemeinwesens gibt und gegeben hat. Wir ehren eine Professorin, die mit ihrer Lehre und Forschung ihre Arbeit mit den Studierenden auch den Grundstein für das Rechtsverständnis in Deutschland von Morgen legt, die als Professorin für Verfassungs- und Sozialrecht an der Uni Potsdam analytische Schärfe mit neutraler Klarheit verbindet und dabei immer daran erinnert, dass das Grundgesetz ein Arbeitsauftrag ist für uns alle.“

Die Laudatio hielt die Archäologin Professorin Dr. Katharina Lorenz, Präsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Wissenschaftsfreiheit ist kein Privileg des Gelehrtenstandes, sondern eine Verpflichtung gegenüber unserer Gesellschaft“, so Lorenz, die fortfuhr: „Es ist die Aufgabe des Staates. Der Georg-August-Zinn-Preis erinnert an einen Mann, der Hessen nach der Barbarei des Nationalsozialismus aus den Trümmern holte.“

Und weiter: „Zinn war Architekt des Rechtsstaates. Er wusste, dass eine Demokratie nur so stark ist, wie das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihre Institution. Zinn wusste auch, ein Rechtstaat braucht ein geistiges Fundament. Es ist kein Zufall, dass die Hessische Verfassung in Artikel 10, Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und ihrer Lehre so klar postulierte. Es war sein Verständnis, das eine Wehrhafte Demokratie auf dem freien Denken beruht. Doch was geschieht, wenn genau dieses freie Denken, die unverzichtbare Unabhängigkeit der Wissenschaft zum Ziel einer politischen Kampagne wird und das Ansehen eine Institution zu zerlegen droht?“

„Als die Debatte um ihre Nominierung drohte, das Bundesverfassungsgericht in den Zog parteipolitischer Auseinandersetzungen zu ziehen, haben Sie eine Entscheidung getroffen, die Zinns Erbe der Institutionstreue auf bemerkenswerte Weise verkörpert. Sie haben Ihre Kandidatur zurückgezogen. Und das nicht, weil sie an sich zweifelten oder die Vorwürfe haltbar waren, sondern, um zu verhindern, dass unser höchstes Gericht durch politische Scharmützel geschädigt wird. In diesem Moment waren Sie die Verteidigerin der Verfassung, ganz ohne die Robe angelegt zu haben. Sie haben die Integrität der Institution über Ihre eigene Karriere gestellt“, so die Laudatorin. Und weiter: „Georg August Zinn wusste, eine Demokratie, die ihre Denkerinnen und Denker nicht schützt, die verliert ihre Zukunft. Der Georg August Zinn-Preis steht sinnbildlich für die Anerkennung all jener, die durch ihr Wirken die Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft versigeln und sich in herausragender Weise des Gemeinwohl und die Stärkung des Rechtsstaates verdient gemacht haben.“

Professorin Dr. Katharina Lorenz weiter: „Ihr Verzicht auf das angestrebte Amt, Frau Kollegin, war kein Zeichen von Schwäche oder politischem Taktieren – im Gegenteil: es war die Einsicht, dass das Ansehen des Bundesverfassungsgerichts schwerer wiegt als die eigene Biografie. In einer Zeit, in der die Aggressivität in der politischen Auseinandersetzung in Deutschland massiv zunimmt, haben Sie sich geweigert, das Gericht zum Spielball dieser Aggression werden zu lassen. Das ist kein Rückzug, das ist aktiver Schutz unserer Verfassung. […] Liebe Frau Kollegin, Sie werden geehrt, als eine Frau, die standhielt. Als eine Wissenschaftlerin, die aufklärte und als eine Bürgerin, die die ‚res publica‘ über das eigene Wohl stellte. Das ist Dienst am Rechtsstaat in seiner reinsten Form.“

In ihrer Erwiderung unterstrich die Preisträgerin des Georg-August-Zinn-Preises 2026, Frau Professorin Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, ihre tiefe Rührung und Dankbarkeit: „Die Georg-August-Zinn-Preisverleihung ist für mich eine sehr große Ehre und Freude. Ich danke Ihnen, liebe Familie Zinn, dass Sie mich für die Ehrung ausgewählt haben. Der Preis wird mir Ansporn und Auftrag sein, mich mit meinen bescheidenen Möglichkeiten weiterhin für unsere Demokratie einzusetzen. Liebe Frau Lorenz, Ihre Laudatio ist viel zu viel der Ehre, das ist vollkommen klar. Aber ich bin sehr froh und dankbar, dass Sie all die Punkte angesprochen, brillant angesprochen haben, die mir im vergangenen Jahr sehr wehtaten und die mich und mein Mann bis heute noch sehr beschäftigen. Ich danke Ihnen von Herzen.“

„Das Vermächtnis von Georg-August Zinn, sein unermüdlicher Einsatz für Demokratie ist heute – und das kann man nicht oft genug betonen – meines Erachtens wichtiger denn je. Denn wir mussten und müssen erleben, dass Demokratie in Deutschland zunehmend unter Druck gerät, in Bedrängnis ist – und zwar durch Angriffe von verschiedener Seite“, so die Preisträgerin. Abschließend dankte die Preisträgerin Ihrem Ehemann, Professor Dr. Hubertus Gersdorf, ebenfalls Jurist und Hochschullehrer, für den bedingungslosen Beistand in schwierigen Zeiten.
Lisa Gnadl MdL, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion, der das Schlusswort oblag, appellierte abschließend an die soziale Verantwortung, die insbesondere Heranwachsenden in den sozialen Medien zukommt, manchmal aber auch politischen Mandatsträgern.

Musikalisch umrahmt wurde die diesjährige Preisverleihung von der Ausnahmeharfenistin Yvonne Böhme von der Musikakademie Wiesbaden, die mit Werken von Joseph Jongen, Félix Godefroid und Jan Ladislav Dussek die Veranstaltung bereicherte. Der Georg-August-Zinn-Preis der hessischen Sozialdemokratie wird seit 2002 alle zwei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich im besonderen Maße um die Demokratie, den Rechtsstaat und eine faire Gesellschaft verdient gemacht haben. Namensgeber ist der Jurist und Sozialdemokrat Georg-August Zinn, der von 1950 bis 1969 als Ministerpräsident des Landes Hessen wirkte. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. +++ jessica auth


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