Torsten Mähner hat viel erlebt: Zwischen Champions League und Aufstieg in die Regionallliga

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Tischtennis-Spieler Torsten Mähner. Fotos: Jörg Hirsch

In seinem Leben stecken viele Geschichten. Auch in seinem Tischtennis-Leben. Das bewegt sich zwischen Deutschlands Nummer Eins zu Jugendzeiten, reicht von einem Champions-League-Spiel mit dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell mit dessen einstigem Fixstern Jan-Ove Waldner – bis hin zur aktuellen Meisterschaft der Zweiten des TTC in der Oberliga Hessen und dem damit verbundenen Aufstieg in die Regionalliga. Gemeint ist der heute 32-jährige Torsten Mähner, der auch ein spezieller Typ und Mensch ist.

Er grübelt kurz bei der Beantwortung der Frage, wann er begonnen habe mit Tischtennis. Mit Fünfeinhalb oder Sechs, sagt er, beim TLV Eichenzell. In der F- und E-Jugend kickt er auch mal, aber als diese Zeit vorüber ist, gibt es für Torsten Mähner nur noch eine Sportart: Tischtennis. Übrigens: Sein Vater Manfred spielt heute noch beim TLV – als 74-Jähriger. Torsten hat Talent. Viel Talent. Bleiben wir bei Skizzen des Fortschreitens seiner Entwicklung.

In seiner Hoch-Zeit ist Torsten Mähner einer der besten Nachwuchs-Spieler Deutschlands, 2007 ist er die Nummer Eins der deutschen Rangliste der A-Schüler. Im selben Jahr wechselt er zum TTC Maberzell. Erste Erfolge stellen sich ein. 2009/10 wird er mit Maberzells Zweiter Regionalliga-Meister – und steigt in die 2. Liga auf. Zum Sechser-Team gehören Qing Yu Meng, heutiger Trainer des Bundesliga-Teams, Hansi Fischer, der am 29. Januar dieses Jahres 60 wurde, oder auch der Pole Michael Dziubanski.

Ein weiterer Höhepunkt folgt wenig später. Torsten Mähner spielt Champions League. Erstmals in seinem Leben – und zum einzigen Mal. Mit in Maberzells Team: der schwedische „Tischtennis-Gott“ Jan-Ove Waldner, dessen gefühltes Denkmal noch heute existent ist in Fuldas Stadtteil („was für eine Aura der hatte. Was für eine Angabe und was für ein Händchen …“) – und Wang Xi. Gegner in der Wilmington Halle ist Levallois aus Frankreich. Mähner zieht gegen Igor Rubtsov mit 0:3 den Kürzeren, einer der Sätze ist beim 9:11 eng. Maberzell gewinnt dennoch mit 3:2; Doppel gibt es zu dieser Zeit noch nicht. Was einem gut tut und den Rücken hinunterläuft, daran erinnert man sich gerne. Auch Mähner tut das. „Waldner kam hinterher in die Kabine und sagte: Never change a winning team“. Auch wenn es Mähner „mit einem Augenzwinkern“ hinzufügt.

Einmal in der Champions League gegen Levallois in der Wilmington-Halle. Jan-Ove Waldner sagt nach dem 3:2: „Never change a winning team.“

Einmal durfte Torsten Mähner auch in der Bundesliga ran mit dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Das ist noch nicht so lange her. Im Dezember 2024 war das, beim 1:3 in Saarbrücken, „fast 1.000 Leute waren in der Halle“, nimmt der Fuldaer einen Rückgriff. Mit 1:3 unterliegt er Eduard Ionescu, 9:7 führt er im Zweiten. Fanbo Meng gewinnt an diesem Tag gegen Darko Jorgic – und heute scherzt Mähner: „Fanbo hat mir den Titel als bestes Eigengewächs der Region weggenommen…“ – um sich im Handumdrehen und beim Spazierengehen im Kopf selbst zu antworten: „Na ja, er hat etwas mehr Arbeit reingesteckt als ich.“

Womit wir beim anderen Thema sind. Torsten Mähner polarisiert etwas. Er ist ein Typ. Und das ist gut so. Er hat nie mehr aus sich und seinem Talent gemacht. „Die Zweite Liga war das Höchste, das ich je gespielt habe“, sagt er. „Es gab viele, die wollten, dass ich mehr trainiere“, erklärt er. „Ich hätte bestimmt mehr aus mir machen können. Bestimmt. Doch ich wollte den Schritt nicht weitergehen. In der U17 oder der U18 war ich immer noch die Nummer Vier oder Fünf in Deutschland.“

Auch privat setzt er Prioritäten. Andere als so manch anderer. Zu Beginn der soeben beendeten Saison, die im Meisterschaftsgewinn mit der Zweiten des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell gipfelte, gibt er dem Team und seinen Mitspielern mit: „Ich habe Frau, Kind und Familie. Und gerade ein Haus gebaut.“ Torsten Mähner ist keiner dieser Gleichgeschalteten. Dieser Standardisierten. Dieser Uniformierten. Er ist er. Unverwechselbar.

Wie lange er noch spielen werde und wolle, das weiß er nicht. Grundsätzlich sagt er, er könne sich ein Leben auch ohne Tischtennis vorstellen. Unter der Oberfläche aber hört sich das so an: „Ich gucke von Saison zu Saison. Diese hat sehr viel Spaß gemacht.“ Die zurückliegende Saison sei sehr gut gelaufen in der Vorrunde mit nur drei Minuspunkten, in der Rückrunde habe es „ein paar Aussetzer“ gegeben in dem Team mit sehr jungem Durchschnittsalter; „wir haben von der sehr starken Vorrunde profitiert“. Seine Einzel-Bilanz war zwar positiv, ist aber dennoch verbesserungswürdig, an der Seite des jungen Ben-Luca Köhler war sie im Doppel aber mit 10:4 sehr gut. Für die Talente Florian Hans und Köhler war es deren erstes Jahr in der Oberliga. Der Meister hatte „vier Mann“ – und Mähner sieht es als großen Vorteil an, „dass wir in 15 von 18 Spielen mit derselben Mannschaft spielen konnten“.

Die Etikette, die Florians Vater Michael Hans, verteilt, schmücken Torsten Mähner. Korrekt sei er, verbindlich, loyal, höflich und sehr kämpferisch – aber nicht mehr so ehrgeizig wie früher. Starke Worte. Und auch die Rolle, die er innerhalb der Zweiten einnimmt, verleiht seiner Persönlichkeit zusätzlich Wert. Er sei der Captain, der Anführer, der sagt, wo es lang geht, die Nummer Eins – an dem sich die Jüngeren, also Florian Hans und Köhler, orientieren. Alexey Tronin, die Nummer Zwei und Vierter im Bunde, geht als super netter Typ durch, als freundlich und offen. Und er weiß – wie auch Mähner – wie er mit Tischtennis-Nachwuchsspielern umzugehen hat und sie überdies zu besseren Spielern entwickeln kann.

Natürlich wagt Mähner einen Ausblick. „Nächste Saison wird für uns sehr schwierig. Es ist schon ein großer Schritt von der Oberliga zur Regionalliga.“ Das aber kennt man auch von anderen Sportarten. Bis er wieder seinen Ehrgeiz anzapft. „Wenn die Mannschaft so bleibt und wir verstärken uns gut, spiele ich auch vielleicht noch acht Jahre“. So tickt er halt. Er bleibt bei sich. Und er ist ein Typ. Wenn auch ein spezieller.

Es ist nicht schwer zu erraten, dass Torsten Mähner ein Wettkampf-Typ ist. Der Wettkampf reizt ihn. Er begrüßt es auch, dass die Nachwuchsarbeit beim TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell besser geworden ist – und breiter aufgestellt. Ob Torsten Mähner Trainer-Aufgaben übernehmen werde und sich dies vorstellen könne? „Nee. Ein Trainer-Typ bin ich nicht.“ Einige Ausschnitte und Erlebnis-Bilder seiner reichen Karriere fehlen noch. Etwa, als er 2014 aus gesundheitlichen Gründen zum TLV Eichenzell zurückkehrt. Für drei Jahre. Er wird mit dem Verein Meister der Bezirksoberliga, Zweiter der Verbandsliga – und steigt in die Hessenliga auf. Ehe es Mähner aus beruflichen Gründen ins Rhein-Main-Gebiet zieht. Zwei Jahre spielt er für die TG Obertshausen in Ober-und Regionalliga; heute nennt sich der Verein TG Hausen. Danach arbeitet er bereits. In dieser Zeit studiert er auch: Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt, das schließt er mit dem Bachelor ab. In Bayreuth legt er den Master in Sportökonomie hin.

Keine Frage, Tischtennis hat in seinem Leben eine besondere Rolle gespielt – und tut es nach wie vor. „Ab und zu kommentiere ich für Dyn“, bemerkt er. Jene Plattform, die Sportsendungen erlebbar macht – gegen Bezahlung. Der Sender ist regelmäßig in der Hubtex Arena vor Ort. Auch Maberzells lebende Tischtennis-Legende Arno Kosler und Marius Schad berichten. Mähners Augen leuchten ein wenig – oder ein wenig mehr – wenn er hinzufügt, „das macht mir Spaß“. Seine Tischtennis-Seele wird gestreichelt, wenn er spürt, „manche erkennen mich auch wieder“. Bergneustadts Top-Spieler Benedikt Duda etwa, der sich meldete: „Ah, Thorsten, wie geht es dir?“ Es gibt Sätze, die man nicht vergisst. „Der Dang Qiu hat mich auch erkannt.“ So viel scheint Torsten Mähner, der Typ, doch nicht falsch gemacht zu haben in seinem vorigen Tischtennis-Leben. Gegen Dang Qiu habe er 2007 einmal gespielt – und gewonnen. „Er war Elf. Ich 14.“

Gegen Benedikt Duda trat er mehrmals an früher, „gegen ihn habe ich vier- oder fünfmal gespielt. Ein- oder zweimal gewonnen, drei- oder viermal verloren.“ Auch gegen den erfahrenen Ricardo Walther, der nach wie vor in der Hubtex Arena aufkreuzt, trat Torsten Mähner an. Und seinen Ex-Maberzeller Mitspieler Patrick Franziska. Mit ihm gewann Mähner in seiner Jugend für Hessen den Deutschland-Pokal; aus dieser Zeit kennen sich Mähner und der aus dem Odenwald kommende Franziska – beide teilten sich bei Turnieren ein Zimmer. Werte und Szenen der Erinnerung, die Torsten Mähner niemand nehmen kann.

Am Morgen unseres Termins joggte Mähner ein wenig – um fit zu bleiben. Und er wäre nicht er selbst, wenn er den kleinen, aber feinen Bogen der Zukunft spannen würde. „Im September geht‘s weiter“, sagt er nüchtern. Seine Teamkollegen der Zweiten machen weiter in ihrem Programm, sein Mitspieler Alexey Tronin ist kompletter Tischtennis-Trainer. „Ich steige im Juli wieder ein“, bemerkt Mähner, „flexibel und individuell“. Ein Ziel setzt er sich durchaus. Wieder lässt er sich beim Spazierengehen im Kopf erwischen. „Wenn ich in der Regionalliga eine ausgeglichene Bilanz hätte, das wäre perfekt. Der Verantwortung bin ich mir schon bewusst.“ So ist er. Torsten Mähner – der Mensch. Der Spieler. Der Typ. +++ rl


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