2. Kommunaler Trägerausschuss der RhönEnergie Fulda tagte

Fulda. Auch der zweite Kommunale Trägerausschuss der RhönEnergie Fulda stand ganz im Zeichen der grundlegenden Veränderungen durch die Energiewende in Deutschland – und der Frage, wie ein Lokalversorger heute erfolgreich und vorausschauend am Markt agieren kann. Die Geschäftsführer Günter Bury und Martin Heun berichteten den zahlreich erschienenen kommunalen Vertretern des Landkreises und der Stadt Fulda über die Fusion, die Aktivitäten des vergangenen Jahres und legten den Jahresabschluss vor.

Zwar war der Berichtszeitraum seit der letzten, konstituierenden Sitzung des Gremiums im Februar vergleichsweise kurz, trotzdem waren die vergangenen Monate ereignisreich: Neben Investitionen und Unternehmenskennzahlen standen der Gewinn von Konzessionen, Versorgungssicherheit, der Ausbau des Breitbandnetzes, die Abwicklung des Tochterunternehmens Terra Therm Erdwärme GmbH und das aktuelle Strommarktdesign und dessen Auswirkungen auf die Unternehmensbilanz auf dem Programm.

Im Jahresmittel 2013 arbeiteten 943 Menschen bei der RhönEnergie Fulda und ihren Tochterunternehmen, insgesamt beschäftige die Gruppe zudem 67 Auszubildende, wie der Sprecher der Geschäftsführung, Günter Bury, berichtete. Neben Bildung und Ausbildung wurden besonders viele Mittel in die sichere Versorgung investiert, nämlich 21,5 Millionen Euro in Sachanlagen und circa 10 Millionen Euro in die Erneuerung und den Ausbau des Strom- und Gasnetzes. Bei den entsprechenden Arbeiten wurden, so Bury, wenn möglich jeweils regional ansässige Unternehmen beauftragt, um die Wertschöpfung in der Region zu halten. Die Notwendigkeit zum Netzausbau war auch deswegen gegeben, da Ende 2013 sieben Kommunen in Bayern und Thüringen als konzessionierte Gemeinden neu an das Netz der RhönEnergie angeschlossen wurden. Damit vergrößerte sich das Netzgebiet zum 1. Januar 2014 auf 37 Kommunen mit insgesamt 260.000 Einwohnern, die sich auf die sichere Netzinfrastruktur verlassen.

Auch die Trinkwasserverteilung in Fulda wurde 2013 für insgesamt 2,4 Millionen Euro modernisiert und erweitert. Zu den Hauptmaßnahmen zählten die Rohwasserkammer des Wasserwerks in der Frankfurter Straße, eine dazugehörige 1,6 km lange Rohwasserleitung und innerstädtische Druckerhöhungsanlagen. Im Bereich Breitbandversorgung wurden rund zwei Millionen Euro in die Erschließung von über 300 Kabelverzweigern im Landkreis Fulda investiert. Ein weiteres, groß angelegtes Projekt war die energieeffiziente Ertüchtigung der Straßenbeleuchtung – hier wurden durch das Tochterunternehmen SynEnergie insgesamt mehr als 1.400 so genannte „Lichtpunkte“ in der Region modernisiert. Aus der Nahverkehrssparte berichtete Bury, dass die RhönEnergie Bus GmbH nach dem Gewinn der europaweiten Ausschreibung für die Stadtbuslinien in Bad Hersfeld und der Linie 320 Ludwigsau Ende 2013 nun den erfolgreichen Betrieb des Öffentlichen Personennahverkehrs in Bad Hersfeld fortsetzen kann. Für dieses Linienbündel wurden bereits neue Busse für insgesamt 3,5 Millionen Euro beschafft.

Windpark Borkum: Rendite bleibt positiv

Selbstverständlich waren auch die Kraftwerksbeteiligungen der RhönEnergie Fulda und die Mehrbelastungen durch die dazu gehörigen Strombezugsverträge Thema auf der Veranstaltung. Hier referierte Bury über die bereits oft diskutierte, 2013 erneut aufgestockte Risikovorsorge der RhönEnergie in Form einer „Drohverlustrückstellung“ in Höhe von insgesamt 55,4 Millionen Euro. „Die Richtigkeit der Bewertung der Strombezugsverträge wurde noch einmal durch einen unabhängigen, wissenschaftlichen Sachverständigen, Professor Harald Kessel von der Universität Freiburg, bestätigt“, betonte Bury.

Auch der Hochseewindpark vor Borkum und dessen Rendite für die RhönEnergie Fulda wurden dem Ausschuss dargelegt: „Die Rendite für den Beteiligungsbuchwert in Höhe von 18,3 Millionen Euro ist hier nach wie vor positiv, jedoch nicht mehr so hoch wie vor vier Jahren prognostiziert. Für die Werthaltigkeit des Projekts ist aber immer die Gesamtrendite maßgeblich, also unter Einbeziehung der ausgezahlten Gesellschafterdarlehen. Diese wurde von den Wirtschaftsprüfern geprüft und uneingeschränkt bestätigt. Durch die Verzinsung des Gesellschafterdarlehens erhöht sich die Gesamtrendite für die RhönEnergie Fulda unterm Strich auf etwa fünf Prozent“, so Bury.

Volatiler Markt erfordert Flexibilität

Geschäftsführer Martin Heun legte den Ausschussmitgliedern mit dem Geschäftsbericht auch den Jahresabschluss vor. Für 2013 kann die RhönEnergie Fulda-Gruppe einen Umsatz von über 641 Millionen Euro ausweisen, wobei 502 Millionen durch die RhönEnergie Fulda als Konzernmutter erwirtschaftet wurden. Insgesamt wurde eine Dividende in Höhe von 14.389.000 Euro anteilsmäßig an die Gesellschafter ausgeschüttet.

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens, so Heun, sei natürlich von der Entwicklung auf dem Energiemarkt und vor allem von der Neugestaltung der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig. Der Wettbewerb bei Strom und Gas nehme weiter zu, aber die auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichtete Vertriebsorganisation der RhönEnergie Fulda könne gut dagegen halten: „Die Kundenneugewinnung liegt deutlich über den Planungen.“ Durch die sehr guten Ergebnisse im Gasgeschäft 2013 mit einem Umsatzplus von über 30 Prozent sei man zudem auf einem guten Weg, das Kerngeschäft des Versorgers weiter auszubauen. In punkto Kundenzufriedenheit stehe das Unternehmen sehr gut da: „Wir haben uns einem Audit des TÜV Süd gestellt. Dort wurde bestätigt, dass wir zu den kundenorientiertesten Versorgern in Deutschland gehören. Wir dürfen uns daher mit der Plakette des TÜV Süd schmücken.“

Heun betonte jedoch, die erwarteten Korrekturen in der Energiepolitik auf bundesdeutscher und europäischer Ebene hätten bislang noch nicht die Hoffnung genährt, dass „wieder ein Marktumfeld geschaffen werden kann, das Versorgern mehr Planungssicherheit bietet“. Diese Unsicherheit werde auch in den kommenden Jahren bleiben „und wir werden unsere Strategien flexibel diesen Marktentwicklungen anpassen müssen.“

Einigung bei Interessensausgleich ist positives Signal

Auch zum Stand des Fusionsprozesses erhielten die Ausschussmitglieder Informationen: „Durch die Unterzeichnung der Vereinbarung zum Arbeitnehmer-Interessensausgleich bei der RhönEnergie Fulda sowie der Netzgesellschaft Osthessennetz GmbH sind wir zu einem sehr guten Abschluss gekommen“, freute sich Bury. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter konnten sich in den vergangenen Wochen zunächst auf die notwendigen Rahmenbedingungen, danach auf einen Eckpunkteplan und den abzuschließenden Vertrag einigen. „Wir sind ohne eine gerichtliche Einigungsstelle oder ein Verfahren ausgekommen, das stimmt mich sehr froh und zeigt die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit unserem Betriebsrat“, unterstrich Heun. Nun sei der Weg endgültig frei, die bisherigen Teilbetriebe planmäßig zum 1. Oktober 2014 auch strukturell zu integrieren. Das ist die offizielle Pressemitteilung, die wir ihnen nicht vorenthalten wollen, weiterer Bericht folgt. +++ fuldainfo

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