Auf Haushalte kommen neue Belastungen bei Strom und Gas zu

Zum Jahreswechsel 2027 müssen sich die Haushalte in Deutschland auf spürbar höhere Energiekosten einstellen. Sowohl die Strom- als auch die Gasnetzentgelte ziehen im bundesweiten Durchschnitt an. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Vergleichsportals Verivox, die auf den bislang veröffentlichten Daten der regionalen Verteilnetzbetreiber basieren.

Bei den Gasnetzentgelten ergibt sich für das Jahr 2027 im Bundesschnitt eine Verteuerung um rund drei Prozent. Für eine Familie im Einfamilienhaus mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entstehen dadurch rechnerische Mehrkosten in Höhe von rund 19 Euro brutto pro Jahr. Bei der regionalen Kostenentwicklung zeigen sich allerdings erhebliche Unterschiede. Überdurchschnittlich stark klettern die Gasnetzentgelte in Berlin mit einem Plus von acht Prozent beziehungsweise 38 Euro sowie in Hamburg mit sieben Prozent oder 35 Euro mehr. In Rheinland-Pfalz und Brandenburg steigen die Gebühren um jeweils 4,4 Prozent, was zusätzlichen 27 Euro beziehungsweise 23 Euro entspricht. Dagegen sinken die Gasnetzgebühren in Sachsen mit einem Minus von 0,7 Prozent (fünf Euro Ersparnis) und in Thüringen mit 0,5 Prozent (drei Euro weniger) leicht ab. Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, erläutert die Hintergründe: Der Gasverbrauch in Deutschland sei seit dem Wegfall des russischen Pipeline-Gases im Jahr 2022 deutlich zurückgegangen, sodass sich die Netzkosten nun auf weniger Kilowattstunden verteilen. Dies lasse die Gasnetzentgelte tendenziell ansteigen.

Weitaus stärker als die reinen Netzentgelte dürften jedoch die Entwicklungen an den Handelsplätzen durchschlagen. Neben den Gebühren sorgen vor allem die seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegenen Großhandelspreise für massiven Preisdruck. Seit Februar 2025 sind diese um rund fünf Cent netto pro Kilowattstunde nach oben geschossen, was einem Preisanstieg von etwa 140 Prozent entspricht. Die Steigerung der Gasnetzgebühren habe im Vergleich zu den explodierten Großhandelspreisen nur einen geringen Einfluss auf die eigentliche Heizkostenentwicklung der Haushalte, so Storck weiter. Zum Jahreswechsel seien daher flächendeckende Preiserhöhungen zu erwarten, bei denen die Gasversorger die teureren Beschaffungskosten an ihre Kundschaft weitergeben. Diese Aufschläge werden sich je nach individuellem Tarif zwischen 10 und 20 Prozent bewegen. Wer ein Einfamilienhaus beheizt, muss mit zusätzlichen Ausgaben von bis zu 500 Euro rechnen.

Auch beim Strom müssen die Bürger tiefer in die Tasche greifen. Trotz milliardenschwerer staatlicher Zuschüsse steigen die Stromnetzentgelte zum Jahreswechsel bundesweit um durchschnittlich 1,9 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem typischen Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten von rund acht Euro brutto. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt im sinkenden Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten. Während der Bund im Jahr 2026 noch 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt hatte, sind für 2027 lediglich 5,525 Milliarden Euro vorgesehen, was einem Rückgang um 15 Prozent entspricht.

Im Bundesdurchschnitt steigen die jährlichen Stromnetzgebühren für einen solchen Musterhaushalt von bisher 428 Euro auf 436 Euro brutto an, wobei in zwölf Bundesländern Erhöhungen anstehen. Spitzenreiter beim Kostenanstieg ist Hamburg, wo sich die jährlichen Gebühren bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden um durchschnittlich neun Prozent beziehungsweise 52 Euro brutto erhöhen. Dahinter folgen das Saarland mit einem Plus von acht Prozent (38 Euro) und Berlin mit ebenfalls acht Prozent (33 Euro). Auch in Bremen fällt der Anstieg mit 29 Euro und einem Plus von acht Prozent überdurchschnittlich kräftig aus. Spürbare Entlastungen gibt es hingegen in Thüringen mit einem Minus von drei Prozent (elf Euro weniger) und Nordrhein-Westfalen mit minus einem Prozent (fünf Euro Ersparnis). Ebenfalls leicht rückläufig zeigen sich die Gebühren in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Thorsten Storck stellt klar, dass der staatliche Milliardenzuschuss zwar einen deutlich stärkeren Anstieg verhindere, die Entgelte vielerorts aber wieder anziehen, weil der Bund im kommenden Jahr weniger Mittel bereitstellt.

Darüber hinaus offenbart sich weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle. Während die jährlichen Stromnetzentgelte in den alten Bundesländern durchschnittlich um zehn Euro auf rund 445 Euro brutto steigen, gehen sie in den neuen Bundesländern um durchschnittlich drei Euro auf rund 386 Euro brutto zurück. Die bundesweit höchsten Gebühren werden künftig in Hamburg mit durchschnittlich 613 Euro brutto pro Jahr fällig, gefolgt vom Saarland mit 530 Euro. Am niedrigsten liegen sie in Mecklenburg-Vorpommern mit 335 Euro, wodurch die Spanne zwischen dem teuersten und dem günstigsten Bundesland bei 278 Euro im Jahr liegt. Wie hoch die Netzgebühren im Detail ausfallen, hängt von den Kosten für Ausbau und Betrieb der regionalen Stromnetze ab. Seit 2025 werden zudem Regionen entlastet, in denen besonders viel Wind- und Solarstrom erzeugt wird. Die dort anfallenden hohen Netzkosten müssen nicht mehr allein von den Haushalten vor Ort geschultert werden, sondern werden solidarisch auf alle Stromverbraucher in Deutschland verteilt. +++


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