Neues „Sommerquartier“ für geschützte Fledermäuse im Dach des Stadtschlosses

Fulda. Fledermäuse sind eine mittlerweile sehr seltene Tierart und stehen unter besonderem Artenschutz. In Deutschland stehen alle 25 Fledermausarten auf der Roten Liste der gefährdeten Säugetiere. Umso bedeutender ist der Schutz der noch bekannten Populationen. Hierzu zählt auch, für die Tiere mehr Raum zum Unterschlupf zu schaffen.

Diesem Anspruch und Wunsch konnte nun im Stadtschloss in Fulda Rechnung getragen werden. Lothar Herzig, Naturschutzbeauftragter des Naturschutzbeirates der Stadt Fulda, richtete zusammen mit der städtischen Unteren Naturschutzbehörde ein „Sommerquartier“ für die Großen-Mausohr-Fledermäuse ein, die sich seit Jahren im Bereich des Domareals heimisch fühlen. „Die nachtaktiven Tiere benötigen im Sommer eine „zweite Heimat“, die schön warm und geschützt ist. Das Stadtschloss in direkter Sichtverbindung zum Dom- und Altstadtquartier bietet auch aufgrund des natürlichen Nahrungsangebots durch den Schlossgarten eine besonders gute Qualität für diese zusätzliche Heimat der schützenswerten Tierart“, erläutert Lothar Herzig.

Artenschutz als wichtige Aufgabe sehen

„Wir müssen uns dem Artenschutz noch stärker verschreiben und unsere vorkommende Flora und Fauna verstärkt schützen. Aus diesem Grunde bin ich den vielen ehrenamtlichen Helfern überaus dankbar, dass sie sich dem Naturschutz im Allgemeinen und Speziellen mit erheblichem Engagement verschreiben. Das Projekt „Sommerfledermausquartier“ sehe ich als ein gelungenes an, da hier eine gute Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbeirat und Stadtverwaltung dem heimischen Artenschutz Hilfestellung bietet. Leider gibt es immer weniger natürliche Fledermausbehausungen. Daher ist es gut, dass wir gezielt helfen“, so Oberbürgermeister Gerhard Möller.

Dank der Hilfe der Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements und des Betriebsamtes konnten Bereiche des Stadtschlossdachs im Nordflügel – über den Büroräumen des Oberbürgermeisters – so hergerichtet werden, dass sie optimale Bedingungen für ein Fledermausquartier bieten. Mit wenigen Mitteln konnten Ein- und Ausflugöffnungen sowie Verdunkelungsmaßnahmen eingerichtet werden. „Das hohe Gebälk sowie die störungsfreie Abschottung des Bereichs mit einer Schwingtür bieten den Fledermäusen sicherlich einen attraktiven Ausweichplatz. Wir hoffen sehr, dass dieser auch in den nächsten Jahren angenommen und beim Großen Mausohr Akzeptanz findet“, so Herzig.

Private Initiative und Engagement erwünscht

Neben dem Projekt im Stadtschloss können auch Privatpersonen und Hauseigentümer den immer seltener werdenden Flugakrobaten mit dem Anbringen sogenannter Fledermausherbergen an ihren Häusern und Scheunen helfen. Die im Fachhandel schon unter 25 Euro zu erwerbenden Behausungen in der Größe von ca. 36 x 46 cm (Breite/Höhe) und Tiefe von ca. 9 cm sowie breitem Anflugbrett können überall angebracht werden, wobei naturverbundene und zugfreie Standorte zu favorisieren sind. „Eine Vielzahl dieser handelsüblichen Fledermausherbergen können auch in unserer Stadt die naturgemäßen Höhlen und Schlupfwinkel für die nachtaktiven Geschöpfe ein stückweit ersetzen. Die Tiere können in diesen ihren Tagschlaf ungestört nachgehen und nachts auf die Suche nach Insekten und sonstiger Nahrung gehen“. Ein nützlicher Nebeneffekt der natürlichen Insektenvertilgung durch die nächtlichen Säuger, möchte OB Möller nicht unerwähnt lassen, der zugleich auch die vielfach vorhandene Angst vor Fledermäusen ein wenig nehmen möchte. Interessierte können sich gerne an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Fulda, Manfred Storch, oder den Naturschutzbeauftragten des Naturschutzbeirates der Stadt Fulda, Lothar Herzig, mit ihren Fragen wenden. +++ fuldainfo