Ein Appell hallt durch Hessen: „Schluss mit den bürokratischen Schleifen!“ Der Hessische Städte- und Gemeindebund verlangt von der Landesregierung schnelle Änderungen der Gesetze, um den Mangel an Personal in Kitas zu bekämpfen; die Situation spitzt sich zu.
In Kitas fehlen überall Plätze – manche Einrichtungen verkürzen ihre Öffnungszeiten oder schließen sogar ganz. Der Grund liegt im Mangel an Personal, den die übertriebene Bürokratie noch verstärkt. Der Hessische Städte- und Gemeindebund hat deshalb einen dringenden Appell an die Landesregierung gerichtet. Matthias Baaß, Viernheims Bürgermeister und stellvertretender Präsident des Bundes, berichtet von endlosen Hürden bei bestehenden Regelungen. In seiner Stadt entstehen gerade viele zusätzliche Kita-Plätze. Eine Initiative zusammen mit den Trägern sucht nach neuem Personal – von Schülern bis zu Rückkehrern in den Beruf. Über 60 Interessierte meldeten sich bereits; sieben begannen eine Ausbildung, drei arbeiten schon direkt in den Kitas.
Aber bei vielen Bewerbern scheitert alles an der Anerkennung ihrer Abschlüsse oder an den Qualifizierungen. Die Projektleiterin Maria Lauxen-Ulbrich erzählt von einer syrischen Musiklehrerin, die sich seit 2018 durch den Behördendschungel kämpft. Sie spricht gut Deutsch und leistete in einer Kita hervorragende Arbeit. Trotzdem darf sie nicht einmal als Hilfskraft arbeiten – die Ämter schicken sie immer weiter. Eine Sonderregelung auf Landesebene half nichts; nun muss der Kreis entscheiden. Im Fall einer Zusage gilt diese nur für eine bestimmte Kita. Bei einem Wechsel fängt alles von vorne an. Bürgermeister Baaß fordert: „Vertraut den Kitas vor Ort! Niemand stellt dort untaugliches Personal ein. Wir brauchen keine dreifache Prüfung durch Behörden.“
Etwa 70 Kilometer im Norden von Viernheim ringt die Gemeinde Eppertshausen, die zum Rhein-Main-Gebiet gehört, mit vergleichbaren Schwierigkeiten. Vor allem die Kindertagespflege und ihre bürokratischen Anforderungen führen zu Auseinandersetzungen. Der Bürgermeister und erste HSGB-Vizepräsident Carsten Helfmann erzählt von einer ausgebildeten Erzieherin aus der Gemeinde; sie wollte während ihrer Elternzeit Kinder betreuen – die Behörde lehnte ab, weil sie trotz fünfjähriger Berufserziehung keinen 160-Stunden-Kurs vorweisen konnte. Ein anderer Fall veranschaulicht den Verwaltungsaufwand: Die Gemeinde stellt Räume für zwei Betreuungskräfte bereit – eine frühere Kitaleiterin, angestellt im Rathaus, sollte bei Krankheit einspringen und vorab Kontakt zu den Kindern aufbauen. Die Behörde verweigerte die Genehmigung; sie ignorierte dabei ihre Leitung von sechs Gruppen mit 125 Kindern und 27 Angestellten sowie ihren Hochschulabschluss – einzig wegen der fehlenden Tagespflegeausbildung.
Der Hessische Städte- und Gemeindebund fordert: Die Ausbildung in Kita-Berufen braucht weniger Hürden – Personalregeln müssen sich anpassen lassen. Bei neuen Mitarbeitern aus anderen Berufen reicht die Überprüfung durch den Träger; die Jugendämter müssen nicht nochmal kontrollieren. Träger sollten beim vorgeschriebenen Personal bis zur Hälfte Quereinsteiger nach §25b Abs 2 Nr 6 HKJGB mitrechnen dürfen. Die Vorgaben für Aus- und Weiterbildungen sollten mehr Spielraum bekommen. HSGB-Präsident Markus Röder, Bürgermeister in Hofbieber, betont: „Dem Land haben wir viele Vorschläge für mehr Flexibilität unterbreitet – jetzt erwarten wir ihre Umsetzung zur Verbesserung der Lage.“ +++

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