Am frühen Morgen hat in Deutschland der 64-stündige Streik der Lokführergewerkschaft GDL begonnen. Seit zwei Uhr sind alle Bahn-Mitarbeiter aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen um im laufenden Tarifpoker den Druck auf das Bahn-Management zu erhöhen, einzelne Regionalzüge rollten aber auch danach noch bis zu ihren Zielbahnhöfen.
Es wird erwartet, dass den Tag über dann die allermeisten Zugverbindungen ausfallen, erst am Freitagabend um 18 Uhr wollen die Lokführer wieder ihre Arbeit aufnehmen. Bis dahin gilt ein „Notfahrplan“, der aber nur ganz wenige Verbindungen vorsieht. Mehrere Versuche der Deutschen Bahn und der ebenfalls betroffenen Transdev, bis zur letzten Minute noch den Streik per Eilverordnung vor den Arbeitsgerichten zu stoppen, waren gescheitert. Die Lokführergewerkschaft fordert nicht nur mehr Geld, sondern gleichzeitig auch kürzere und flexiblere Arbeitszeiten. Erschwerend kommt vor allem am Mittwoch hin, dass parallel auch die Landwirte in Deutschland den Verkehr behindern wollen. Geplant sind unter anderem Blockaden von Autobahnen im ganzen Land. Die Bauern richten sich mit ihrem Protest gegen Steuererhöhungen und Subventionskürzungen durch die Ampel-Regierung.
Wissing fordert GDL und Bahn zu Rückkehr an Verhandlungstisch auf
Angesichts des Lokführerstreiks fordert Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) die Vertreter der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. „Es muss ein Weg gefunden werden, mit dem beide Seiten zurechtkommen“, sagte Wissing der „Bild“. „Dazu muss miteinander gesprochen werden. Ich fordere beide Seiten dringend auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, so der Verkehrsminister. In einer Demokratie müsse man „miteinander reden, Argumente austauschen und verhandeln, anstatt Menschen durch Stillstand zu blockieren“, so Wissing. „Die Tarifautonomie entbindet niemanden von dieser gesellschaftlichen Verantwortung.“
Wissler verteidigt GDL-Streik
Linken-Chefin Janine Wissler stellt sich hinter den Streik der Lokführergewerkschaft GDL. „Das Streikrecht ist ein hohes Gut“, sagte Wissler am Mittwoch den Sendern RTL und ntv. Die Bahn sei im vergangenen Jahr noch unpünktlicher geworden, trotzdem würden den Managern Boni ausgezahlt. „Und den Beschäftigten, denen verweigert man vernünftige Gehälter und denen verweigert man eine Arbeitszeitverkürzung.“ Sie könne deshalb den Unmut der Streikenden gut nachvollziehen, gerade angesichts der hohen Inflation. Die Linken-Chefin verteidigte zudem die Forderung der GDL nach einer Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 35 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich. Die Debatte um kürzere Arbeitszeiten sei über die Bahnbranche hinaus wichtig, so Wissler. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse gestärkt werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen nicht leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um gut zu leben.“ +++
