Jesus kniet vor Petrus und wäscht ihm die Füße. Eine Szene, die irritiert und herausfordert. Bischof Dr. Michael Gerber deutet den Ritus der Fußwaschung im Gottesdienst am Gründonnerstag im Fuldaer Dom als Einladung, sich gerade an den verletzlichen Stellen des eigenen Lebens berühren zu lassen. Darin liege eine zentrale Haltung christlichen Glaubens und ein Auftrag für die Kirche heute, so Gerber.
Für Petrus ist es eine kaum zu ertragende Situation. Jesus kniet vor ihm und berührt seine Füße. Das passt nicht zu dem Bild, das Petrus von seinem Herrn hat. Widerstand regt sich. Und doch beginnt genau hier, so deutete es Gerber, der Weg Jesu in die Passion.
Verletzliche Stellen
In seiner Predigt lenkt Bischof Gerber den Blick auf die Füße als verletzliche Stellen des Menschen. Die Wege der Jünger hätten Spuren hinterlassen, Staub, Wunden, Verhärtungen. „Genau dort wird Petrus vom Herrn berührt. Er muss es nur zulassen“, sagt Gerber.
In diesem Bild liege eine existenzielle Herausforderung. Es gehe darum, dem Herrn gerade das hinzuhalten, was im eigenen Leben verwundet, verhärtet oder verborgen sei. „Wo bei mir gibt es den Teil, vielleicht längst vernarbt und verhärtet, der in dieser Nacht freigelegt und dem Herrn hingehalten werden soll?“, greift Gerber an diesem Abend im Fuldaer Dom die Frage aus dem Evangelium auf.
Berührung zulassen
Die Fußwaschung sei mehr als nur eine Geste. Sie führe in eine Haltung, die das christliche Leben prägt. „Jesus will mit meinen Wunden und Verhärtungen in Berührung kommen. Jesus will mir dadurch ermöglichen, dass ich selbst mit ihnen in Berührung komme“, betont Gerber. „Ich bin bleibend aufgefordert, ihm diese Stellen meiner Person immer wieder hinzuhalten, mich gerade da von ihm berühren zu lassen“, fügt er hinzu.
Diese Berührung bleibe nicht ohne Folgen. Sie ermögliche, sich selbst neu wahrzunehmen und anzunehmen. Der Bischof beschreibt dies als einen Weg, auf dem Menschen lernen, sich den eigenen Grenzen zu stellen und sie im Licht des Glaubens zu deuten. Zugleich verweist Gerber auf den Rahmen, in dem sich diese Szene vollzieht: im Kreis der Jünger. Dort habe sowohl die Irritation des Petrus als auch das Zeigen seiner verwundbaren Stelle ihren Platz. Darin liege ein Bild von Kirche, in der das, was Menschen mitbringen, Raum hat.
Auftrag für heute
Im Gottesdienst selbst wird diese Dimension sichtbar, als Vertreterinnen und Vertreter von Caritas, Maltesern und Kolping in den Ritus der Fußwaschung einbezogen werden. Sie stehen heute für den Dienst am Nächsten dort, wo Menschen an ihre Grenzen stoßen.
Für Bischof Gerber ist dies ein Hinweis auf den Sendungsauftrag der Kirche. „Wir alle müssen gerade in unseren Tagen durch unsere Zugewandtheit an einer Kultur arbeiten, die solch berührenden Momenten verpflichtet ist“, unterstreicht er.
Mahl und Gedächtnis
Die Feier vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag eröffnet die zentralen Tage des Osterfestkreises. Sie erinnert an das letzte Abendmahl Jesu und stellt mit der Fußwaschung ein Zeichen für den Dienst am Nächsten und die Haltung der Zugewandtheit in den Mittelpunkt.
Die musikalische Gestaltung übernahm der Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber. An der Orgel spielte Domorganist Max Deisenroth. Im Anschluss an die Eucharistiefeier zog eine Prozession mit dem Allerheiligsten zur Michaelskirche. Dort schloss sich eine kurze Andacht an, anschließend bestand bis 23 Uhr Gelegenheit zur stillen Anbetung. +++





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