
Das Treppenhaus wird an diesem Vormittag zum entscheidenden Punkt. Während der Abnahme des Brandschutzes an der Gesamtschule in Grebenhain fordert der Experte eines Fachbüros, das Treppenhaus sofort abzutrennen. „Das wissen wir“, entgegnet Bauingenieurin Claudia Wauschkuhn, „aber doch nicht in diesem Bauabschnitt, das ist doch zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.“ Der Brandschutzexperte bleibt bei seiner Einschätzung. Nach zwei Stunden intensiver Gespräche und mehreren Telefonaten steht schließlich eine Lösung fest: Im Flur des Erdgeschosses wird eine Wand als Abtrennung zum Treppenhaus eingezogen.
Für Claudia Wauschkuhn ist das ein typischer Arbeitstag. Die Bauingenieurin betreut im Amt für Hochbau, Energie und Gebäudewirtschaft des Vogelsbergkreises die Schulbauprojekte in Grebenhain und Schotten. Gemeinsam mit mehr als einem Dutzend Kolleginnen und Kollegen aus dem technischen Bereich ist sie regelmäßig auf Baustellen unterwegs, stimmt sich mit Architekten, Sachverständigen, Planern und ausführenden Firmen ab. Gerade in diesen Gesprächen entstehen häufig die pragmatischen Lösungen, die Bauprojekte voranbringen – so wie an diesem Tag in Grebenhain.
Die Forderung des Brandschutzes scheint zunächst eindeutig. Der Durchgang im Treppenhaus, der während der vergangenen Bauphase noch als Flucht- und Rettungsweg genutzt wurde, muss nun in Trockenbauweise geschlossen werden. Nach einem prüfenden Blick an die Decke stellt Claudia Wauschkuhn fest, dass tragende Bauteile vorhanden sind, an die angeschlossen werden kann. Die beauftragte Architektin stimmt zu und schlägt vor, den Anschluss am Sturz herzustellen.
Mit der geplanten Abtrennung ergeben sich jedoch weitere Konsequenzen. Der Flucht- und Rettungsplan aus der bisherigen Bauphase muss angepasst werden. Die Architektin sichert zu, die Pläne entsprechend zu ändern. Gleichzeitig weist Wauschkuhn darauf hin, dass die neue Wegeführung mit den Schülerinnen und Schülern geübt werden müsse. Noch vor Ort nimmt sie Kontakt zur Schule auf. In der letzten Ferienwoche soll gemeinsam mit der Feuerwehr ein Termin stattfinden. Wauschkuhn bringt zudem den Vorschlag ein, eine Wand mit einer Tür direkt am Treppenaufgang einzubauen. Die Schule stimmt zu, auch der Brandschutzexperte erhebt keine Einwände. Damit steht fest, dass nun eine geeignete Tür beschafft werden muss.
Kaum ist dieser Punkt geklärt, rücken bereits die nächsten Details in den Mittelpunkt. Die Stromleitungen im Treppenhaus müssen brandschutzgerecht abgeschottet werden. Der Elektroplaner sieht darin kein Problem, die Wandöffnungen für die Kabel könnten feuer- und rauchdicht verschlossen werden. Ein Elektriker prüft gleichzeitig, welche Leitungen entfallen können. Anschließend richtet sich der Blick auf die Durchgangshöhe unter dem niedrigsten Treppenpodest. Ob sie ausreichend ist, soll zunächst überprüft werden. „Wir machen hier keinen Schnellschuss, das rächt sich später“, sagt Claudia Wauschkuhn.
Gedanklich und tatsächlich geht sie den zukünftigen Fluchtweg ab. Nach wenigen Metern im Flur bleibt sie stehen und schlägt vor, die Trennwand weiter hinten einzubauen. Der Brandschutzexperte stimmt zu. Damit verlagert sich die Lösung aus dem engen Treppenhaus in den großzügigeren Flurbereich. Für die Elektriker bedeutet das zwar Änderungen an den Planungen für Beleuchtung, Lautsprecher und Leitungsführungen, grundsätzlich halten sie die Umsetzung jedoch für machbar. Wauschkuhn greift erneut zum Telefon und informiert den Trockenbauer. Die neue Wand müsse hochfeuerhemmend der Klasse F 60 ausgeführt werden und zusätzlich ein Blech erhalten.
Für die folgende Woche werden weitere Abstimmungstermine vereinbart. Vertreter des Amts für Hochbau, der Trockenbauer, der Elektroplaner und die Elektrofirma wollen die Details besprechen. Eine Woche später folgt ein weiterer Termin mit dem Brandschutz des Amts für Gefahrenabwehr. Erst danach kann die Umsetzung beginnen.
„Wir wussten, dass das Treppenhaus irgendwann abgetrennt werden muss, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Das hat uns überrascht“, sagt Claudia Wauschkuhn. Solche Situationen gehörten zum Alltag auf Baustellen. „Da muss man auch mal um die Ecke denken“, sagt die Ingenieurin mit einem Lächeln.
Seit dem Jahr 2000 arbeitet Claudia Wauschkuhn beim Vogelsbergkreis. Zunächst war sie in der Bauaufsicht tätig, fünf Jahre später wechselte sie in das Amt für Hochbau. Heute betreut sie die Schulbauprojekte in Schotten und Grebenhain. An zwei Tagen pro Woche ist sie vor Ort, kontrolliert den Baufortschritt, klärt offene Fragen mit Handwerkern und Planern und wird spätestens in wenigen Tagen erneut nachfragen, wann die feuerhemmende Tür für die Schule in Grebenhain geliefert wird. +++
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