Synodalversammlung sendet Kirche in Deutschland auf einen dauerhaften Synodalen Weg

Mit einem Gottesdienst im Frankfurter Bartholomäus-Dom ist die fünfte und abschließende Synodalversammlung des Synodalen Weges der Kirche in Deutschland heute (11. März 2023) zu Ende gegangen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, würdigte zu Beginn der Messe die geistige Dimension des Synodalen Weges: „Vor drei Jahren haben wir die erste Synodalversammlung mit einer Eucharistiefeier hier eröffnet. Seither stand die Heilige Messe in der Mitte jeder unserer Versammlungen. Aufbruch, Einhalt als Ruhepunkt und nun ein großer und wichtiger Meilenstein unterwegs zu einer wirklich synodalen Kirche liegen hinter und vor uns. Es war der Wille aller und die immer neue Suche, uns zu finden und zu vereinigen in der größeren gemeinsamen Verantwortung, in die der Geist unseres Herrn uns stellt.“

Die Präsidentin des Synodalen Weges, Dr. Irme Stetter-Karp, zeigte sich überzeugt: „Wir haben wichtige Weichen für mehr Synodalität in unserer Kirche gestellt. Aber zugleich merken wir, wie große die Herausforderungen sind, die noch vor uns liegen. Um auf dem Weg zu einer synodalen Kirche weiterzugehen, ist es wichtig, immer wieder an den Beginn dieses Weges zu erinnern. Ziel des Synodalen Weges war die Auseinandersetzung und Bearbeitung der strukturellen Faktoren, die den Missbrauch so vieler Menschen in unserer Kirche ermöglicht und begünstigt haben. Die Performance am Donnerstagabend hat uns unsere eigene Verstrickung vor Augen geführt. Die tiefe Verletzung der Integrität dieser Menschen bleibt. Und sie bleibt Stachel und Motor im Fleisch der Kirche, um sich mit den vier identifizierten Themen über die Arbeit der Synodalforen und der Synodalversammlungen hinaus auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens auseinanderzusetzen. Wir sind damit längst nicht an einem Ende.“

Während der Abschluss-Pressekonferenz würdigte Bischof Bätzing den Synodalen Weg als Erfahrungsraum, bei dem es darum gegangen sei, zu hören, zu diskutieren, zu ringen und auch zu entscheiden: „Der Synodale Weg ist kein zahnloser Tiger. Er ist eine Konkretion dessen, was Papst Franziskus mit Synodalität meint. Der Weg ist vor allem Ausdruck einer lebendigen, bunten und diversen Kirche. Seit vielen Jahren haben wir kein so intensives gemeinsames Ringen darum gehabt, wie wir heute aus dem Evangelium und dem Reichtum unserer Tradition leben und unsere Gesellschaft mitgestalten können.“ Bischof Bätzing betonte, dass der Synodale Weg weder in eine Spaltung noch in eine Nationalkirche führe: „Von Anfang an haben wir auf dem Synodalen Weg im Blick gehabt, dass es Beschlüsse gibt, die in den aktuellen Strukturen und in ihrer Verantwortung von Bischöfen in den Bistümern umgesetzt werden können. Gerade Papst Franziskus hat uns Bischöfe immer wieder ermutigt, unser Amt aktiv wahrzunehmen und aus den Bedürfnissen vor Ort heraus zu agieren. Aber selbstverständlich gibt es auch Beschlüsse und Themen, die wir nicht alleine, sondern nur im Konsens mit der Weltkirche weiterentwickeln können. Allerdings gilt auch hier, dass wir Beratungen und Beschlüsse im synodalen Stil brauchen.“

Dr. Irme Stetter-Karp zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen aus mehr als drei Jahren auf dem Synodalen Weg: „Ohne Zweifel hätte ich mir mehr gewünscht. Vor allem einen mit großer Mehrheit beschlossenen Handlungstext ‚Gemeinsam beraten und entscheiden´. Aber der Text ist auf Vorschlag der Forenvorsitzenden am Ende in den Synodalen Ausschuss verwiesen worden.“ Dies gebe ihm jedoch neue Chancen auf Verwirklichung: „Der Synodale Weg geht weiter! Er ist hier und heute nicht zu Ende. Er fängt gerade erst richtig an!“ Insgesamt zeige der Synodale Weg eine große Veränderung: „Es ist ein großer Erfolg, dass nun alle großen Entscheidungsthemen offen auf dem Tisch liegen. Es sind die Themen, die wir aus der MHG-Studie 2018 abgeleitet haben. Niemand kann das ungeschehen machen. Wir setzen damit auch Themen für die Weltsynode. Und das tun wir nicht allein – sondern zusammen mit vielen anderen synodalen Bewegungen in anderen Ländern.“ Ein Erfolg sei auch die veränderte Gesprächskultur: „Bischöfe konnten erleben, dass sie nicht einsam Entscheidungen treffen müssen, dass sie im Team beraten und entscheiden dürfen und können. Katholikinnen und Katholiken in dieser Synodalversammlung konnten erleben, dass ihr Wort gehört wurde, dass ihre Haltung zählt! Und dass alle gemeinsam die Verantwortung dafür haben, zu beraten – und zu entscheiden.“

Bischof Bode, Vizepräsident des Synodalen Weges, hob hervor, dass die Synodalversammlung in der Frauenfrage einen erheblichen Schritt weitergekommen sei, den man nicht unterschätzen dürfe. „Der Synodale Weg war und ist für mich ein Lernort, wie wir als Kirche neue Glaubwürdigkeit im Diskurs erlangen können; wie wir als Kirche neu Salz und Licht der Erde werden können, um in die Gesellschaft hineinzuwirken; wie wir als Kirche wirklich synodal werden und nicht nur darüber reden, sondern das auch leben. Was ich schon früher sagte: Was man einmal aus der Tube herausgedrückt hat, kann man nicht wieder in sie zurückbringen. Deshalb wünsche ich mir für die nächste Etappe ein Dreifaches: den mutigen Blick nach vorne; weniger Angst; das tiefe Vertrauen in die Kraft des Evangeliums.“

Prof. Dr. Thomas Söding, Vizepräsident des Synodalen Weges und des ZdK, ist überzeugt: „Wir haben auf der fünften Synodalversammlung viel angestoßen. In Deutschland wird es Segensfeiern für Paare geben, die sich lieben – Segensfeiern mit dem Segen der Kirche. Ohne Out in Church wären wir den Schritt vielleicht immer noch nicht gegangen. Jetzt kommen queere Paare, die sich lieben, und Menschen, die sie im Namen der Kirche segnen, aus der Grauzone des Verbotenen in das Hellfeld des Glaubens. Große Lernschritte haben zur Erklärung über geschlechtliche Vielfalt geführt; ohne den Synodalen Weg hätte es diesen Lernweg nicht gegeben. In Deutschland werden auch Frauen predigen, in der Sonntagsmesse, nach dem Evangelium. Und die Synodalversammlung will, dass sie Diakoninnen werden dürfen. Die Gemeinden warten darauf. Sie warten auch auf Priester. Sie sehen, wie viele durch den Zölibat davon abgehalten werden, ihrer Berufung zu folgen. Ja, was beschlossen ist, wird nicht morgen schon umgesetzt. Aber für die Gemeinden ist wichtig: Die Bischöfe, das ZdK, die ganze Synodalversammlung hat mit dem Beschluss ein Zeichen dafür gesetzt, dass sie nicht zusehen, sondern handeln wollen.“ +++ pm

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