Übergabe und Weihe der neuen Kläranlage in Poppenhausen

Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit

In der Rhöngemeinde wurde die zentrale Kläranlage neu gebaut. Mit der Baumaßnahme wurde im April 2020 begonnen, nach dreieinhalb Jahren Bauzeit konnte die moderne, technisch auf dem neuesten Stand fertiggestellte Abwasserreinigungsanlage am vergangenen Freitag ihrer Bestimmung übergeben werden. Auftraggeber, Planer, Bauleiter, ausführende Firmen, Fachbehörden und Vertreter der Gemeinde waren sich in ihrer Bewertung einig, dass eine, in der Ausführungsqualität gelungene, bestens funktionierende und für die kommenden Generationen gut gerüstete, neue zentrale Kläranlage entstanden ist.

Zur Feierstunde, die wegen der winterlichen Temperaturen in der neuen Funktionshalle stattfand, konnte Bürgermeister Manfred Helfrich zahlreiche Gäste willkommen heißen. Sein Gruß galt Pfarrer Jörg Stefan Schütz, dem Planer Hans-Ulrich Schott aus Hünfeld, dem Landtagsabgeordneten Sebastian Müller (CDU), dem Kreisbeigeordneten Hermann Müller, Rüdiger Schwalm vom Fachdienst Wasser und Boden beim Landkreis Fulda, den Vertretern der ausführenden Firmen, den Mandatsträgern der gemeindlichen Gremien, den Mitarbeitern aus dem Rathaus, Bauhofleiter Markus Heller und seinem Team vom gemeindlichen Bauhof sowie den Vertretern der regionalen Medien. Der Bürgermeister wies auf die Besonderheiten seiner ländlich geprägten Gemeinde hin und erinnerte daran, dass in 1973 die in 1971-1972 gebaute alte Kläranlage in Betrieb genommen wurde. Der Reinigungsprozess der Abwässer erfolgte seither in zwei Oxydationsgräben mit Umwälztechnik nach dem Prinzip-Einleitung-Umwälzung–Absetzung und Abschlag des gereinigten Abwassers in der Vorfluter Lütter-Bach. Diese Technik habe gut und lange funktioniert.

Von 2006 – 2008 schulterte die Gemeinde die Herausforderung, die Abwasserentsorgung für den weit verzweigten Flächenortsteil Steinwand zu regeln. Dies gelang weitgehend in Eigenleistung der Anlieger, die vom Planungsbüro Schott fachlich überwacht wurden. Für diese besonders pragmatische und erfolgreiche Vorgehensweise wurde die Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) mit dem „Spar-Euro“ des Hessischen Bund der Steuerzahler“ ausgezeichnet. Der Schlamm der Kleinkläranlagen wird seither in einem Vorbecken der Kläranlage, aus dem er in Nebenzeiten dem Klärprozess zugeführt wird. Doch in den letzten 10 Jahren häuften sich, insbesondere durch die wachsende Belastung, die Störanfälle, und auch schärfere Bestimmungen zu Gunsten des Umwelt- und Gewässerschutzes erforderten in 2016 erste Überlegungen über einen Neubau der zentralen Kläranlage. Im März 2017 fasste die Gemeindevertretung den Grundsatzbeschluss für einen Neubau der zentralen Kläranlage, der im Herbst 2019 dahingehend konkretisiert wurde, dass der Neubau am seitherigen Standort erfolgen soll. Ein zusätzlicher Flächenverbrauch konnte dadurch vermieden werden. Helfrich beschrieb die sich anschließenden Bauarbeiten als eine „OP am offenen Herzen“, da die Abwasserreinigung durchgängig während der Bauzeit gewährleistet werden musste.

Das Projekt „Neubau der zentralen Kläranlage Poppenhausen“ habe ca. 3.650.000 Euro gekostet. Da es grundsätzlich keine öffentliche Förderung für den Neubau von Kläranlagen gibt, wurde durch ein limnologisches Gutachten, das im Rahmen einer Masterarbeit der Beweis erbracht, dass sich durch den Neubau der Kläranlage die Gewässerqualität in der Vorflut Lütter deutlich verbessere und die Reinigungsstrecke im Bach nach Einleitung des geklärten Abwassers deutlich reduziere. Daher wurde eine Landesförderung in Höhe von 623.250 Euro gewährt. Der gemeindliche Bauhof habe durch seine enorme Eigenleistung ein hohe Wertschöpfung erzeugt. Bauhofleiter Markus Heller, zugleich zertifizierter Ver- und Entsorger, und zuständig für den geordneten Betrieb der Kläranlage, hatte die Bauarbeiten engagiert begleitet und habe einen großen Verdienst am Gelingen des ambitionierten Projekts. Dem Planer Hans-Ulrich Schott wurde eine fachlich kompetente, wirtschaftliche Planung und verantwortungsvolle Bauleitung bestätigt. Abschließend bedankte sich der Bürgermeister für die gute vertrauensvolle Zusammenarbeit im allen beteiligten Firmen. Wie bei anderen Bauvorhaben habe man auch Wert daraufgelegt, dass die Aufträge vornehmlich in der Heimatgemeinde bzw. in der Region bleiben, die im betreffenden Fall von Tann bis Schlüchtern reiche.

Hans-Ulrich Schott vom Planungsbüro Schott erläuterte in seinem Grußwort seine Neubauplanung und die Herausforderungen der Umsetzung bei der die angenommenen Kosten von ca. 3,0 Mio. Euro eingehalten werden sollten. Unter Einwirkung der Pandemie, Kostensteigerungen am Bau und die damit verbundene Inflation ergab sich eine überschaubare Kostensteigerung von ca. 10 %. Durch die Entscheidung für eine große Funktionshalle, die zu einem Drittel für die Kläranlage Verwendung findet, sowie die Beschaffung einer Klärschlammpresse samt Einhausung ergaben sich Gesamtkosten in Höhe von 3,65 Mio. Euro. Schott sprach von einem teils schwierigen Unterfangen, mit den begrenzten Mitteln umgehen zu müssen. Ersparnisse seien unter anderem dadurch erreicht worden, dass Bauteile getrennt ausgeschrieben wurden. Der Planer erklärte abschließend: „Die Gemeinde kann stolz sein, eine so wirtschaftliche Anlage gebaut zu haben.“ Er sprach ebenfalls seinen Dank an alle am Bau Beteiligten, die alle bestens mitgezogen hätten. Der Landtagsabgeordnete Sebastian Müller bezeichnete die Einweihung als einen „guten Tag“ für die Gemeinde Poppenhausen und lobte: „Sie haben kosteneffizient gearbeitet und sind bei der Realisierung der Maßnahme innovative Wege gegangen.“ Rüdiger Schwalm vom Fachdienst Wasser und Boden beim Landkreis Fulda berichtete von einem hartnäckigen Bemühen, mit der die Gemeinde den Finanzierungsantrag für die Förderung verfolgt habe. Das hätte sich letztendlich gelohnt. Mit der neuen Anlage sei Poppenhausen sehr gut aufgestellt. Er bewunderte in der Zeit der Projektumsetzung zudem die offene und direkte Kommunikation, in der lösungsorientiert gearbeitet wurde.

In Vertretung von Landrat Bernd Woide überbrachte Kreisbeigeordneter Hermann Müller die Grußworte des Landkreises Fulda. Er beglückwünschte seine Heimatgemeinde zur erfolgreichen Realisierung der wichtigen Baumaßnahme. Das große Bauprojekt sei zwar ein „finanzieller Brocken“ für die Gemeinde, werde aber den stetig gewachsenen Anforderungen an die Abwasser-Reinigung gerecht. Alexandra Ballweg, Vorsitzende der Gemeindevertretung, hob den Stellenwert einer gut laufenden Kläranlage hervor: „Wir bemerken immer erst dann, wenn etwas nicht funktioniert, wie wichtig dieses ist.“ Sie warb dafür, dass gute Arbeit eine angemessene Wertschätzung erfahre. Pfarrer Jörg Stefan Schütz von der katholischen Pfarrei St. Georg stellte heraus, dass die neue Kläranlage den Menschen diene, lobte den gemeinsamen Erfolg und segnete die neue Anlage. Zum Abschluss feierten die Gäste bei einem Umtrunk und leckeren, warmen Suppen-Variationen von Manfred Laudenbach gemeinsam die Fertigstellung und Eröffnung.+++ pm/mh