Geld: Warum finanzielle Offenheit in Beziehungen oft ausbleibt

Geldboerse5

Über Gefühle wird gesprochen, über den Alltag sowieso – doch beim Thema Geld herrscht in vielen Partnerschaften nach wie vor auffällige Zurückhaltung. Eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox gemeinsam mit der Dating-App Parship zeigt: Mehr als ein Viertel der Deutschen hat in der vergangenen Beziehung keinerlei finanzielle Informationen mit dem Partner oder der Partnerin geteilt.

27 Prozent der Befragten geben an, weder über Einkommen noch über Vermögen oder Schulden gesprochen zu haben. Besonders ausgeprägt ist diese Zurückhaltung bei Frauen: Mit 30 Prozent bleibt hier fast jede Dritte in finanziellen Fragen komplett verschlossen, während es bei Männern 24 Prozent sind.

Für Melanie Ulbrich sind die Gründe vielschichtig. Unterschiedliche finanzielle Ausgangslagen könnten Hemmschwellen erzeugen. Wer mehr verdient, wolle womöglich keine Erwartungen wecken. Wer weniger hat, scheue den Vergleich. Offenheit, so Ulbrich, entstehe oft erst dann, wenn Geld nicht mehr als individuelles Thema, sondern als gemeinsame Verantwortung verstanden werde.

Am ehesten wird noch über das eigene Einkommen gesprochen. Doch selbst hier zeigt sich: Nur gut die Hälfte der Befragten (55 Prozent) teilt diese Information mit dem Partner oder der Partnerin. Zwischen Männern (56 Prozent) und Frauen (54 Prozent) bestehen dabei kaum Unterschiede. Deutlich seltener werden tiefere Einblicke gewährt. Über das Gesamtvermögen spricht lediglich rund ein Drittel (35 Prozent), über Schulden oder laufende Kredite nur 29 Prozent.

Das Tabu hat Tradition. „Über Geld spricht man nicht“ – dieser alte Leitsatz wirkt offenbar bis heute nach. Ulbrich sieht darin ein strukturelles Problem: Finanzielle Themen würden häufig erst dann konkret, wenn gemeinsame Verpflichtungen entstehen, etwa mit dem Zusammenziehen oder größeren Anschaffungen.

Besonders sensibel bleibt alles, was mit direktem Zugriff auf Geld zu tun hat. Nur 13 Prozent haben ihrem Partner oder ihrer Partnerin die PIN von EC- oder Kreditkarte anvertraut. Noch seltener – nämlich nur 9 Prozent – werden Online-Banking-Zugangsdaten geteilt. Männer zeigen sich hier geringfügig offener: 14 Prozent geben ihre Karten-PIN weiter, bei Frauen sind es 11 Prozent. Beim Online-Banking liegen die Werte bei 10 Prozent der Männer gegenüber 7 Prozent der Frauen.

Auffällig ist hingegen ein anderes Feld: Wenn es um Karrierepläne geht, sind Frauen gesprächiger. 35 Prozent sprechen über geplante Jobwechsel oder Gehaltsverhandlungen, bei Männern sind es 31 Prozent. Während also die Zukunft diskutiert wird, bleibt die Gegenwart der eigenen Finanzen oft im Dunkeln.

Für Ulbrich ist klar: Wer finanzielle Themen dauerhaft ausspart, riskiert Missverständnisse und unausgesprochene Erwartungen. Transparenz sei kein Zeichen von Misstrauen, sondern die Grundlage für eine Partnerschaft auf Augenhöhe – auch wenn der Weg dorthin für viele Paare offenbar noch ein weiter ist. +++ red.


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*