hphv: Wann kippt der schiefe (Bildungs-)Turm endgültig?

PISA-Studie 2023

Wenig überrascht zeigt sich der Hessische Philologenverband (hphv) über die Ergebnisse der neuesten Pisa-Studie. „Wenn man sich anschaut, wie mit dem Thema Bildung quer durch die Republik seit der ersten Studie Anfang des Jahrtausends umgegangen wurde, wundert einen vielmehr, dass die Öffentlichkeit in dieser Woche über einen weiteren Tiefpunkt noch geschockt ist“, so der Landesvorsitzende Volker Weigand in einer Mitteilung. Ein fortwährendes Aufweichen von Leistungsanforderungen, zu große Klassen, immer mehr Bürokratie im gesamten Bildungssystem führt nach Ansicht der Philologen immer tiefer in die Abwärtsspirale, die sich jetzt wieder in der PISA-Veröffentlichung zeigt. Bildung, und somit die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss, kann nur begrenzt und erfolgreich vermittelt werden. Auch das soziale Umfeld muss nach dem Schulunterricht aktiv unterstützen.

Dies entbindet allerdings die politisch Verantwortlichen nicht davon, deutlich mehr und konsequenter zu handeln. Die in Hessen bereits eingeführten Vorlaufkurse können nur ein erster Schritt sein, dem weitere folgen müssen. „In der hessischen Lehrkräfteausbildung kann sicher noch mehr getan werden als das, was bereits angebahnt worden ist“, fordert der hphv-Vorsitzende auch hier zu einer konsequenteren politischen Vorgabe auf. Schülerinnen und Schüler, die gerade in Deutsch und Mathematik nicht den Anschluss halten können und abgehängt werden, sind auch später massiv in jeder Hinsicht benachteiligt. „Es ist geradezu die Schlüsselfrage sowohl für den Einzelnen, aber auch für den zukünftigen sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand des Landes, dass jeder gefördert und auch gefordert wird“, konstatiert Volker Weigand und sieht insbesondere die zu erwartende neue Koalition in Hessen in der Pflicht. Vornehmlich die MINT-Fächer sind hierbei über alle Schulformen hinweg von essentieller Bedeutung.

Mehr Zeit für jede einzelne Schülerin und jeden Schüler bedeutet auch, dass die Klassengrößen schrittweise in dem Rahmen, in dem der Arbeitsmarkt wieder ausreichend neue Lehrkräfte hervorbringt, abgesenkt werden müssen. Zudem sollte die frühkindliche Bildung im Kindergartenalter dringend gestärkt werden. Je größer schon hier die Unterschiede im sprachlichen Niveau der Kinder sind, desto schwieriger wird es an der Grundschule, da immer heterogenere Lerngruppen unterrichtet werden müssen. „Dies setzt sich dann leider an den weiterführenden Schulen fort und führt zu Versagensängsten und Leistungseinbrüchen auch in den anderen Fächern. Es fehlt an einem sprachlichen Grundgerüst, mit welchem man Hausaufgaben anfertigt, Referate vorbereitet und Klassenarbeiten schreibt“, analysiert der Vorsitzende des hphv Weigand die Lage dort. Es bedarf nach Ansicht des Philologenverbandes somit einer umfassenden Kraftanstrengung, um auch über die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel für den Bereich Schule den langjährigen Abwärtstrend zu beenden. +++