Navid Kermanier erhielt Winfriedpreis

Eintrag ins goldene Buch der Stadt

Navid Kermani

Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani hat am Sonntag den mit 10.000 Euro dotierten Winfriedpreis der Stadt Fulda erhalten. Er wurde damit für seine Verdienste um die Völkerverständigung geehrt. Kermani hat sich in bemerkenswerter Weise für den Dialog zwischen Religionen und Kulturen eingesetzt, hieß es in der Begründung der Preisjury. Der Autor ist in Siegen (Nordrhein-Westfalen) aufgewachsen, seine Familie stammt aus dem Iran. Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld begrüßte die Gäste im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschloss. Besondere Grüße galten den anwesenden Ex-Bürgermeister von Fulda: Dr. Wolfgang Hamberger, Dr. Alois Riehl und Gerhard Möller. Weiter waren der CDU Bundestagsabgeordnete Michael Brand und Hochschulpräsident Karim Khakzar anwesend.

Navid Kermani (geb. 1967 in Siegen) ist ein deutsch-iranischer Schriftsteller, Publizist und habilitierter Orientalist. Er wurde mit zahlreichen renommierten Kultur- und Literaturpreisen ausgezeichnet. 2015 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Kermani setzt sich für die weltanschauliche Neutralität des Staates ein. Der Orientalist kritisiert jedoch einen mit der „kompletten Verdrängung des Religiösen“ einhergehenden „religiösen Analphabetismus“, der zu einer „grundlegenden Verarmung der Gesellschaft“ führe. Daher benennt Kermani die religiöse Toleranz und Religionsfreiheit als bedeutsamen europäischen Wert und fordert, im Sinne der Aufklärung, Rücksicht auf Glauben und Weltanschauung anderer. 2009 wurde er mit dem hessischen Kulturpreis ausgezeichnet, am 23. Mai 2014 hielt er eine vielbeachtete Festrede in der Feierstunde im Deutschen Bundestag anlässlich des 65. Jahrestags der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949. Die Laudatio hielt der Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Er war von 2007 bis 2017 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen. Zuvor war er von 1989 bis 2007 als Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig. Leggewie ist Mitherausgeber der „Blätter für deutsche und internationale Politik“.

Seit dem Jahr 2001 verleiht die Stadt Fulda jährlich den Winfried-Preis an Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maße für Menschenrechte und die Völkerverständigung in Europa verdient gemacht haben. Namensgeber für den mit 10.000 Euro dotierten Winfried-Preis ist der Heilige Winfried Bonifatius, der in Fulda begraben ist und bisweilen als der „erste Europäer“ des Frühmittelalters bezeichnet wird. Der Winfried-Preis wird von der Dr. H.-G.-Waider-Stiftung vergeben. Stifter des Winfried-Preises ist der 1926 in Fulda geborene Unternehmer Dr. Heinz G. Waider (gestorben 2015 in Neuss). Dr. Heinz G. Waider war aufgrund seiner persönlichen Kriegserfahrungen zu der Erkenntnis gelangt, dass Kriege nur durch ein offenes und friedliches Neben- und Miteinander aller Menschen verhindert werden können. Aufgrund der besonderen Verbundenheit des Heiligen Bonifatius – aber auch des Stifters selbst – mit der Stadt Fulda wird der Preis in Fulda verliehen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die Fernsehjournalistin Kathrin Eigendorf für ihre Arbeit, mit der sie den Opfern von Krieg, Vertreibung und Unterdrückung eine Stimme gibt.+++