Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag: Grüne üben scharfe Kritik

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Die Grünen haben den Beschluss des Koalitionsausschusses zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und zur verpflichtenden Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag scharf kritisiert. Auch der Hausärzteverband warnt vor den Folgen der geplanten Neuregelung.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, sagte dem „Spiegel“, die Koalition schicke Millionen Menschen für reine Bürokratie in die Arztpraxen, während das Gesundheitswesen gleichzeitig durch ihre Kürzungspolitik zusätzlich belastet werde.

Nach Auffassung Dahmens sollten Menschen mit einer Erkältung oder einem Magen-Darm-Infekt zur Erholung zu Hause bleiben, anstatt für eine kurzfristige Krankschreibung überfüllte Wartezimmer aufzusuchen. Dies binde ärztliche Kapazitäten, verschlechtere den Infektionsschutz und stehe einer modernen Primärversorgung entgegen.

Kritik äußerte Dahmen auch daran, dass sich der Koalitionsausschuss nicht mit den drängenden Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich befasst habe. Im Beschluss fänden sich weder Lösungen für die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen noch Fortschritte bei der Pflegereform. Stattdessen habe die Koalition aus seiner Sicht ein neues gesundheitspolitisches Bürokratie- und Belastungsprogramm auf den Weg gebracht.

Auch der Hausärzteverband lehnt die Pläne der schwarz-roten Koalition entschieden ab. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, bezeichnete die Beschlüsse gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ als „absolut katastrophal“. Auf die Hausarztpraxen komme dadurch eine enorme zusätzliche Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sei. Zudem warf er der Koalition vor, mit den Beschlüssen die angespannte Situation in den Praxen zu verschärfen.

Nach Angaben des Verbandschefs gebe es keine Hinweise darauf, dass die telefonische Krankschreibung zu einem Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen geführt habe. Alle Statistiken und Untersuchungen belegten vielmehr, dass es sich lediglich um einen statistischen Effekt durch die elektronische Erfassung handele.

Die geplante Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag werde nach Einschätzung des Hausärzteverbandes dazu führen, dass Millionen zusätzliche Patienten ausschließlich für die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eine Arztpraxis aufsuchen müssten. Medizinisch ergebe dies keinen Sinn. Gleichzeitig seien längere Wartezeiten für Patienten zu erwarten, die tatsächlich ärztliche Hilfe benötigten. +++


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