Umfrage: Nur noch 25 Prozent vertrauen der Impfpolitik

FDP-Hessen: Impfkampagne ist mangelhaft organisiert

Ein großer Teil der Deutschen hat offenbar das Vertrauen in die Impfpolitik der Bundesregierung verloren. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für die „Bild“ sagen nur noch 25 Prozent der Bürger, dass sie der Impfstrategie der Bundesregierung vertrauen. Lediglich 21 Prozent glauben, dass die Bundesregierung ihr Versprechen halten kann, bis zum Ende des Sommers jeden Erwachsenen gegen Corona impfen zu können. Auch das Vertrauen der Menschen in den Impfstoff von Astrazeneca ist gering. 35 Prozent vertrauen dem Wirkstoff inzwischen nicht mehr, 26 Prozent sagen, sie vertrauten ihm nie. Während sich 28 Prozent der Befragten mit dem Mittel von Astrazeneca impfen lassen würden, geben 40 Prozent an, dass sie sich zwar mit einem anderen Impfstoff impfen lassen würden, jedoch ausdrücklich nicht mit Astrazeneca. 23 Prozent würden sich laut Umfrage generell nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Auch 43 Prozent der ab 60-Jährigen würden sich nicht mit Astrazeneca impfen lassen. Seit Mittwoch sollen in Deutschland aber nur noch Menschen, die älter als 60 sind, regulär mit Astrazeneca geimpft werden. 68 Prozent der Befragten fänden es der Erhebung zufolge gut, wenn sich Politiker ab 60 Jahren, die noch nicht gegen Corona geimpft sind, mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen würden, um eine Vorbildwirkung zu haben.

KBV: Hausärzte-Impfstart mit Astrazeneca-Beschluss nicht gefährdet

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sieht den Impfstart bei den Hausärzten durch die Astrazeneca-Beschränkung nicht gefährdet. „Und zwar deshalb nicht, weil der Impfstart in den Arztpraxen zunächst nur mit dem Impfstoff von Biontech und nicht mit Astrazeneca beginnen wird“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Das war von vornherein so geplant.“ Der Astrazeneca-Impfstoff werde nach dieser Entscheidung „nun vorwiegend in den Impfzentren zum Einsatz kommen, während in den Praxen eher Biontech, und bald auch Johnson & Johnson eingesetzt werden“, sagte Gassen. Er forderte für die Arztpraxen künftig einen höheren Biontech-Anteil bei der Verteilung der Impfstoffe. „Wenn wir in den Arztpraxen ab sofort in steigenden Mengen impfen wollen, brauchen die niedergelassenen Ärzte vor allem Biontech“, sagte der Mediziner. Trotz der Astrazeneca-Entscheidung hält der KBV-Chef das Versprechen der Bundesregierung, bis zum Ende des Sommers jedem Bundesbürger ein Impfangebot zu machen, noch für einhaltbar. „Ja, ich glaube, das Versprechen des Impfangebots für jeden Bürger bis Ende des Sommers ist trotz des vorsorglichen Astrazeneca-Stopps noch haltbar“, sagte Gassen. „Wenn die Impfzentren ihre Zahl von wöchentlich 2,2 Millionen Impfungen erreichen, die Arztpraxen jetzt starten und die Betriebsärzte helfen, dann glaube ich, dass wir das als gemeinschaftliche Anstrengung noch hinbekommen“, so der KBV-Vorsitzende.

FDP-Hessen: Impfkampagne ist mangelhaft organisiert

„Das Hin und Her um die Nutzung des Astra-Zeneca-Impfstoffes kann das eigentliche Problem der Impfungen gegen das Corona-Virus in Hessen nicht überdecken: Die Impfkampagne ist mangelhaft organisiert und kommt deshalb nur schleppend voran“, kritisiert Yanki Pürsüm, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag, nach der heutigen Pressekonferenz der Landesregierung. „Wie gestern bekannt wurde, warten noch immer 650.000 registrierte Impfwillige auf einen Termin. Das ist erschreckend. Wenn man bedenkt, dass schon das erste Quartal dieses Jahres rum ist und sich bislang erst Menschen der Priorisierungsgruppen eins und zwei registrieren konnten, stellt sich die Frage, wie lange sich die Impfkampagne noch hinziehen und die Geduld der Impfberechtigten auf eine harte Probe gestellt wird. Dabei wird immer deutlicher, dass außer engmaschigem Testen und Hygienemaßnahmen nur konsequentes Impfen hilft, um das Virus zu besiegen. Bundes- und Landesregierung müssen sich vordringlich darum kümmern, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, die Impfzentren endlich in Vollauslastung laufen und auch Haus- sowie Betriebsärzte endlich impfen können.“

Ärztepräsident will Info-Offensive zu Astrazeneca-Entscheidung

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat eine Informationsoffensive zur Astrazeneca-Entscheidung gefordert. Bei der „relativen Häufung von Sinusvenenthrombosen bei jüngeren Frauen“ nach der Impfung sei es eine „sinnvolle Vorsichtsmaßnahme“, das Mittel nur noch Menschen ab 60 Jahren uneingeschränkt zu impfen, sagte er der „Rheinischen Post“. Daten aus Deutschland und anderen Ländern zeigten, dass in dieser Bevölkerungsgruppe kaum schwere Nebenwirkungen aufgetreten seien. „Trotzdem muss man konstatieren, dass das Hin und Her der letzten Wochen natürlich zu Verunsicherung der Menschen beigetragen hat. Umso wichtiger ist es, die Hintergründe der Entscheidung verständlich zu erläutern und die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse einzuordnen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer. „Eine solche Informationsoffensive wäre eine sinnvolle Aufgabe für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“, schlug Reinhardt vor. Zusätzlich müssten jetzt schnell die Impfungen bei niedergelassenen Haus- und Fachärzten starten. Das würde nicht nur das Impftempo beschleunigen. Die niedergelassenen Ärzte seien die ersten Ansprechpartner für ihre Patienten in allen Gesundheitsfragen. „Sie können am besten über den großen Nutzen und mögliche Risiken der Impfungen aufklären und mit dazu beitragen, verloren gegangenes Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen“, sagte Reinhardt.

GEW will Rückkehr zur Notbetreuung bis Impfung des Kita-Personals

Nach der Änderung der Impfempfehlung für Astrazeneca fordert die Bildungsgewerkschaft GEW eine Rückkehr zur Notbetreuung in Kitas, bis das dortige Personal geimpft ist. „Nach Ostern müssen wir zurück zu einer echten Notbetreuung in den Kitas, bis die Kolleginnen und Kollegen geimpft sind“, sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Es ist nicht zu verstehen, warum die Länder hier nicht handeln.“ Erzieher sind aktuell in der Prioritätsgruppe 2 eingestuft. Viele von ihnen sollten ursprünglich mit Astrazeneca geimpft werden. Tepe zeigte sich besorgt, dass verzögerte Impfungen bei steigenden Infektionszahlen in Kitas das Personal gefährden könnten: „Kitas haben gar keine Osterferien, und dort steigen die Infektionen schnell“, sagte sie. „71 Prozent der Kinder sind mittlerweile zurück in den Kitas, von Notbetreuung kann man da nicht mehr reden.“ Nachdem bekannt sei, dass Kinder von der neuen Mut ante stärker betroffen sind, müsse deshalb in Kitas die Notbremse gezogen werden.

Krankenhausgesellschaft sieht keinen Engpass in Kliniken

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat scharfe Kritik an dem Streit zwischen Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie geäußert. „Die derzeitige politische Kommunikation sorgt weder für Glaubwürdigkeit noch für Vertrauen in der Öffentlichkeit“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der „Rheinischen Post“. „Wenn der eine Ministerpräsident vor Inzidenzraten von 700 warnt und der andere sein gesamtes Bundesland zum Modellversuch erklärt, ist das aus meiner Sicht das genaue Gegenteil dessen, was die Bürgerinnen und Bürger von der Politik erwarten dürfen.“ Es fehle seit langem an einer gemeinsamen Strategie und Kommunikation, kritisierte Gaß und nahm zudem Mediziner in den Blick. „Ich bin auch davon überzeugt, dass die Schreckensszenarien, die aus dem Bereich der Intensivmedizin seit Tagen verbreitet werden, weder in der Politik noch in der Bevölkerung zu den damit wahrscheinlich beabsichtigten Reaktionen führen werden.“ Die Krankenhäuser würden nicht unmittelbar vor einer totalen Überlastung stehen, und durch gemeinsames und abgestimmtes Handeln der Politik sowie klare Kommunikation ließe sich ein solches Szenario aus seiner Sicht auch vermeiden, sagte Gaß.

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