Die Genossenschaft Migros Zürich zieht sich aus dem deutschen Markt zurück und will sich künftig vollständig auf ihr Geschäft in der Schweiz konzentrieren. Im Zuge dieser strategischen Neuausrichtung hat die Genossenschaft einen Vertrag mit Edeka über die Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe unterzeichnet. Parallel dazu führt Migros Zürich nach eigenen Angaben fortgeschrittene Gespräche mit weiteren bekannten deutschen Marktteilnehmern. Ziel sei es, nachhaltige Lösungen für die Mitarbeitenden, die Kundschaft und die betroffenen Standorte zu finden.
Von der Entwicklung sind mehr als 7.400 Angestellte in rund 340 Filialen betroffen. Die Standorte befinden sich in mehreren Bundesländern. Die Entscheidung folgt auf eine umfassende strategische Neubewertung im Rahmen der Sanierung der Tegut-Gruppe. Zwar konnte das Unternehmen durch massive Kosteneinsparungen die operativen Verluste im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduzieren. Doch gleichzeitig verschärfte sich das Marktumfeld im deutschen Lebensmitteleinzelhandel weiter, was zu rückläufigen Umsätzen führte, heißt es in der Meldung.
Eine detaillierte Analyse der Situation habe gezeigt, dass Tegut unter diesen Bedingungen mit seiner spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig sei. Vor diesem Hintergrund begann die Migros Zürich Gespräche mit verschiedenen Wettbewerbern über die mögliche Übernahme einzelner Tegut-Standorte im Zuge der Sanierung. Zusammen mit den Ergebnissen der strategischen Marktanalyse führte dies schließlich zu der Entscheidung, sich vollständig aus Deutschland zurückzuziehen. Eine zwischenzeitlich geprüfte Option, Tegut als Ganzes an einen Händler zu verkaufen, der bislang nicht im deutschen Markt aktiv ist, erwies sich als nicht umsetzbar.
In den daraufhin vertieften Gesprächen mit etablierten Handelsketten aus Deutschland standen nach Angaben der Migros Zürich von Beginn an zwei Ziele im Mittelpunkt: möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern und die Filialen weiterzuführen. „Die Entscheidung, Tegut zu veräussern, ist uns äusserst schwergefallen. Das grosse Engagement der Kolleginnen und Kollegen in den herausfordernden vergangenen Monaten verdient meinen höchsten Respekt. Dennoch hat die Analyse eindeutig gezeigt, dass eine Gesamtveräusserung unter den aktuellen Marktbedingungen die beste langfristige Perspektive für alle Beteiligten bietet – insbesondere für die Mitarbeitenden aber auch für die Kundinnen und Kunden“, sagt Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Migros Zürich.
Mit Edeka ist inzwischen eine Einigung erzielt worden, ein entsprechender Vertrag wurde unterzeichnet. Er umfasst die Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe. Dazu zählen ein großer Teil des Filialportfolios mitsamt den Vertriebsmitarbeitenden, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei sowie die Smart Retail Solutions. Letztere betreibt die Teo-Standorte in Deutschland. Parallel dazu führt die Migros Zürich Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern, um möglichst für alle Standorte eine Perspektive zu finden.
Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Zudem steht die Übergabe der Filialen an Edeka sowie an weitere mögliche Käufer etwa REWE noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt. Die Behörde prüft die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion. Aufgrund der Vertraulichkeit der laufenden Gespräche könne derzeit keine weiteren Details zu einzelnen Filialstandorten oder möglichen weiteren Interessenten veröffentlicht werden, teilte die Migros Zürich mit. Die finanziellen Auswirkungen der Transaktion sollen im Jahresabschluss 2025 sichtbar werden, der am 24. März veröffentlicht werden soll. Die Gesamtabwicklung werde zu außerordentlichen Aufwänden führen, die das Ergebnis der Genossenschaft Migros Zürich und der gesamten Migros-Gruppe belasten werden.
Unterdessen haben der Fuldaer Landrat Bernd Woide und Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld auf die Entwicklungen reagiert. In einem gemeinsamen Statement erklärten sie, die Nachricht sei mit Blick auf die Tradition des Lebensmittelhändlers Tegut „bitter“. Das Unternehmen gehe auf den Gründer Theo Gutberlet zurück, der 1948 in Fulda den Grundstein gelegt habe. Daraus habe sich über Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte mit überregionaler Strahlkraft entwickelt. „Unsere Solidarität gilt nun allen Beschäftigten von tegut, die sich stark mit dem Unternehmen identifizieren. Wir setzen darauf, dass für sie mit einem neuen Eigentümer eine gute und zukunftsfähige Lösung gefunden wird“, erklärten Woide und Wingenfeld.
Zugleich äußerten sich beide vorsichtig optimistisch mit Blick auf den geplanten Einstieg von Edeka. Vorbehaltlich der kartellrechtlichen Prüfung könne die Übernahme durch einen starken Händler wie Edeka die Chance bieten, Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten und perspektivisch auch wieder zu expandieren. Stadt und Region Fulda hätten mit Edeka gute Erfahrungen gemacht. Es liege im vitalen Interesse von Stadt und Landkreis, dass das Filialnetz an Lebensmittelmärkten erhalten bleibe, betonten die beiden Kommunalpolitiker. Dieses erfülle gerade im ländlichen Raum eine wichtige Versorgungsfunktion für die Bevölkerung. Zugleich müsse vermieden werden, dass leerstehende Einzelhandelsflächen entstehen. „Die Stadt und die Region Fulda bieten beste Rahmenbedingungen für einen starken und verlässlichen Partner in der Lebensmittelbranche“, erklärten Woide und Wingenfeld. +++

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