Ukraine hält Debatte über Kriegsmüdigkeit im Westen für verfehlt

Strack-Zimmermann verteidigt Haltung in Taurus-Debatte

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, hat wenig Verständnis für die Debatte über eine zunehmende Kriegsmüdigkeit in Deutschland und anderen westlichen Staaten. „Mit Verlaub: Die Menschen im Westen sind möglicherweise kriegsberichterstattungsmüde, kriegsmüde hingegen können nur diejenigen sein, die selbst im Krieg sind“, sagte der Diplomat den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Makejew ergänzte: „Wenn Sie die Leute in der Ukraine fragen, ob sie kriegsmüde seien, dann sagen sie: Wir sind erschöpft zwei Jahre nach Beginn dieser genozidalen russischen Invasion und zehn Jahre nach Besetzung der Krim und östlichen Gebieten von Donbass.“ Natürlich gebe es überall schlaflose Nächte im Land und bei den Ukrainern in Europa: „Aber haben wir eine andere Wahl als das zu tun, was wir tun? Wir sind in einem Überlebenskampf. Aufgeben ist keine Option.“ Der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine jährt sich am Samstag zum zweiten Mal.

Hofreiter traut Kiew höchstens Stopp des russischen Vormarschs zu

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Europaausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), kann die Ukraine im Krieg mit Russland vorerst bestenfalls einen weiteren Vormarsch der Invasoren abwenden. „Es ist entscheidend, dass es der ukrainischen Armee gelingt, dieses Jahr die Front zu halten“, sagte der Grünen-Politiker dem Internetportal des Senders ntv. „Wenn in dieser Zeit hoffentlich Europas Produktion von Munition und weiterer Ausrüstung nach oben geht, könnte die ukrainische Armee 2025 in die Lage versetzt werden, im Verteidigungskrieg gegen Russland die Oberhand zu gewinnen.“ „Ich sehe nicht, dass die Ukraine dieses Jahr eine Offensive starten kann“, sagte Hofreiter weiter. Es fehle ihr dazu an Munition und an Rückhalt aus den USA. Wenn Russland zumindest keine weiteren Geländegewinne erziele, sei dies „immer noch das Beste, was der Ukraine in den kommenden Monaten gelingen kann“. Hoffnungen auf eine mögliche Verhandlungsbereitschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin über einen Waffenstillstand seien „naiv“, sagte der Grünen-Politiker. „Solange sich der Westen zögerlich, nicht geschlossen und schwach zeigt, sieht Putin keinen Grund, den Krieg zu beenden.“ Den Widerstandsgeist der Menschen in der Ukraine hält er für ungebrochen: „Die Verzweiflung darüber, dass dieser Krieg immer noch andauert, darüber, dass so schrecklich viele Menschen sterben, nimmt natürlich zu“, sagte Hofreiter. Die Menschen wollten sehnlichst ein Ende des Krieges, aber angesichts ihrer Erfahrung mit den Besatzern „wünschen sie sich eben auch, dass die Russen aus der Ukraine verschwinden“.

Strack-Zimmermann verteidigt Haltung in Taurus-Debatte

Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann verteidigt ihre unnachgiebige Haltung im Koalitionsstreit um die Lieferung des Marschflugkörpers Taurus an die Ukraine. „Ich bedauere es, dass der Taurus für das Kanzleramt zum Synonym dafür geworden ist, wer sich in der Politik durchsetzt“, sagte Strack-Zimmermann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Nicht das ist relevant, sondern einzig und allein das Überleben der Ukraine. Und nur das treibt mich an.“ Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses will am Donnerstag im Bundestag neben dem Ampel-Antrag zur Unterstützung der Ukraine auch für den Unionsantrag stimmen, in dem die Taurus-Lieferung ausdrücklich gefordert wird. Das stößt in der Koalition auf Kritik. „Die Ukraine kämpft auch um unseren Frieden, unsere Freiheit in Europa. Das müssen endlich alle begreifen“, sagte Strack-Zimmermann. „Wenn die Ukraine nicht gewinnt, dann ist Europa wirklich in Gefahr. Und das dürfen wir nicht zulassen. Es geht hier nicht um parteipolitische Taktiken. Es geht um unsere Werte.“ Die FDP-Politikerin stellte klar, dass Taurus auch aus ihrer Sicht nicht „der alleinige Gamechanger“ in dem Krieg sei. „Aber es ist ein entscheidendes Element, um den brutalen russischen Angriff zurückzudrängen.“ +++