Feierlicher Gottesdienst an Ostermontag im Fuldaer Dom auswählen

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Weihbischof und Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez (hier auf einem Bild von 2024) betont am Ostermontag im Fuldaer Dom, dass Krisen und Enttäuschungen nicht das Ende bedeuten müssen. In der Emmausgeschichte wird für ihn sichtbar, wie aus Trauer neue Hoffnung wächst, getragen von der Zusage: „Christus lebt!“ Foto: Archiv Marzend Seidel

Im Fuldaer Dom liegt an diesem Ostermontag eine gespannte Ruhe in der Luft, wie sie nur große Feiertage hervorbringen: zwischen Weihrauch und Orgelklang, zwischen Erwartung und Nachhall der Karwoche. Weihbischof und Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez tritt ans Ambo und wählt Worte, die nicht beschwichtigen, sondern an den wunden Punkt führen. „Wir aber hatten gehofft“ – ein Satz, der hängen bleibt, weil er mehr ist als ein biblisches Zitat. Es ist eine Diagnose.

Die Emmausgeschichte, so deutet Diez, ist keine ferne Erzählung, sondern ein Spiegel menschlicher Erfahrung. Enttäuschte Hoffnungen, zerbrochene Erwartungen, der Moment, in dem sich Gewissheiten auflösen – all das verdichtet sich in den Worten der Jünger. Mit dem Tod Jesu sei für sie zunächst alles verloren gewesen, sagt der Weihbischof. Ein Satz wie ein Abbruch, ein Glaube erschüttert, eine Hoffnung verpufft.

Und doch verweilt die Predigt nicht in der Dunkelheit. Sie tastet sich voran, beinahe vorsichtig. Diez spricht von der Notwendigkeit, Trauer zuzulassen, ihr Raum zu geben. „Es ist heilsam, wenn man in der Traurigkeit reden kann. Man muss sich Zeit nehmen für die Traurigkeit.“ Es ist ein Satz, der nicht nach liturgischer Formel klingt, sondern nach Lebenserfahrung. Die Emmausjünger tun genau das: Sie sprechen, sie teilen, sie ringen – und genau darin beginnt bereits eine Bewegung.

Die Wende kommt leise, fast unspektakulär. Kein Donnerschlag, kein Triumph. Ein Fremder gesellt sich dazu, hört zu, geht mit. „Er geht auf ihrem Weg mit ihnen!“, betont Diez. Es ist diese Nähe, die etwas verändert. Nicht sofort, nicht vollständig – aber spürbar. Die Perspektive verschiebt sich, langsam, wie ein Licht, das in der Dämmerung stärker wird.

Erst beim Brechen des Brotes erkennen die Jünger den Auferstandenen. Ein Moment der Klarheit, der die vorherige Verzweiflung nicht auslöscht, aber überformt. „Christus lebt!“ – für den Weihbischof ist das kein bloßes Bekenntnis, sondern eine Zumutung gegen die Erfahrung von Sinnverlust. Eine Botschaft, die, so formuliert er, „alle Dunkelheit vertreibt“ und den Blick neu ausrichtet.

Die Emmausgeschichte wird so zur Folie für die Gegenwart. Krisen und Zweifel, sagt Diez, seien kein Endpunkt. Der Glaube könne gerade dort wachsen, wo er infrage gestellt wird. Die österliche Zusage bleibe: „Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen. Denn sie kommt vom Herrn, der den Tod überwunden hat.“ Es ist ein Satz, der weniger erklärt als behauptet – und gerade darin seine Kraft entfaltet.

Musikalisch getragen wird das Pontifikalamt vom Fuldaer Jugendkathedralchor, A- und B-Chor, unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber. An der Orgel sitzt Domorganist Max Deisenroth. Es ist ein Klang, der den Raum füllt, ohne ihn zu dominieren – feierlich, aber nicht pathetisch.

Nach dem Gottesdienst verlagert sich das Geschehen in den Domgarten. Die feierliche Ernsthaftigkeit weicht einem vertrauten Ritual: der Ostereiersuche für die jungen Sängerinnen und Sänger des Chores. Seit 28 Jahren gehört dieser Brauch zum festen Ablauf. Weihbischof Diez selbst gibt den Startschuss. Zwischen Sträuchern und Wegen wird gesucht, gelacht, gefunden.

Es sind diese Momente, die den großen Worten des Vormittags eine andere, leichtere Seite hinzufügen. Große Augen, kurze Glücksmomente, das Rascheln im Gras. Vielleicht ist es gerade diese Mischung – aus theologischer Tiefe und kindlicher Freude –, die Ostern im Fulda seinen eigenen Ton verleiht. +++

Stichwort Ostern
Ostern, das Hochfest der Auferstehung des Herrn, ist das zentrale Fest im liturgischen Kalender der katholischen Kirche. Es feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, die drei Tage nach seiner Kreuzigung am Karfreitag stattfand. Dieses Ereignis ist der Grundstein des christlichen Glaubens, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Beginn eines neuen, ewigen Lebens. Die Ostermesse ist ein feierlicher Gottesdienst, der mit der Kommunion und dem Ostersegen endet. Ostern ist eine Zeit der Freude und des Feierns, in der die Gläubigen die Hoffnung und das Versprechen der Auferstehung teilen.

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