Kommunen fordern mehr verkaufsoffene Sonntage

DIW fordert Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten

Angesichts der Umsatzeinbrüche bei vielen Einzelhändlern in der Coronakrise fordert der Städte- und Gemeindebund, mehr verkaufsoffene Sonntage zu gestatten. „Wir müssen jetzt alles tun, damit unsere Innenstädte und Ortskerne nicht weiter veröden“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem „Handelsblatt“. „Da wäre es ein positives Signal, zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten zu ermöglichen.“ Damit werde für die Menschen nach der Pandemie die Innenstadt und der Ortskern auch wieder erlebbar. Der Städtebund begründete seine Forderung mit der schwierigen Lage des Handels. Über 100.000 Einzelhandelsgeschäfte könnten schließen oder gar nicht mehr öffnen. Damit stünden fast 500.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, sagte Landsberg. Der Onlinehandel habe hingegen sieben Tage die Woche, 24 Stunden geöffnet und habe seinen Umsatz im vergangenen Jahr auch pandemiebedingt auf über 72 Milliarden Euro steigern können. Zusätzliche Sonntagsöffnungszeiten wären daher „ein kleines, aber wichtiges Signal, dass die Innenstädte und Ortskerne Zukunft haben“.

DIW fordert Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert angesichts der schwierigen Lage vieler Einzelhandelsbetriebe eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten. „Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist dringend geboten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann“, sagte Fratzscher dem „Handelsblatt“. „Durch die Pandemie gab es eine massive Verschiebung hin zum Onlinehandel, was sich auch nach der Pandemie nicht komplett wieder umkehren wird.“ Fratzscher sieht die Politik in der Pflicht, für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Das könne nicht bedeuten, dass Menschen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche online einkaufen können, aber der stationäre Einzelhandel weiterhin ein „enges Korsett“ habe und auch sonntags geschlossen sein müsse. „Anstelle von Sanktionen oder Abgaben für den Onlinehandel, sollte die Politik den stationären Einzelhandel attraktiver machen“, betonte der DIW-Chef. Dazu gehörten neben flexibleren Einkaufszeiten auch moderne urbane Konzepte, durch die die Innenstädte wieder attraktiver werden. „Dies hat nicht nur einen unmittelbaren ökonomischen Wert, sondern es ist auch aus sozialer und gesellschaftlicher Perspektive sehr wichtig, dass Menschen sich persönlich begegnen und miteinander in Kontakt kommen“, sagte Fratzscher. +++

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