Wingenfeld: „Gesundheit ist eine weitere Wachstumschance für unsere Region“

Fulda. Dass das Thema Gesundheit echte Perspektiven für die Stadt Fulda bietet, davon ist Oberbürgermeister-Kandidat Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) überzeugt. Welche Chancen und Herausforderungen im Gesundheitsbereich liegen, darüber wurde am Freitagabend bei einem Gesundheitspolitischen Forum, zu dem der OB-Kandidat Haus- und Fachärzte, Wissenschaftler sowie politische Entscheidungsträger in das ITZ Fulda eingeladen hatte, diskutiert.

Die Expertenrunde war mit dem Bundestagsabgeordneten Jens Spahn, der seit 2009 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion ist, dem Fuldaer Internisten Dr. Jörg Simon, der Wissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Kreipl, die am Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Fulda lehrt, sowie mit OB-Kandidat Dr. Heiko Wingenfeld hochkarätig besetzt. Die gesundheitspolitischen Entwicklungen und Aufgabenstellungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene standen im Mittelpunkt der Diskussion, die von Allgemeinmediziner Ralph Hönscher moderiert wurde.

MdB Jens Spahn hatte zunächst die wichtigsten gesundheitspolitischen Aspekte aus „Berliner Sicht“ skizziert. Ein Aspekt sei das wirtschaftliche Potenzial von Gesundheit, ein weiterer Aspekt die langfristige Sicherstellung einer guten und flächendeckenden medizinischen Versorgung, zu der in Deutschland jeder – unabhängig von Alter und Status – Zugang habe. Um diesem Standard weiterhin gerecht werden zu können, sei es notwendig, Themen wie den Zugang zum Medizinstudium, Praktika für Medizinstudenten auf dem Land und in kleineren Städten sowie attraktive Arbeitsbedingungen für Ärzte im ländlichen Raum anzupacken.

„Man muss Klebeeffekte schaffen. Die Mediziner müssen erleben, wie es ist, Hausarzt oder Facharzt im ländlichen Raum zu sein“, unterstrich der Bundestagsabgeordnete, für den Gesundheitspolitik auch Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik ist. „Fachkräfte kommen und bleiben nur dann in einer ländlichen Region, wenn die gesundheitliche Versorgung gut ist“, so der 34-Jährige, der in diesem Zusammenhang auch Finanzierungsfragen beleuchtete.

Dass es angesichts der vielfältigen Herausforderungen im Gesundheitswesen sinnvoller ist, zu kooperieren als zu konkurrieren, machte Dr. Jörg Simon, einer der Gründer des Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) und Vorstandsvorsitzender des Ärztenetzes Hessenmed, deutlich. Simon berichtete über die Ärztenetzbewegung in der Region Fulda bzw. Osthessen, über die gemeinsam erreichten Meilensteine im Bereich Prävention oder Notdienstregelung. An Bundes- und Kommunalpolitik richtete er den Appell, sich für eine sektorenübergreifende Versorgung stark zu machen, das Potenzial der arbeitswilligen ärztlichen Kollegen jenseits des Pensionierungsalters zu nutzen, Prävention stärker in den Fokus zu nehmen und die Fuldaer Ärzte noch mehr als Gesprächspartner der Politik wahrzunehmen.

Prof. Dr. Claudia Kreipl brachte die betriebswirtschaftliche Sicht in die gesundheitspolitische Diskussion ein. „Gesundheitswirtschaft heißt, unternehmerisch zu handeln und dabei nicht die soziale Verantwortung aus dem Blick zu verlieren“, betonte Kreipl. Dafür brauche es nicht nur die permanente Kommunikation auf allen Ebenen, sondern auch ein kontinuierliches Hinterfragen von Strukturen, Prozessen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Zudem müsse auch der zweite Gesundheitsmarkt – der Bereiche wie Wellness, Bewegung, Ernährungsberatung oder Entspannung umfasse – in die Planungen einbezogen werden.

Wie die vielfältigen Aufgaben im Gesundheitsbereich im Rahmen der Kommunalpolitik begleitet und unterstützt werden können, machte OB-Kandidat Dr. Heiko Wingenfeld deutlich. „Stadt und Landkreis Fulda müssen sich als Region aufstellen und gemeinsam noch mehr Verantwortung übernehmen. Für die Stadtentwicklung muss es uns ein Anliegen sein, dass die Haus- und Fachärzte möglichst in der Stadt bleiben. Und auch wenn es eine große Herausforderung ist, ist es mir ein großes Anliegen, die kommunale Trägerschaft des Klinikum zu bewahren.“

Der OB-Kandidat sieht eine politische Aufgabe nicht nur in der Gewinnung des ärztlichen Nachwuchses, sondern auch in der Pflege, Altenhilfe und bei den Apotheken gebe es einen großen Bedarf. „Es gibt schon einige Projekte und Ideen, wie wir den Nachwuchs in die Region holen oder wieder zurückholen können. Wir müssen uns langfristige Ziele setzen und mit Kontinuität und Beharrlichkeit dabei bleiben. Das kann nur gut gelingen, wenn wir unsere Netzwerke hier nutzen und entsprechende Akzente setzen. Ich bin davon überzeugt, dass Gesundheit eine weitere Wachstumschance für unsere Region und ein echter Faktor für Lebensqualität ist“, erklärte Dr. Wingenfeld, bevor die Gäste die Chance nutzten, Fragen an die Experten zu richten und Botschaften an die Politik zu formulieren. +++ fuldainfo