Hochschule Fulda startete Veranstaltungsreihe, um für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu sensibilisieren

Akzeptanz und Vielfalt in Fulda und Region

„Inwieweit sexuelle und geschlechtliche Vielfalt akzeptiert wird, hängt maßgeblich davon ab, ob Betroffene in größeren Städten oder in ländlich geprägten Regionen leben“, sagt Prof. Dr. Carola Bauschke-Urban, Soziologin und Diversitätsforscherin an der Hochschule Fulda. Während in größeren Städten häufig eher positivere Einstellungen gegenüber LSBTIQ- Personen (lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter* sowie queere Personen) existieren, sei es für Betroffene in ländlichen Regionen oft noch schwierig, die eigene Persönlichkeit frei zu entfalten und ein offenes und diskriminierungsfreies Leben zu führen. „Es gibt gute Gründe, auch in ländlichen Regionen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu reden“, betont die Wissenschaftlerin, die am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften lehrt und forscht. Mangelnde Akzeptanz und Diskriminierung wirke sich nicht nur negativ auf die Betroffenen aus, sondern belaste auch deren familiäres Umfeld. Selbst für Unternehmen könne das negative Folgen haben, beispielsweise wenn qualifizierte Mitarbeiter*innen sich beruflich in Richtung größerer Städte orientieren.

Kulturelle und informative Angebote mit wissenschaftlichem Hintergrund

Gelegenheit, sich zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auszutauschen und zu vernetzen, will nun eine regionale Veranstaltungsreihe bieten. Unter dem Titel „Akzeptanz und Vielfalt in Fulda und Region“ hat ein Forschungsteam um Prof. Bauschke-Urban ein vielfältiges Programm organisiert, das Betroffene, Angehörige und alle Interessierten ansprechen soll. Geplant sind unter anderem eine Filmreihe, Kabarett, eine Travestie-Talkshow und ein Queer-Slam. Daneben werden wissenschaftliche Veranstaltungen angeboten, unter anderem ein Fachtag mit dem Hessischen Staatsminister für Soziales und Integration, Kai Klose.

Auftakt in der Aula der Alten Universität Fulda

Am Donnerstag fand die erste Veranstaltung dieser Reihe in der Aula der Alten Universität Fulda statt. Prof. Dr. Stefan Timmermanns von der University of Applied Sciences, Frankfurt, gab zum Auftakt einen Einblick in die Lebenswelt von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen in Hessen. Er hatte 2016 im Rahmen eines Forschungsprojekts 14 junge Menschen in biographischen Interviews zu ihren Erfahrungen auf dem Weg ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identitätsentwicklung befragt. Wie haben sie das Coming-out in Familie, Schule und Freundeskreis erlebt? Spielten Vereine oder Jugendverbände in dieser Phase eine Rolle? Welchen Bedarf an Beratung und Unterstützung formulieren Jugendliche, und welche Angebote empfinden sie als passend und hilfreich?

Hessischer Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt

Das Projekt „Akzeptanz und Vielfalt in Fulda und Region“ verwirklicht Ziele des hessischen Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt, mit dem die Landesregierung umfangreiche Handlungsempfehlungen gibt, um die Lebenssituationen von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen und geschlechtlichen Identitäten in den Blick zu nehmen und zu verbessern sowie Diskriminierungen abzubauen. Es wird vom Hessischen Ministerium Soziales und Integration gefördert. „Wir sehen uns in der Verantwortung, die freie Entfaltung der Persönlichkeit des oder der Einzelnen zu fördern und sich für ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Leben aller Menschen in Hessen einzusetzen. Wir wollen allen Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität, ein gleichberechtigtes Leben ermöglichen sowie Selbstbestimmung und volle Teilhabe an der Gesellschaft gewährleisten“, heißt es im Aktionsplan. Nur wer von seinen Mitmenschen und vor dem Recht als gleichwertig anerkannt werde, könne sein Leben selbstbestimmt gestalten und seine Potenziale entfalten.

Interviewpartner gesucht

Das Fuldaer Projekt schließt auch die wissenschaftliche Begleitung der Veranstaltungsreihe ein. „Wir wollen mehr über die Lebenswelten von LSBTIQ-Personen in ländlichen Regionen erfahren und herausfinden, welche strukturellen Probleme, aber auch, welche Akzeptanzräume es bereits gibt“, beschreibt Projektleiterin Prof. Bauschke-Urban die wissenschaftliche Fragestellung. „Denn wir wissen, dass viele LSBTIQ-Personen aus ländlichen Regionen in größere Städte abwandern, aber wir wissen nicht, welche Gründe es im Detail dafür gibt.“ Die Wissenschaftlerinnen werden in den kommenden Monaten Interviews mit LSBTIQ-Personen führen, selbstverständlich strikt anonym. Wer Interesse hat, kann sich unter der E-Mail info@akzeptanz-und-vielfalt-fulda.de beim Projektteam melden. +++ pm

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