Geplante Turmhaube: Das sagt die Fuldaer Parteienlandschaft

Magistrat der Stadt: „Nahezu 500 Jahre prägte der weltliche Schlossturm die Stadtsilhouette Fuldas“

In seinem „Schwarzbuch“ hat der Bund der Steuerzahler (BdSt) die sogenannte „Turmhaube“ des Schlossturms des Fuldaer Stadtschlosses als „Steuerverschwendung“ angeprangert. Wir haben einmal nachgefragt, wie dies in der Fuldaer Parteienlandschaft und im Stadtschloss selbst gesehen wird. Die Stadt Fulda erachtet die Erhaltung der „historischen Bausubstanz in der Stadt“ als eine „wichtige Aufgabe“. Dazu gehört auch die „Anpassung an heutige Erfordernisse“, wie etwa die Barrierefreiheit, eine „eingehende Beschäftigung mit der Baugeschichte“ und damit die Umsetzung einhergehender Erkenntnisse. Vor diesem Hintergrund widerspricht die Stadt der kritischen Einschätzung des Steuerzahlerbundes, die dieser zur Sanierung des historischen Schlossturms sowie der künstlerischen Umsetzung der Turmhaube abgegeben hat, und der offensichtlich fehlerhafte Annahmen zugrunde liegen.

„Die Stadt Fulda baut nicht – wie vom Steuerzahlerbund fälschlicherweise behauptet -, weil es Fördermittel gibt, sondern, da es notwendig ist, den Schlossturm umfassend zu sanieren“, heißt es aus dem Stadtschloss. „Der Schlossturm aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den ältesten Teilen des Fuldaer Stadtschlosses und wies erhebliche bautechnische Mängel auf, so dass eine grundhafte Sanierung notwendig war. Ziel der Sanierung war es auch, eine neue Erschließung im Turm zu ermöglichen, da der Turm nicht nur als touristischer Anziehungspunkt, sondern auch als Erschließungsanlage des kompletten Verwaltungsgebäudes fungiert, das aktuell nur teilweise barrierefrei zugänglich ist. Zukünftig werden alle Etagen des Schlosses einschließlich der Kaisersaalterrasse und des Schlossgartens sowie die Aussichtsplattform auf dem Turm barrierefrei zugänglich sein.

Im Zuge der umfangreichen Untersuchungen, Gutachten und Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurden zunächst die Geschichte und Genese des Turms sowie seine jeweiligen Bauzustände untersucht. Der erste Turm der mittelalterlichen Abtsburg verfügte über einen Treppengiebel und ein Satteldach. Auf den mittelalterlichen Turm wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein oktogonaler Renaissance-Turm mit neuem geschwungenem Holzdach aufgesetzt. Dieser Turm war durch die neue Höhe weithin sichtbar und blieb fester Bestandteil des Schlosses. Erst Ende des 18. Jahrhunderts ging das Dach verloren. Fast 500 Jahre lang war also die Stadtsilhouette Fuldas neben zahlreichen Kirchtürmen geprägt durch die Dominante des weltlichen Schlossturms.

Im Rahmen der Sanierung ergab sich die wahrscheinlich einmalige Gelegenheit, die ursprüngliche Proportion des Schlossturms wiederherzustellen und an die eigentliche Wirkung des Turms zu erinnern. Dies geschieht durch ein künstlerisches Objekt, das die Außenkonturen einer Renaissancehaube andeutet und das auf der Aussichtsplattform unter Erhalt der historischen Balustrade errichtet wird. Diese Maßnahme wurde als eigenes Projekt in den Haushalt der Stadt Fulda aufgenommen und nach eingehender Beratung von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen“, heißt es auf Anfrage aus dem Stadtschloss.

Patricia Fehrmann (CDU): Investition angemessen und sinnvoll

Die CDU- Fraktion hat sich sehr ausführlich mit dem Thema „Turmhaube“ beschäftigt. Wir alle kennen den Turm nur ohne sogenannte Haube oder Bedachung, so die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Fuldaer Stadtparlament, Patrica Fehrmann, gegenüber fuldainfo.de. Ein Blick in die Historie zeigt aber, dass der aus dem 13. Jahrhundert stammende Turm bis Ende des 18. Jahrhundert über ein Dach verfügte. Mit der Turmhaube, die in ihren Konturen eine Renaissancehaube darstellt, wird der Turm wieder als solcher wahrgenommen. Das Stadtschloss wird durch die Turmhaube seine ursprünglichen Proportionen erlangen. Bei Investitionen in dieser Höhe ist es unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass sie angemessen und sinnvoll sind. Eine umfassende Sanierung des Turms war aufgrund technischer Mängel notwendig. Hierdurch hat sich aus baulichen Gründen die Gelegenheit ergeben, neben der Sanierung auch den sogenannten ‚ursprünglichen Zustand‘ mit Bedachung herzustellen. Für uns ist die Investition daher angemessen und sinnvoll. Es ist aus künstlerischer und historischer Sicht richtig, dass kein Holzdach, sondern eine Haube aus Edelstahl errichtet wird. Wir gehen davon aus, dass die Haube dem Turm und dem Stadtschloss insgesamt eine ganz besondere Attraktivität verleihen wird und unsere historische Innenstadt bereichert.

Silvia Brünnel (Grüne): Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters

Die Stadtkrone hat bereits vor dem Eintrag ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes für Debatten gesorgt. Dass die Frage gestellt wird, ob es sich um Verschwendung von Steuergeldern handelt, ist bei Kunstprojekten jedoch häufig der Fall, denn Kunst liegt bekanntlich „im Auge des Betrachters“ – und ja, es bleibt abzuwarten, ob die „Turmbekronung“ aus Stahl die touristische Wirkung erzielt, die sich die Verantwortlichen der Stadt dabei erhoffen. Die Idee, die notwendigen Sanierungen des Turms mit barrierefreier Erreichbarkeit zu verbinden und gleichzeitig den Turm wieder in seiner alten Höhe erscheinen zu lassen, ist jedoch durchaus verständlich, denn die Stadtsilhouette war jahrhundertelang nicht nur von Kirchtürmen geprägt, sondern auch von einem weltlichen Schlossturm. Die Entscheidung, nicht historisierend zu bauen, sondern vielmehr den Turm mit einer abstrakten Turmkonstruktion zu versehen, ist zu begrüßen. Dass man angesichts der hohen Kosten die Notwendigkeit des Baus in Frage stellen kann, ist jedoch durchaus berechtigt und wurde auch in der Fraktion diskutiert.

Martin Jahn (CWE): Kritik an der Erhaltung der Stadtgeschichte nicht zielführend

Kritik an Vorhaben in dieser Größenordnung ist sicherlich immer von den Seiten der Betrachter zu erwarten. Wir als Vertreter der Bürgerschaft sind aber auch verpflichtet, unsere städtische Kultur und Stadtgeschichte zu erhalten beziehungsweise wenn dies möglich ist, auch wieder neu sichtbar zu machen. Ohne Kosten ist dies aber nicht machbar. Der Turm wird nach seiner Sanierung und der dann sichtbaren Krone sicherlich für alle Fuldaer und Touristen ein neues interessantes Motiv werden. Über Kunst wird gerne diskutiert, das ist auch gut so, denn es zeigt, dass Kunst wahrgenommen wird. Ich persönlich begrüße das Objekt Turmkrone und bin auch davon überzeugt, dass es in einigen Jahren als positiver Impuls für Geschichte und Stadterhaltung so in der breiten Öffentlichkeit gesehen wird. Kritik an der Erhaltung der Stadtgeschichte finde ich nicht zielführend. Es gibt ein Sprichwort, welches gerade in der heutigen Zeit der Gleichgültigkeit ganz gut passt: In der Schule ist Geschichte das dümmste Fach, weil keiner was daraus lernt. Das ist sicherlich überspitzt, hat aber durchaus seine Berechtigung. Wir sollten daraus lernen und unsere Geschichte Fuldas kenntlich machen, wo immer dies möglich ist, so Martin Jahn von der Gruppe Christliche Wählereinheit im Fuldaer Stadtparlament.

Lamely (AFD): An die Stadthistorie zu erinnern überzeugte

Nach den uns vom Stadtbaurat vorgelegten Informationen zur Turmhaube sollen die Baukosten dafür angemessen kalkuliert worden sein. Da ohnehin Arbeiten am Stadtschloss vorgenommen wurden, hieß es,  soll der Zeitpunkt der Installation sogar günstig gewesen sein, da man hier Arbeiten in einem Durchgang ausführen lassen könnte. Im Vertrauen auf diese Informationen und weil uns auch das Konzept sowie die Intension in die Optik eines städtischen Wahrzeichens zu investieren und dabei an die Stadthistorie zu erinnern überzeugte, hat unsere Fraktion für die Turmhaube gestimmt, so Pierre Lamely, Vorsitzender der AfD Fulda. +++