Viele Autobesitzer in Deutschland zahlen erneut mehr für die Kfz-Versicherung

Auto ra0

Für Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland wird das eigene Fahrzeug immer mehr zur Kostenfalle: Die Preise für Kfz-Versicherungen steigen erneut spürbar an. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox zeigt, dass 82,6 Prozent der Autobesitzer von den jüngsten Preiserhöhungen betroffen sind. Besonders deutlich: 60,3 Prozent der Befragten erhielten eine höhere Rechnung als im Vorjahr. Weitere 22,3 Prozent zahlen zwar denselben Beitrag wie zuvor – doch auch das bedeutet de facto eine versteckte Preiserhöhung, da ihre Prämie aufgrund verbesserter Schadenfreiheitsklassen eigentlich hätte sinken müssen. Trotz wachsender Belastung akzeptiert die große Mehrheit der Versicherten die höheren Kosten.

Die jüngste Preisrunde trifft viele Autobesitzer damit direkt oder indirekt. In der Verivox-Umfrage berichten 60,3 Prozent, dass ihr Beitrag gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. 22,3 Prozent stellten zwar keine Veränderung fest, doch da in den vergangenen zwölf Monaten keiner der Befragten einen Schaden gemeldet hatte, wäre eine Beitragsminderung zu erwarten gewesen. Insgesamt sind somit 82,6 Prozent von den aktuellen Preissteigerungen betroffen. Lediglich bei 10,7 Prozent der Autobesitzer wurde der Beitrag günstiger.

Als Gründe nennen die Versicherer vor allem weiterhin steigende Kosten für Ersatzteile und Reparaturen. „Die Kfz-Versicherer beklagen die weiterhin steigenden Ersatzteil- und Reparaturkosten“, erklärt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Zugleich betont er, dass die jüngsten Preiserhöhungsrunden die Budgets der Autoversicherer entlastet hätten und viele Anbieter inzwischen wieder mit günstigeren Preisen um neue Kundinnen und Kunden konkurrierten.

Ein Blick auf die Entwicklung zeigt zudem eine leichte Entspannung im Vergleich zum Vorjahr: Im Januar 2025 hatten noch 65,6 Prozent der Autobesitzer angegeben, dass ihre Prämie in der vorherigen Abrechnungsperiode gestiegen sei – das waren 5,3 Prozentpunkte mehr als in diesem Jahr.

Besonders stark betroffen ist die Vollkaskoversicherung, die sich zunehmend als Sorgenkind der Branche erweist. In diesem Bereich setzten die Versicherer besonders häufig Preissteigerungen durch. So erhielten 65,2 Prozent der Vollkaskoversicherten mit ihrer letzten Beitragsrechnung eine Erhöhung, während für 19,8 Prozent der Beitrag unverändert blieb. Auch bei der Kfz-Haftpflicht mussten viele Versicherte tiefer in die Tasche greifen: 52,1 Prozent der Autobesitzer mit Haftpflichtversicherung berichten von gestiegenen Kosten, während bei 29,9 Prozent der Beitrag gleich blieb.

Die Gründe für die höheren Kosten in der Vollkasko liegen vor allem in der Beschaffenheit der versicherten Fahrzeuge. „Eine Vollkasko wird überwiegend für jüngere Fahrzeuge abgeschlossen. Ihr Restwert, den Versicherer bei einem Totalschaden auszahlen, ist somit hoch. Zudem sorgt die komplexere Elektronik für teurere Ersatzteil- und Reparaturkosten“, erläutert Aljoscha Ziller. Bei der Haftpflichtversicherung hingegen wirkt sich das hohe Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Deutschland dämpfend aus. Die Wahrscheinlichkeit sei größer, dass das Fahrzeug eines Geschädigten älter und deshalb günstiger zu reparieren sei.

Trotz steigender Kosten reagieren die meisten Versicherten jedoch nicht auf die Preiserhöhungen. Wie bereits in den vergangenen Jahren hat die überwiegende Mehrheit den höheren Beitrag einfach bezahlt. Laut Umfrage geben 78,2 Prozent an, die gestiegene Prämie akzeptiert zu haben. Im Jahr zuvor lag dieser Anteil bei 77,1 Prozent, 2024 bei 70,9 Prozent. Nur eine kleine Minderheit von 4,5 Prozent überprüft ihre tarifrelevanten Angaben oder passt diese an.

Ein möglicher Grund für diese Zurückhaltung ist fehlende Transparenz über die eigenen Verträge. Knapp ein Viertel der Befragten, nämlich 23,4 Prozent, weiß nach eigenen Angaben nicht, wann die Laufzeit ihrer Kfz-Versicherung endet.

Dabei sei gerade die jährliche Kündigungsfrist ein günstiger Zeitpunkt, die eigenen Kosten zu prüfen, so Ziller. Versicherte könnten dabei nicht nur Tarife vergleichen, sondern auch Vertragsangaben überprüfen und optimieren. Wie groß das Sparpotenzial sein kann, zeigt ein Beispiel: Allein durch die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung von 300 Euro in der Vollkasko beziehungsweise 150 Euro in der Teilkasko, eine jährliche Zahlweise und die Wahl einer Werkstattbindung spart ein 45-jähriger Golf-Fahrer aus Berlin rund 42 Prozent seiner Versicherungsbeiträge. +++


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