Wieso werden die Besonderheiten von Südthüringen nicht offen beworben?

Verein Henneberg-Itzgrund-Franken e.V. bemängelt uneinheitliche Strukturen

Das heutige Südthüringen, gemeint ist der südlich des Rennsteigs gelegene Bereich des heutigen Bundeslandes Thüringen, weist eine große Besonderheit auf: Das ist die kulturelle fränkische Prägung, die Zugehörigkeit zur Kulturregion Franken, welche darauf zurückzuführen ist, dass dieser Bereich des heutigen Bundeslandes nicht Teil des historischen Thüringen ist. Der Kernsiedlungsbereich der Thüringer, wie ihn auch das Museum für die Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar ausweist, lag vollständig nördlich des Rennsteigs. Nur der Bereich um die Städte Bad Salzungen und Bad Liebenstein gehörte im Frühmittelalter zum Herzogtum Thüringen. Nur die ursprüngliche Stadt Schmalkalden und Brotterode gehörten zur Landgrafschaft Thüringen des Hochmittelalters. Die kulturelle Prägung des heutigen Südthüringen ist auf die von Süden her bis an den Rennsteig stattgefundene Fränkische Ostkolonisation des Mittelalters und die teilweise mehr als 1.200 Jahre lang gegebene Zugehörigkeit der Region zum Kloster und der Abtei Fulda, zum Bistum Würzburg, zu den Herzogtümern Franken und Ostfranken und später zur fränkischen Grafschaft Henneberg und damit von etwa zwei Drittel der Region zum Fränkischen Reichskreis zurückzuführen. All das komme laut Martin Truckenbrodt, Vorsitzender des Vereins Henneberg-Itzgrund-Franken e.V., dieses Jahr beim ersten länderübergreifenden Tag der Franken in Sonneberg und Neustadt bei Coburg zum Tragen und zur Geltung.

„Warum setzen die jüngst bekanntgewordenen Wirtschaftsinitiativen des Landes Thüringen, der IHK Südthüringen und des Forums Thüringer Wald nicht auch genau auf diese Besonderheiten? Warum bewirbt man nicht offen und direkt das fränkische Thüringen oder das thüringische Franken?“, stellt Truckenbrodt in den Raum. Die sehr angespannte Situation am Arbeitsmarkt sei in erster Linie auf das immer noch sehr deutliche Lohngefälle zwischen einerseits Bayern und Hessen und andererseits Thüringen zurück zu führen. Allein dieser Umstand wäre ein guter Grund dafür, dass zumindest die Landkreise Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen und die Stadt Suhl ebenfalls dem Europäischen Wirtschaftsraum der Metropolregion Nürnberg beitreten. Im Landkreis Sonneberg ist man diesen Schritt schon vor Jahren, unter lautstarkem Protest seitens des Thüringer Wirtschaftsministeriums und der IHK Südthüringen, gegangen. Der Landkreis Sonneberg und damit auch der Freistaat Thüringen profitieren allerdings sehr deutlich von dieser Maßnahme. Erst in jüngster Zeit wurde dieser abermals von der IHK und dem Wirtschaftsministerium für seine starke Wirtschaftskraft gelobt. Nun soll unter Mitwirkung auch des Landes Thüringern die Region Sonneberg-Coburg zur Wasserstoff-Modellregion ausgebaut werden. Die Tourismusregion Coburg.Rennsteig im Tourismusverband Franken hat mittlerweile den Produktivbetrieb aufgenommen und die Übernachtungszahlen steigen, wovon ebenfalls die Wirtschaftskraft Thüringens profitiert. Warum gründet man nicht auch im Henneberger Land, sprich im Mittleren und Oberen Werratal, eine gleichnamige Tourismusregion im Tourismusverband Franken? Was spricht dagegen, diesen Schritt zu gehen? Seit seiner Gründung im Jahr 2013 versucht der überparteiliche Verein immer wieder diese Fragen in die öffentliche Diskussion einzubringen.

Ein Problem sieht man dort in den aktuell uneinheitlichen Strukturen. Den Ilm-Kreis solle man der IHK Erfurt zuordnen, wodurch dann das Erfurter Kreuz in der Zuständigkeit nur noch einer IHK wäre. Dafür solle dann der Wartburgkreis der IHK Südthüringen zugeordnet werden. Beim jüngst vom Forum Thüringer Wald vorgestellten Integralen Regionalwirtschaftlichen Entwicklungskonzept geht man nun ansatzweise in diese Richtung. „Auch wenn aus unserer Sicht die Auflösung des Wartburgkreises und eine Zuordnung des ehemaligen Kreises Eisenach zu Mittelthüringen samt dessen Verbleib bei der IHK Erfurt sinnvoller wäre, findet die Einbindung des Wartburgkreises in diese Maßnahme dennoch unsere Zustimmung.“, stellt Truckenbrodt klar. Der Tourismus in den Naturparks der Rennsteigregion, die Thüringen und Franken kulturell und historisch verbindet, stelle die einzige entscheidende wirtschaftliche Verbindung zwischen mehreren Regionen Thüringens und, bezüglich des Frankenwalds, auch Bayerns dar. „Solange man dieser Wander- und Wintersportregion nicht einen eigenständigen Vertrieb samt Marketing ähnlich wie in der Rhön zugesteht, wird sich dort jedoch nichts vorwärts bewegen. Die Thüringer Tourismus GmbH hat erst kürzlich wieder durchblicken lassen, dass sie den Tourismus im Thüringer Wald für sich eher als Beiwerk betrachtet“, schließt Truckenbrodt ab. +++

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