Schockanrufer lieferten sich halsbrecherischer Verfolgungsfahrt

Bad Hersfeld. Am Dienstagvormittag waren bei der Polizei in Bad Hersfeld mehrere Hinweise auf sogenannte Schockanrufer eingegangen. Die Hinweise von besorgten Bürgerinnen und Bürgern kamen alle aus dem Bad Hersfelder Stadtgebiet. In der Folge fahndete die Polizei zunächst in der Innenstadt von Bad Hersfeld nach tatverdächtigen Personen und Autos. Zwischen 11:25 Uhr und 11:50 Uhr waren zwei weitere Hinweise auf Schockanrufer bei der Polizei in Bad Hersfeld eingegangen. In dieser Zeit, gegen 12:10 Uhr war einer Zivilstreife ein verdächtiger blaugrünmetallicfarbener Volvo, Typ V70, mit ausländischen Kennzeichen in der Vitalisstraße aufgefallen. Als die Insassen des Pkw, es handelte sich um zwei Männer, und der Wagen kontrolliert werden sollten, fuhr der Fahrer plötzlich mit Vollgas davon.

Die Polizei nahm darauf mit mehreren Streifen- und Zivilfahrzeugen die Verfolgung auf. Trotz eingeschalteten Blaulichtern und Martinshörnern fuhr der Volvo mit hoher Geschwindigkeit weiter durch Bad Hersfeld, Neuenstein, Knüllwald in Richtung Homberg/Efze davon. Offenbar hatte der Fahrer keine Ortskenntnis und fuhr ziellos weiter. An der weiteren Fahndung beteiligten sich noch mehrere Funkwagen der Polizeistationen aus Schwalmstadt und Melsungen. Schließlich konnte der flüchtige Volvo kurz vor dem Frielendorfer Ortsteil Verna von der Polizei gestoppt und die beiden Fahrzeuginsassen festgenommen werden.

Bei den beiden von der Polizei festgenommenen Männern (24 und 25) handelt es sich um litauische Staatsbürger. Bei der Flucht vor der Polizei von Bad Hersfeld, Neuenstein, Homberg/Efze und Frielendorf, insgesamt ca. 50 Kilometer über Bundes- und Landstraßen, benutzten sie einen blaugrünmetallicfarbenen Pkw der Marke Volvo, Typ Kombi V70, mit litauischen Kennzeichen. In der Spitze fuhren sie mit 190 Stundenkilometern. Der Pkw soll, nach Zeugenaussagen, über die Pfingstfeiertage in verschiedenen Plätzen und Straßen im Stadtgebiet von Bad Hersfeld geparkt gewesen sein. Die Polizei fragt daher: Wo haben die beiden Männer sich in Bad Hersfeld über die Feiertage aufgehalten? Auf der Flucht touchierte der Volvo bei Knüllwald-Remsfeld ein Kraftfahrzeug von Arbeitern der Gemeinde Knüllwald. Der Sachschaden ist noch nicht bekannt. Verletzt wurde niemand. Zuvor hatte der Beifahrer bei Neuenstein-Aua eine schwarze Reisetasche aus dem Fenster in den Straßengraben geworfen. Einer der nachfolgenden Polizeifahrzeuge hielt an und stellte die Tasche sicher. In der Tasche war u.a. auch Diebesgut aus einem Tageswohnungseinbruch vom heutigen Dienstagvormittag in Bad Hersfeld. Zwischen 10:10 Uhr und 11:30 Uhr, war in ein Wohnhaus in der Michael-Schnabrich-Straße eingebrochen worden. Dabei wurden Schmuck und hochwertige elektronische IT-Geräte im Wert von ca. 20.000 Euro gestohlen.

Es scheint, dass derzeit wieder über Nord- und Osthessen eine Welle von Schockanrufen niedergeht. Die Kriminalpolizei in Bad Hersfeld vermutet, dass mehrere Tätergruppierungen aus der ehemaligen UdSSR mal wieder aktiv sind. Die Variante der sogenannten Schockanrufe wenden Betrüger vor allem bei älteren Menschen aus den ehemaligen Sowjetstaaten an. Sie melden sich, sehr häufig in russischer Sprache, per Telefon bei ihren Opfern und behaupten, dass ein Enkel oder ein anderer naher Verwandter in einen Verkehrsunfall oder in ein Strafverfahren verwickelt sei und sich deshalb in polizeilichem Gewahrsam befinde. Die Betrüger erklären, dass gegen eine Zahlung von der Strafverfolgung abgesehen und der Verwandte aus der Haft entlassen wird. Das Geld werde eine Person im Auftrag des Gerichts oder einer Behörde in ziviler Kleidung kurzfristig abholen.

Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt. Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert. Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen. Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Informieren Sie sofort die Polizei über den Notruf 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige. Eventuell wurden am Dienstag noch mehrere ältere Russlanddeutsche mit dem Schockanruf konfrontiert und haben sich noch nicht bei der Polizei gemeldet. Bitte melden Sie sich bei der Polizei. +++ fuldainfo