27-jährige Teamplayerin meistert normalen Arbeitsalltag bei der Deutschen Palliativstiftung

„Der Rolli ist kein Thema mehr!“

Waldemar Dobrowksi (Vorsitzender der Geschäftsführung Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda), Elke Hohmann (Geschäftsführerin Deutsche PalliativStiftung), Monika Krebs (Arbeitsagentur Fulda) mit Karina Bott. Bild: BA-Fulda

Karina Bott hat einen Arbeitsplatz im 4. Stock, einen Hockeyschläger, mit dem sie für ihr Würzburger Team in der 2. Bundesliga spielt; die 27-Jährige hat einen Verlobten und einen Führerschein. Und: Sie hat einen Rollstuhl, der ihr zwar zur Fortbewegung dient, der aber nicht Mittelpunkt ihres Lebens ist. „Alles soll so normal wie möglich sein“, ist die Überzeugung der Hünfelderin, und diese lebt sie auch an ihrer Arbeitsstelle bei der Deutschen Palliativstiftung in Fulda. Seit fast zwei Jahren ist sie dort im Büro beschäftigt und verantwortlich für das gesamte Bestellwesen. Karina Bott ist eine von vielen Menschen mit Behinderung, denen die Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda hilft, beruflich Fuß zu fassen.

Oftmals braucht es gar nicht viel

Unter anderem ist die Agentur für die Führerscheinkosten aufgekommen, um die Mobilität der jungen Frau zu unterstützen. Darüber hinaus wurde die Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen in einem Berufsbildungswerk gefördert. „Oftmals braucht es gar nicht viel, um schwerbehinderten Menschen Zugang zur Arbeitswelt zu verschaffen. Unter Umständen reicht eine Einhandtastatur oder ein spezieller Bildschirm, um eine körperliche Beeinträchtigung auszugleichen“, erklärt Monika Krebs, die bei der Arbeitsagentur Fulda seit vielen Jahren Arbeitgeber und schwerbehinderte Arbeitnehmer zusammenbringt und hinsichtlich geeigneter Hilfestellungen berät. Das ist wichtig, denn Karina Bott hat die Erfahrung gemacht: Seitens der Betriebe bestehen immer noch Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung. Bevor die gelernte Kauffrau im Gesundheitswesen die Anstellung bei der Stiftung bekam, hatte sie 300 Bewerbungen verschickt. Und selbst nach positiv verlaufenen Vorstellungsgesprächen Absagen bekommen. Die Begründung: Man könne sich den Arbeitsalltag mit ihrem Rollstuhl nicht vorstellen. Selbst bei ihrem jetzigen Arbeitgeber bestanden anfangs Unsicherheiten, wie Geschäftsführerin Elke Hohmann zugibt. Innerhalb des zehnköpfigen Teams gab es Vorbehalte, über die gesprochen wurden, und die sich im Verlauf der Zeit als nichtig erwiesen. Aufgaben mussten Aufgaben anders verteilt werden, und alle zogen mit. Wie Elke Hohmann berichtet, ist „der Rolli kein Thema mehr“, aber die Kolleginnen und Kollegen empfinden es als sehr bereichernd, Einblicke in dieses Leben zu bekommen, das sich zwischen dem Sportplatz und dem Büro im vierten Stock abspielt. Ein Leben, das so normal ist wie möglich.

Dombrowksi: „Menschen mit Behinderung sind nicht weniger leistungsfähig als Menschen ohne Behinderung!“

Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, verweist auf die positiven Erfahrungen mit schwerbehinderten Menschen, die in aller Regel eine sehr hohe Motivation aufweisen. Im Jahresdurchschnitt der vergangenen zwei Jahre ging die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten um rund 19 Prozent zurück. Aktuell sind 320 Arbeitslose mit Handicap registriert, rund 4.300 schwerbehinderte Männer und Frauen sind in der Region sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Trotz der positiven Entwicklung sieht Agenturleiter Dombrowski weiteren Handlungsbedarf: „Wir finden heute mehr offene Türen als früher. Dennoch müssen wir Arbeitgeber und Arbeitnehmer weiter ermutigen, sich aufeinander einzulassen.“ Denn: Es lohnt sich! Menschen mit Behinderung sind nicht weniger leistungsfähig als Menschen ohne Behinderung. Sind sie richtig eingesetzt, können Betriebe auf sehr motivierte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauen.  Die Agentur für Arbeit unterstützt Betriebe und Verwaltungen bei der Suche nach Lösungswegen für die Beschäftigung von Menschen mit Handicap. Personalverantwortliche können sich beraten und gezielt potentielle Bewerberinnen und Bewerber für Arbeits- und Ausbildungsstellen vorschlagen lassen. Kontakt zum Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda: 0800 4 5555 20. +++ pm/ja

Print Friendly, PDF & Email
Die Marktgemeinde Hilders sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n
Leiter/in der Finanzabteilung (m/w/d)
Slider

Es gibt einige Regeln, die alle Diskussionsteilnehmer einhalten müssen. Wir bitten um Beachtung.

[Kommentarregeln hier klicken]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Demokratie braucht Teilhabe!