Ein besonderer Tag, ein festlicher Rahmen und viele stolze Gesichter: Wenn im Marmorsaal des Stadtschlosses die Einbürgerungsurkunden überreicht werden, ist spürbar, dass es sich um keinen alltäglichen Termin handelt. Viele der neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger hatten sich herausgeputzt, auch die Kinder trugen ihre schönsten Sachen – schließlich ging es um einen Moment, der für viele einen neuen Lebensabschnitt markiert. Ende Januar war es wieder so weit: Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann und Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld überreichten feierlich die Urkunden an 79 Menschen, die in den vergangenen Monaten das anspruchsvolle Einbürgerungsverfahren in der Stadt Fulda erfolgreich durchlaufen hatten. Die neuen deutschen Staatsbürger stammen aus insgesamt 26 verschiedenen Herkunftsländern, die größte Gruppe mit Wurzeln in Syrien (30 Personen), gefolgt von der Türkei und Somalia mit jeweils fünf Personen.
Bereits seit 1999 ist der Einbürgerungsempfang eine feste Institution in Fulda. Zwei- bis dreimal im Jahr feiert die Stadt dieses besondere Ereignis gemeinsam mit den Neubürgerinnen und Neubürgern. Zum festen Bestandteil der Feierstunde gehört auch, dass eine eingebürgerte Person stellvertretend für alle ihre persönliche Geschichte erzählt und ihre Beweggründe für die Einbürgerung schildert. Diesmal ergriff Anda Vasters das Wort, die in Südafrika geboren wurde und seit 14 Jahren in Deutschland lebt. In einer lebhaften, sehr persönlichen Ansprache, die mit afrikanischem Gesang und humorvollen Anekdoten angereichert war, nahm die Kinderärztin die Gäste mit auf ihren Lebensweg. Sie berichtete von ihrer Arbeit in einem Krankenhaus im Stadtteil Soweto bei Johannesburg, wo sie ihren deutschen Mann kennenlernte und mit ihm schließlich nach Deutschland kam.
Besonders bewegend schilderte Vasters ihre Erfahrungen mit der deutschen Nationalhymne. Erstmals habe sie diese während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 einstudiert, doch die Bedeutung der Worte – „mit so schweren Begriffen wie Einigkeit und Recht und Freiheit“ – habe sie erst viel später wirklich verstanden. „Jetzt bin ich stolz, dass ich auch verstehe, was ich da singe“, sagte sie. Das Ankommen in Deutschland sei für sie nicht immer leicht gewesen, erzählte Vasters weiter – angefangen bei der überwältigenden Auswahl an Brotsorten beim Bäcker bis hin zu sprachlichen Herausforderungen wie dem berühmten Zungenbrecher „Wörzbörg“. Gleichzeitig habe sie jedoch viel Unterstützung erfahren, nicht nur innerhalb ihrer Familie, sondern auch durch Freunde und Bekannte.
Mit Blick auf das Publikum erinnerte sie an den Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, der wie sie in Soweto gelebt hatte. Mandela habe sinngemäß gesagt, dass Freiheit nicht nur die Abwesenheit von Unterdrückung sei, sondern auch die Verantwortung bedeute, die Freiheit anderer zu respektieren und zu fördern. Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch ihre Rede.
Zuvor hatte Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann den Empfang als einen „besonderen Moment“ bezeichnet. „Heute sagen Sie Ja zu unserem Land und zu unseren Werten“, betonte sie. Mit der deutschen Staatsbürgerschaft gingen wichtige Rechte einher, etwa das Wahlrecht oder die Möglichkeit, sich ehrenamtlich als Schöffe oder Wahlhelfer zu engagieren. Gleichzeitig bedeute sie aber auch Pflichten und die Aufforderung, sich aktiv in demokratische Strukturen einzubringen – sei es im Elternbeirat der Schule, im Verein oder in einer politischen Partei.
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld hatte zu Beginn der Feierstunde die Gäste begrüßt und seine Hochachtung zum Ausdruck gebracht. „Sie haben bereits sehr viel geleistet auf dem Weg zur Erlangung der Staatsbürgerschaft“, sagte er. Er äußerte die Hoffnung, dass viele der Eingebürgerten, von denen einige aus Ländern ohne demokratische Tradition stammen, ihre Erfahrungen aktiv in die demokratische Gesellschaft in Deutschland einbringen. Gleichzeitig erinnerte der OB daran, dass Fulda schon immer von Einflüssen von außen profitiert habe – von der Klostergründung durch den englischen Mönch Winfried-Bonifatius über italienisch geprägte Barockbaumeister wie Andreas Gallasini bis hin zu Firmengründern nach dem Zweiten Weltkrieg mit Wurzeln im Osten. „Fulda ist international geprägt“, stellte Wingenfeld fest.
Sein besonderer Dank galt Anda Vasters für ihre eindrucksvolle Rede sowie dem Musikschul-Schüler Onrie-Ilay Bajrovic aus der Klavierklasse von Renate Hunold. Mit Werken von Clementi, Lecuona und Villa-Lobos verlieh er dem Empfang einen zusätzlichen festlichen Glanz und sorgte für einen würdigen musikalischen Rahmen dieses besonderen Tages. +++

Hinterlasse jetzt einen Kommentar