Matinée: „Papst Pius XII. und die Juden“

Erinnerungskultur in Deutschland sei immer eine staatliche Aufgabe gewesen

Dr. Michael F. Feldkamp. Foto: Katholische Akademie

Etwa 40 Zuhörer von Dr. Michael F. Feldkamp, Archivar des Deutschen Bundestags in Berlin, sind bei einem Vortrag zum Thema „Pius XII. und die Juden“ mit den neusten Forschungen aus den geheimen Archiven des Vatikans, zu dessen Rolle in Bezug auf den Holocaust vertraut gemacht worden. Nach einer Begrüßung und Einführung durch Akademiedirektor Gunter Geiger zum heutigen Holocaust-Gedenktag, an dem wir den Opfern des Nationalsozialismus gedenken und erinnern. Appellierte Geiger an jeden Einzelnen niemals müde zu werden sich für Menschlichkeit, Freiheit, Demokratie und ein solidarisches Miteinander einzusetzen.

Feldkamp erläuterte einleitende, dass die Erinnerungskultur in Deutschland immer eine staatliche Aufgabe gewesen sei. Der Erinnerungsort der Katholische Kirche für ihre Märtyrer sei Hingegen stets die Feier der Heiligen Messe gewesen. Gleichwohl stünde es der Kirche gut an, an diesem 27. Januar 1945 ebenfalls zu erinnern, als die Überlebenden von Ausschwitz befreit worden seien. Seit 1985 wurden in Westdeutschland Narrative der sozialistisch-kommunistischen Geschichtsauffassung wie sie in der DDR tradiert worden waren, übernommen. Bundestagespräsident Philipp Jenninger habe dann bei seiner Gedenkrede zur Reichspogromnacht 1988 erstmals die Perspektive der Täter eingenommen, um zu erklären was in der nationalsozialistischen Zeit passiert sei.

Der Holocaust Gedenktag, der 1996 vom Bundestag initiiert wurde und 2004 von der UNO als Internationaler Gedenktag am 27. Januar begangen wird, nehme die Opfer in den Blick. Der Bundestag habe bei seiner zentralen Gedenkveranstaltung stets Versucht, Holocaustüberlebende einzuladen, sich also auf die Opferperspektive zu konzentrieren. Feldkamp nahm in seinem Vortrag „Pius XII. und die Juden“ zum Gegenstand. Er wolle den Gedenktag nicht benutzen, um eine Ehrenrettung für Pius XII. vorzunehmen. Doch gilt, dass Pius XII. sehr wohl seit Kriegsbeginn nahezu täglich über die Verfolgung der Juden in ganze Europa informiert worden war. Anschaulich schilderte Feldkamp, zahlreiche Fälle in denen Pius XII. versuchte, sich für verfolgte Juden zu verwenden und erläuterte unter Rückgriff auf Max Weber, dass Pius XII. während des Krieges die Rolle des Verantwortungsethikers einnahm, statt des moralisierenden Gesinnungsethikers, eine Haltung, die heute von jüngeren Politikergenrationen bevorzugt werden würde. Pius XII. hat konkret geholfen, statt zu moralisieren. +++ pm