50 Euro fürs Alter? Opposition kritisiert Merz’ Spar-Appell

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Ein Satz, der als Ratschlag gemeint war, sorgt in Berlin für politischen Streit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat junge Menschen dazu aufgerufen, frühzeitig Geld für das Alter zurückzulegen – und damit umgehend Kritik aus der Opposition ausgelöst. Oppositionspolitiker werfen dem Kanzler vor, den Alltag vieler junger Menschen aus dem Blick zu verlieren. Aus ihrer Sicht greift der Hinweis auf private Vorsorge zu kurz, solange grundlegende Reformen im Rentensystem ausbleiben.

Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Andreas Audretsch, sagte der „Rheinischen Post“, private Altersvorsorge könne zwar eine sinnvolle Ergänzung sein. Voraussetzung dafür seien jedoch strukturelle Veränderungen. „Private Altersvorsorge kann eine sinnvolle Ergänzung sein, dazu braucht es aber grundlegende Reformen“, sagte Audretsch. Zugleich verwies er darauf, dass bereits kleine monatliche Beträge für viele Menschen schwer aufzubringen seien. „50 Euro monatlich ist für viele Menschen viel Geld. Merz‘ Aufforderung zum Sparen wäre glaubwürdiger, würde er dafür sorgen, dass das Geld tatsächlich in die Altersvorsorge fließt.“

Der Auslöser der Debatte ist eine Aussage des Kanzlers beim Wahlkampfabschluss der baden-württembergischen CDU in Ravensburg. Dort hatte Merz für mehr Eigeninitiative bei der Altersvorsorge geworben. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen früh genug beginnen, für ihr Alter auch zu sparen“, sagte er. Als Beispiel nannte er eine vergleichsweise kleine monatliche Summe: „Und wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen, dann haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie dann mit 65, 68 in den Ruhestand gehen.“

Auch aus der Linksfraktion kommt scharfe Kritik. Die rentenpolitische Sprecherin Sarah Vollath sieht in den Aussagen des Kanzlers ein Zeichen mangelnder Nähe zur Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen. „Jede Woche zeigt der Kanzler aufs Neue, dass er auch keinerlei Bezug zur Lebensrealität junger Menschen hat“, sagte sie. Für zahlreiche Menschen sei selbst ein solcher Betrag schwer aufzubringen: „Für Millionen von Menschen, gerade in jungen Jahren, sind 50 Euro aber wirklich viel Geld. Nicht wenige müssen sich von diesem Betrag eine Woche ernähren.“

Kritik kommt auch aus der AfD-Fraktion, allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Die rentenpolitische Sprecherin Ulrike Schielke-Ziesing wertete die Aussagen des Kanzlers als Zeichen politischer Ratlosigkeit. „Damit kapituliert Merz vor der Herausforderung, das System der Rentenversicherung zukunftsfest zu machen“, sagte sie. Zugleich sei der Appell zur privaten Vorsorge aus ihrer Sicht ein falsches Signal: „Und nicht nur das: Die Kampfansage an die Umlagefinanzierung ist ja auch ein Misstrauensvotum gegenüber der eigenen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik.“ +++


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