Verdi weitet Poststreik in Hessen deutlich aus

Frankfurt am Main. Am heutigen Mittwoch beginnt die 12. Woche im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post AG. „Von Seiten des Arbeitgebers liegt kein neues Angebot vor. Der Arbeitgeber überrascht lediglich mit ausufernder Sonntagsarbeit und neuen Zustellformen. Deshalb ist die weitere Ausdehnung des Arbeitskampfes nötig, damit beim Arbeitgeber ein Denkprozess in Bewegung kommt,“ so Detlev Borowsky von Verdi Hessen.

In den frühen Morgenstunden sind die Beschäftigten der Internationalen Post am Frankfurter Flughafen und in Niederaula in den Streik getreten. Damit ist das Tor zur Welt für Briefe und Pakete weitestgehend geschlossen. Der größte Teil des internationalen Postversandes der Deutschen Post AG findet über diese beiden Standorte statt. Ferner wurden die Briefzustellungen in Fuldatal, Habichtswald und Vöhl zum Streik aufgerufen. Die Anzahl der in Hessen streikenden Postbeschäftigten erhöht sich somit um 500 auf 2.700 Streikende in Hessen.

Auslöser des schweren Tarifkonfliktes bei der Deutschen Post AG ist der Bruch des Vertrages zum Schutz vor Outsourcing durch den Aufbau von 49 Regionalgesellschaften für die Zustellung. Um diesen Vertragsbruch zu kompensieren, hatte Verdi zum 1. April 2015 die Tarifbestimmungen zur Arbeitszeit gekündigt und eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich gefordert. In der sechsten Verhandlungsrunde vom 2. Juni hatte Verdi dann mit einem umfassenden Angebot versucht, die Post von einer einvernehmlichen Lösung zu überzeugen und vom Konfliktkurs gegen die Beschäftigten abzubringen.

Das Gesamtpaket sah unter anderem eine Rückführung der 49 Regionalgesellschaften (DHL Delivery GmbHs) in den Haustarifvertrag der Deutschen Post AG vor, eine Verlängerung der Schutzregelungen zu Kündigungen und Outsourcing, den Verzicht auf eine lineare Einkommenserhöhung in diesem Jahr und eine strukturelle Veränderung der bestehenden Entgelttabelle für alle neu eingestellten Beschäftigten, wonach diese künftig nicht mehr nach zwei, sondern erst nach drei Jahren in die jeweils nächsthöhere Erfahrungsstufe aufsteigen würden. Die Deutsche Post AG hatte dieses Angebot nicht angenommen. Für diesen Fall hatte die zuständige Verdi-Konzerntarifkommission Anfang Juni das Scheitern der Verhandlungen erklärt. +++ fuldainfo