Sarah Connor begeistert rund 5.000 Fans

Authentisch und nahbar - Sarah Connor erfüllt Herzenswunsch von gemeinsamem Foto

Ein Jahr hat es gedauert – gestern Abend hatte das Warten für Sarah Connor-Fans in der Region Osthessen endlich ein Ende: Deutschlands größte Soulstimme begeisterte im Rahmen der traditionsreichen „Fuldaer Domplatz-Konzerte“ in malerischer Kulisse bei guter Witterung rund 5.000 Konzertbesucherinnen und – besucher. In ihrem – nach 2017 – erneuten Gastspiel in Fulda gab sich die 42-jährige, gebürtige Delmenhorsterin, wie man es von ihr kennt, authentisch und nahbar, eröffnete den Blick für den gesellschaftspolitischen Diskurs und erfüllte langgehegte Wünsche. Im Rahmen ihrer „Sommer Tour 2022“ nahm die Trägerin unzähliger Musikpreise (ECHO POP, World of Music Award, Bambi, …) ihr Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch die letzten zwanzig Jahre ihres künstlerischen Wirkens.

Eigentlich hätte das Konzert, in dessen Rahmen – nach „Muttersprache (2015)“ – ihr zweites Album in deutscher Sprache, „Herz Kraft Werke (2019)“, dargeboten werden sollte, bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der „Domplatz-Konzerte“ stattfinden sollen, aufgrund der Pandemie wurde es jedoch um ein Jahr verschoben. Die Sängerin und Mutter von vier Kindern erinnerte sich am Freitagabend noch gut an ihr letztes Gastspiel im Oberzentrum; damals hatte das Wetter nicht so gut wie am vergangenen Abend mitgespielt, weshalb dem Konzert erst mit Verzögerungen stattgegeben werden konnte. Das Fuldaer Publikum – unter ihnen viele weibliche Teenager und junge Erwachsene – aber auch einige Pärchen und Ehepaare im mittleren sowie höheren Alter sowie eine höhere Anzahl unter Zehnjähriger – empfing die Popsängerin mit starkem Applaus und Jubelgeschrei und erwiesen ihrem Idol – nach gut zwei Jahren Pandemie – ihre Treue, in dem sie jede Zeile des Opening Songs „Hör auf Deinen Bauch“ mitsangen – mit einer Ausgelassenheit und Freude, die ihresgleichen suchte und die die folgenden zweieinhalb Stunden andauern sollte…

Die ukrainischen Nationalfarben an den Zeigefinger ihrer rechten Hand getapt und ein schwarzes T-Shirt tragend mit der Aufschrift „Peace“ (=Frieden), stand Connors gestriges Gastspiel in Fulda auch im Zeichen des weiterhin anhaltenden russischen Angriffs-Krieges in der Ukraine. Zu ihm bezog die Sängerin auch ganz konkret Stellung – wie sehr sie den russischen Angriffskrieg verurteilt und wie wichtig es ist, aufzustehen, seine Stimme zu erheben und für die demokratischen und freiheitlichen Werte einzutreten und diese zu verteidigen, machte die Soulsängerin an der Interpretation von „Ruiniert“ deutlich. Aber auch die Pandemie und damit korrelierend die Zeit im Lockdown nehmen auf Conners aktuellem Album ihren Platz ein. So sei in dieser Zeit auch der Song „Dazwischen sind wir Freunde“ entstanden, den sie ihrem Lebensgefährten widmete; Strophen, denen die Mutter von vier Kindern vielen aus der Seele sprechen dürfte. Für ihre Kinder schrieb die 42-jährige Wahlberlinerin auch „Ich wünsch Dir“, „Wie schon du bist“ und „Bedingungslos“, die von der Sängerin am Freitagabend ebenso performt und vom Publikum lautstark mitgesungen wurden.

Der Titel ihres achten Studioalbums „Muttersprache“ habe, so die Künstlerin einmal in einem Interview, eine doppeldeutige Bedeutung. Zum einen bezeichne es die Sprache, die sie geprägt hat, zum anderen aber auch die Art und Weise als liebende Mutter zu ihren Kindern zu sprechen. Seit vielen Jahren bezieht die Sängerin, die mit fünf Geschwistern und damit in einer Großfamilie aufwuchs, gesellschaftlich und politisch Stellung und eröffnet damit den Blick auf gesellschaftspolitische Debatten. So auch in der Gender-Debatte, wovon „Vincent“ (Herz Kraft Werke, 2019) erzählt. Den Protagonisten, um den es in diesem Song geht, gebe es tatsächlich. Mit Erscheinen der letzten beiden deutschsprachigen Studioalben widmet sich die Sängerin zunehmend Themen, die unzureichend gesellschaftlich diskutiert werden, wie sie es vielleicht müssten. Ein Beispiel hierfür ist der Song „Stark“, den Connor gestern all jenen widmete, die depressive Menschen begleiten und ihnen in ihren dunkelsten Stunden zur Seite stehen. Vor dem Hintergrund dieser Thematik, ließ die Sängerin gestern anklingen, in der Vergangenheit auf der Bühne Erfahrungen mit Panikattacken gemacht zu haben.

Herzenswunsch vom gemeinsamem Foto

Ein besonderer Moment, den Sarah Connor mit 5.000 Zuhörerinnen und Zuhörern vor dem Fuldaer Dom teilte, war ein gemeinsames Duett mit ihrer Tochter Summer Antonia Soraya Terenzi der Interpretation von „Shallow“ aus dem Film „A Star is Born“ mit Lady Gaga und Bradley Cooper in den Hauptrollen aus dem Jahr 2018. Dies blieb allerdings der einzige Auftritt der 16-Jährigen. Die gemeinsame Tochter von Connor und Musiker Marc Terenzi begleitet ihre Mutter auf der diesjährigen Tour, in diesem Kontext 55 Konzerte gespielt werden.

Ein langersehnter Wunsch ging gestern für die 32-jährige Jenny aus Frankfurt am Main in Erfüllung. Seit 15 Jahren träumte der Sarah Connor-Fan von einem gemeinsamen Foto mit der Ausnahmekünstlerin – gestern ging er nun endlich in Erfüllung. Connor zögerte nicht, als sie durch Zurufe aus dem Publikum von dem besonderen Wunsch erfuhr und holte die 32-Jährige auf die Bühne und spendete der jungen Frau eine herzliche Umarmung – und erfüllte ihr gerne diesen einen Wunsch von einem gemeinsamen Foto – ein emotionaler Moment – nicht nur für die Frankfurterin. Dies blieb nicht der einzige, nahbare Moment mit ihrem Publikum. Besonders erlebbar wurde Connor auch für die jüngsten Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher, die hinter der Absperrung ihrem Idol ganz nah sein durften und nach Aussage der Künstlerin „gut durchhielten“.

Höhepunkte auf dem Sarah Connor-Konzert gestern in Fulda waren neben sinnvoll ausgewählten Songs auch Songs aus einer früheren Schaffensperiode der Soulsängerin oder aus ihren „dunklen Zeiten“, wie „Bounce“, From Zero to Hero“ oder Music ist he Key“, wie die Künstlerin selbstironisch spaßte. Eine, wie für Sarah Connor üblich, war die Showeinlage und Bühnen-Performance von „Kommst Du mit ihr“. Das Konzert erreichte mit „Vincent“ und „Augen auf“ in einer 15-minütigen Zugabe seinen Höhepunkt. Mit letzterem, nachdenklich-stimmenden Song wie es aktuell passender nicht sein könnte, endete das über zweistündige Konzert auf dem Domplatz. Die T-Shirts mit der Aufschrift „Peace“ oder „No War“, wie sie gestern auch von einigen Bandmitgliedern getragen wurden, waren gestern käuflich zu erwerben. Der Verkaufserlös kommt 1:1 der Ukraine-Hilfe zugute. Ein für viele emotional und bewegendes – aber auch hoch gesellschaftspolitisches Konzert um eine sehr authentische und nahbare Künstlerin ging um 22.45 Uhr zu Ende, an das sich viele noch lange zurückerinnern dürften. +++ jessica auth

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Letzte Aktualisierung: 06.10.2022, 05:22 Uhr
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